Afrikanische Knirpsmaus

Junge Afrikanische Knirpsmaus

Überblick

Herkunft:warme, ganzjährig Wasser liefernde Gebiete Afrikas
Sozialverhalten:komplexes Sozialverhalten; (selbstregulierende) Familiengruppen, die sich in Untergruppen von ca. 5 bis 20 Tieren teilen
Aktivitätszeit:dämmerungs- und nachtaktiv
Minimale Gehegegröße:100x50x50cm für 12 Tiere, ab 1,5qm für Familiengruppen
Handling:schnelle, eher scheue, sehr kleine Tiere
Ernährung:Saaten und Getreide, Insekten, Gräser und Kräuter, Gemüse, Obst
Größe und Gewicht:3 – 4cm + 4 – 5cm, 5 – 6g
Geschlechtsreife:5 – 7 Wochen
Tragzeit:19 – 21 Tage
Besonderheiten:In gleichgeschlechtlicher Haltung haben sich vor allem Bockgruppen als schwierig erwiesen.
 
Ampelmaus rot - schwierige Art

Systematik und Biologie

Ordnung:Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung:Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie:Mäuseartige (Muroidea)
Familie:Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie:Echte Mäuse (Murinae)
Gattung:Mus
Art:Afrikanische Knirpsmaus (Mus minutoides)

Die Knirpsmaus wird in Deutschland auch unter dem Namen „Afrikanische Zwergmaus“ gehandelt.

Die Knirpsmaus als Wildtier

Zehn Arten der Knirpsmaus leben in ganz Afrika südlich der Sahara. Die bei uns gehaltenen Exemplare von Mus minutoides entstammen der Region von Südafrika über Zimbabwe bis Mosambik.
Viele Exemplare wurden wahrscheinlich aus Swaziland importiert. Daher können Sie sich bei der Haustierhaltung auch an den Bedingungen dieses Landstriches orientieren. Es handelt sich bei dem Gebiet um sommerfeuchte Tropen mit Savannen. Die typische Vegetation ist also eine Mischung aus Bäumen und geschlossener Grasdecke. Die winterliche Trockenzeit dauert je nach Region drei bis sieben Monate. In der Regenzeit blüht die Vegetation sehr schnell auf und zehrt lange von dem Wasser, das der weit verbreitete Lehmboden gut zu halten vermag. Die Niederschlagsmenge variiert je nach Gebiet zwischen 500 mm im östlichen Tiefland und 2000 mm im westlichen Hochland. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 16 bis 22 °C.
Das Auftreten der Knirpsmaus ist immer an das Vorhandensein von Wasser gebunden. Außerdem findet man die Tiere selten bis nie in vegetationslosen Bereichen. Als Kulturfolger suchen sie gerne die Nähe von Anbaugebieten und menschlichen Siedlungen, wo sie auch als Ernteschädling von Bedeutung sind.
Knirpsmäuse legen ihre Nester meist direkt unterhalb der Grasnarbe, aber auch in der Grasschicht an und bewohnen sie dort in größeren Gruppen und Familienverbänden. Permanente Nester wurden aber auch in hohlen Bäumen in Bodennähe gefunden. Die Ausdehnung der unterirdischen Gänge korreliert meist mit der Größe des Familienverbandes.

Anatomie und Erscheinung

Die Knirpsmaus ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 3 bis 4 cm, einem schmalen, unbehaarten Schwanz von 4 bis 5 cm Länge und einem Gewicht von 5 bis 6 g eines der kleinsten Nagetiere der Welt. Die Weibchen sind dabei geringfügig größer als die Männchen.
In der Wildform sind die Tiere auf der Oberseite rotbraun, auf der Bauchseite weiß. Es gibt in der Haustierhaltung aber inzwischen auch aufgehellte und sogenannte blaue Knirpsmäuse, die auf der Oberseite eine dunklere Färbung aufweisen.
Die relativ großen Augen weisen sie als eher nachtaktive Nager aus.

Knirpsmaus auf einer Kokosnuss
Knirpsmäuse sind die kleinsten Nager der Welt

Die Knirpsmaus als Haustier

Eignen sich Afrikanische Zwergmäuse für mich?

Knirpsmäuse dürfen wie fast alle Mäuse niemals einzeln gehalten werden!

In welcher Gruppengröße sich die Tiere wohlfühlen, kann von Individuum zu Individuum allerdings recht unterschiedlich sein. Eine Gruppenstärke von mindestens 4 bis 6 dürfte aber für das Gros der Zwergmäuse passen. Im Idealfall bieten Sie bei Familiengruppen so viel Platz, dass jeder der einzelnen Untergruppen ihren Platz im Gehege findet. So können die Mäuse ihre Gruppenstärke selbst wählen. Das komplexe Sozialverhalten und die Haltung im selbstregulierenden Familienverband ist es allerdings auch, was ihre Haltung neben der geringen Größe und den damit verbundenen Problemen anspruchsvoller und die Tiere für Anfänger wenig geeignet macht.

Im Gegensatz zu einigen anderen Mäusearten riechen sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere kaum.
Allerdings sind die nachtaktiven Nager reine Beobachtungstiere und werden auch eher selten futterzahm. Die Mäuse mögen es gar nicht, angefasst zu werden.
Am glücklichsten wird mit ihnen also ein etwas erfahrenerer Halter werden, der Spaß an der Gestaltung des Geheges hat und seine Tiere lediglich beobachten möchte.
Für Kinder sind Knirpsmäuse schon aufgrund der geringen Größe keine geeigneten Haustiere!

Checkliste Knirpsmaus

  • riechen kaum
  • für Naturterrarien geeignet
  • präsent und lebhaft
  • reine Beobachtungstiere
  • nachtaktiv
  • komplexes Sozialverhalten
  • Handling bedarf einiger Übung
  • sollten nicht tageweise allein gelassen werden
  • großer Platzbedarf bei Familiengruppen
  • Familienverbände bedürfen eines Mäusefressers
Knirpsmäuse im Nest
Knirpsmäuse sind sehr spezielle Pfleglinge - nicht nur aufgrund ihrer Größe

Handling von Knirpsmäusen

Knirpsmäuse sind keine Kuscheltiere. Deshalb sollten Sie es nach Möglichkeit vermeiden, die Tiere anzufassen. Aufgrund ihrer geringen Größe können Sie den Mäusen bei unsachgemäßer Behandlung leicht innere Verletzungen zufügen.

Handling zu Hause

Zum Umsetzen zu Hause können Sie die Nager mit einer Faunabox oder Schachtel einfangen. Für die Geschlechterbestimmung setzen Sie die Knirpsmäuse am besten ebenfalls in die durchsichtige Box und betrachten sie von unten.

Handling beim Tierarzt

Beim Tierarzt wird das Handling aufgrund der geringen Größe der Tiere schwierig. Für genauere Untersuchungen sollten Sie die Tiere im Nackengriff fassen. Das erfordert bei den kleinen Tieren allerdings etwas Feingefühl und Übung, um sie nicht zu verletzen. Verzichten Sie auf Berührungen der Mäuse, wenn sie nicht unbedingt notwendig sind. Benutzen Sie zum Betrachten der Tiere in der Praxis ebenfalls eine Faunabox.

Entflohene Knirpse

Entflohene Exemplare fangen Sie am besten mit der Hand, einer Faunabox oder der Triptrap wieder ein. Auch Eimerfallen haben sich bei Knirpsmäusen durchaus bewährt.

Sozialstruktur und Verhalten

Die oft recht scheuen Nager sind Tiere mit einer sehr komplexen Sozialstruktur, die sich in der Haustierhaltung nur in sehr großflächigen Gehegen abbilden lässt. Deshalb hat sich in der Haustierhaltung neben der Haltung in Familiengruppen auch die Haltung in gleichgeschlechtlichen Gruppen etabliert.

Bei Knirpsen gibt es immer mal wieder instabile Gruppen oder ein Halter hat nach dem Neuerwerb durch den Umzug das Problem streitender Mäuse. Auch der Tod hochrangiger Gruppenmitglieder kann zu Unruhe führen. Ist eine Gruppe nicht ganz stabil, sollten Sie beim Ausmisten höchstens die Hälfte der Einstreu wechseln. Entfernen Sie aber auch bei stabilen Gruppen immer nur einen Teil. So erhalten Sie den Gruppengeruch im Revier der Tiere und vermeiden, dass Streitereien entstehen oder ausufern.

Haben Sie Nachwuchs bei Ihren Knirpsmäusen, vermeiden Sie jede unnötige Störung im Gehege, da die Tiere darauf sehr schnell mit der Vernichtung des gesamten Wurfes reagieren.

Knirpsmäuse können Sie am besten nach Einbruch der Dunkelheit beobachten. Dazu eignet sich eine Rotlicht- oder Mondlichtlampe. So stören Sie die Zwerge nicht, während diese geschäftig ihrem Nachtwerk nachgehen. Viele Gruppen lassen sich nach einer gewissen Zeit aber auch nicht mehr von der Zimmerlampe stören.

Familiengruppe

Familienverbände sind in meinen Augen für Knirpsmäuse die bessere Lösung in der Haltung, da die Tiere – ein ausreichend großes Gehege vorausgesetzt – die Größe der Untergruppen selbst wählen können.

Die Basis für eine solche Gruppe sollten 10 oder mehr Mäuse beiderlei Geschlechts sein, wobei mindestens die Hälfte Weibchen sein sollten. Vermeiden Sie den Aufbau einer Gruppe mit nur einem Pärchen oder einer Gruppe, die nur ein Männchen hat. Dies reduziert den Genpool unnötig stark.

Diese Basisgruppe vermehrt sich anfangs recht zügig. Bei etwa 45 bis 75 Tieren pendelt sich die Gruppengröße im Durchschnitt ein und bleibt auch recht stabil. Manche Gruppen pendeln sich aber auch erst bei 80 oder mehr Mäusen ein.

Eher selten wachsen Gruppen auch unbegrenzt weiter und erreichen eine Größe von 150 Individuen oder mehr. Für einen solchen Fall und um die Gruppe gesund zu erhalten brauchen Sie jedoch einen Mäusefresser im Haus oder Kontakt zu einem Halter solcher Tiere.

Vorteile
Die Zwergmäuse können sich frei in ihren Kleingruppen zusammenfinden und die Wohlfühlgruppengröße so selbst wählen. Diese Größe lässt sich vom Halter von außen nicht ermitteln – was das Finden der optimalen Gruppengröße in der gleichgeschlechtlichen Haltung deutlich erschwert. Zudem vermeiden Sie den Stress und das Zoffpotenzial, das Vergesellschaftungen mit sich bringen.
Nachteile
Kranke Tiere müssen oft aus der Gruppe und damit aus der Vermehrung entfernt werden. Auch ältere Tiere, die von der Gruppe manchmal gemobbt werden, müssen Sie herausnehmen. Andernfalls wird die Gruppe sie so lange angreifen, bis sie an ihren Verletzungen oder dem Stress sterben. Die einzig sinnvolle Lösung ist hier, die kranken oder alten Tiere zu verfüttern. Das Auskoppeln von Minigruppen für Kranke oder Senioren ist prinzipiell möglich, resultiert für Sie dann aber mitunter in gleich mehreren Minigruppen. Daher ist der Kontakt zu Haltern von Mäusefressern für Knirpsmaushalter immer sinnvoll.

Gleichgeschlechtliche Gruppen

Die Haltung in gleichgeschlechtlichen Gruppen ist bei Knirpsmäusen grundsätzlich möglich. Weibchengruppen sind in der Regel recht friedlich. Männchengruppen fallen öfter als unruhig, sogar bis hin zu unverträglich auf.

Problematisch ist die gleichgeschlechtliche Haltung vor allem dann, wenn eine Familiengruppe in zwei geschlechterreine Gruppen getrennt wird. In der Regel klappt das mindestens bei den Böcken – manchmal sogar bei den Weibchen – nicht und die Mäuse bekämpfen sich rabiat. Das hat dann oft schwere und schwerste Verletzungen zur Folge. Im schlimmsten Fall zerbrechen die neuen Gruppen in lauter Kleinstgruppen oder gar Einzeltiere.

Die Ursache für das Problem könnte unter anderem darin liegen, dass Sie mit diesem Vorgehen die vorhandenen, etablierten Untergruppen zerstören und willkürlich die Sozialstruktur neu ordnen. Die Rangordnung in der Gruppe müssen die kleinen Nager nun neu ausfechten.

Vorteile
Bei gleichgeschlechtlicher Haltung entfällt das Problem der Frage: “Wie viele werden sie denn jetzt wirklich?” Zudem ist diese Haltungsform nicht unbedingt so platzintensiv wie eine Familiengruppe. Außerdem fällt die Notwendigkeit eines Mäusefressers bei Bedarf weg.
Nachteile
Vor allem bei Männchengruppen ist das Streitpotenzial geschlechterreiner Gruppen nicht zu unterschätzen. Sie sollten daher in bereits knirpsmauserfahrenen Händen verbleiben. Aufgrund ihrer nahen Verwandtschaft zu Farbmaus ist zwar eine Besserung der Aggressionen durch Kastration denkbar – jedoch wird kaum ein Tierarzt diesen Eingriff an den winzigen Tieren durchführen. Problematisch ist außerdem, dass Sie bei dieser Haltungsform die den Nagern angenehme Gruppengröße faktisch nur raten können. Um eine solche Gruppe zu erhalten, müssen Sie sich außerdem immer wieder mit der Suche nach verträglichen Exemplaren auseinandersetzen und mit der Vergesellschaftung. Letztere kann bei Knirpsmäusen einiges an Erfahrung und Fingerspitzengefühl brauchen.
Gruppe von Knirpsmäusen
Knirpsmäuse fühlen sich nur mit Artgenossen wohl
Verletzte Knirpsmäuse
So kann das Ergebnis eines Vergesellschaftungsversuchs oder einer Gruppentrennung nach Geschlechtern aussehen

Haltung von Knirpsmäusen

Welche Gehegegröße brauchen Zwergmäuse?

Da Knirpsmäuse wirklich winzige Tiere sind, lassen sich viele Halter dazu verleiten zu glauben, die Tiere bräuchten nicht viel Platz. Manche Quellen gehen für 2 bis 5 Tiere von Gehegemindestmaßen zwischen 30x30x40cm und 60x30x30cm aus. Für die flinken, sehr bewegungsfreudigen Nager ist das jedoch zu wenig. Gleichgeschlechtliche Gruppen bis etwa 15 Tiere fühlen sich erst ab einer Gehegegröße von 100x50x50cm wohl. Familiengruppen brauchen mindestens 1,5qm Grundfläche.

Welche Gehege eignen sich für Knirpsmäuse?

Geeignete Gehege für die Haltung von Knirpsmäusen sind Aquarien, Terrarien, umgebaute Schränke und Eigenbauten. Bei Eigenbauten und Schränken sollten Sie auf die im wahrsten Sinne lückenlose Verarbeitung achten, da die Tiere auch durch kleine Ritzen passen.

Als Drahtgeflecht zum Bespannen ist Maschendraht mit einer Maschenweite von 0,6cm geeignet. Käfige mit Parallelgitter sind dagegen grundsätzlich ungeeignet.

Terrarien, Schränke und entsprechend konzipierte Eigenbauten haben den Vorteil, dass Sie nicht wie ein Raubtier von oben auf die Tiere greifen müssen. Zumindest Glasterrarien sind aber in der passenden Größe (bei Familiengruppen) recht teuer und sehr unhandlich. Eine günstige und praktische Alternative bieten OSB-Terrarien.

Beim Aquarium müssen Sie wie ein Beutegreifer von oben auf die Tiere fassen, was zumindest anfangs Stress für diese bedeutet. Ansonsten ist auch ein solches recht gut für die Haltung der winzigen Mäuse geeignet. Jedoch braucht es unbedingt eine Abdeckung mit Maschengitter, da die Mäuse sonst rausspringen.

Bei der Haltung in Glasterrarien und Aquarien sollten Sie mindestens 2, besser 3 Seiten mit einem Sichtschutz von innen oder außen versehen. Das kann zum Beispiel eine Beklebung von außen sein oder Sie hängen die Wände mit Jutesäcken von innen ab, die die Tiere dann auch noch beklettern können.

Einstreu für Knirpsmäuse

Als Einstreu können Sie Holzstreu oder Leinstreu mit Heu oder auch andere Untergründe wie Erde, ein Erde-Sandgemisch oder Kokoshumus verwenden. Der Bodengrund sollte zwischen 10 und bis 20cm hoch aufgeschüttet sein, sodass die Tiere darin ihre Gänge und Wohnhöhlen anlegen können. Entgegen manchen Quellen graben die Tiere nämlich recht gern.

Inventar für Knirpsmäuse

Bei der Einrichtung sind Ihrer Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Verwenden können Sie für Verstecke Gegenstände aus allen möglichen Naturmaterialien, wie etwa Kork, Blumentöpfe, Kokosnüsse, Nagerhäuschen o. ä. Dinge. Auch ein Sandbad wird gerne angenommen, wenn auch oft als Toilette. Zum Baden wird es nicht genutzt, da Knirpsmäuse ihr Fell nicht mit Sand pflegen.
Bieten Sie den kleinen Nagern Äste und Korkröhren an, zeigen die sich mitunter deutlich kletterfreudiger, als man ihnen gemeinhin nachsagt.

Brauchen Knirpsmäuse ein Laufrad?

Laufräder und auch leichtgängige Laufteller werden von Knirpsmäusen begeistert genutzt. Die kleinen Nager scheinen dieses Inventar nicht unbedingt als Mittel zur Bewegung anzusehen, sondern eher als Spielzeug. Für größere Gruppen lohnen sich daher 4 und mehr Laufräder.

Wie biete ich meinen Knirpsmäusen Futter und Wasser an?

Das Körnerfutter können Sie im Napf anbieten oder frei im Gehege verteilen. Letzteres entspannt die Nahrungsaufnahme vor allem für ältere und rangniedrige Tiere und beschäftigt die Mäuse länger. Möchten Sie einen Überblick haben, wie viel die Familie wirklich frisst, sollten sie bei größeren Gruppen mehrere Schüsseln an verschiedenen Plätzen anbieten.

Ebenfalls zur Grundausstattung gehört ein Wasserbehälter – im Idealfall ein Wassernapf.
Möchten Sie Wasserflaschen anbieten, so bedenken Sie, dass die kleinen Tiere die Kugeln von Kugeltränken nicht bewegen können. Diese sind für sie zu schwer. Nippeltränken aus Glas vermeiden dieses Problem. Laufen sie jedoch aus irgendeinem Grund einmal nicht nach, kann Sie das Ihre gesamte Mäusegruppe kosten, wenn Sie es nicht rechtzeitig bemerken. Bieten Sie also sicherheitshalber parallel Wasser aus einer Schüssel an.
Die Kompromisslösung zwischen Wasserflasche und Schüssel ist die Vogeltränke. Hier ist eine permanente Versorgung immer gesichert, ohne dass die Mäuse das Wasser allzu leicht verschmutzen können.

Checkliste Haltung

  • Kleingruppen min. 0,5qm
  • Familiengruppen min. 1,5qm
  • Buddelfläche + Kletterfläche
  • Aquarien, Terrarien (mit Säugerlüftung!), umgebaute Schränke oder Eigenbauten
  • Maschendraht: Maschenweite von 6mm
  • grabfähige Einstreu (Holzstreu, Hanfstreu oder Leinstreu + Heu, Erde)
  • Sandbad unnötig
  • Gehegetemperatur 20 - 25°C -> Heizlampe oder Heizmatte
  • Äste, Wurzeln, Hanfmatten, Kokosnüsse, Kork
  • Häuschen aus Holz, Kokosnuss, Ton, Keramik, Porzellan, Kork oder Heu
  • Laufrad oder Laufteller
  • Futterschüssel kein Must Have
  • Wasserschüssel oder offene Tränke mit Reservoir
Brauchen Knirpsmäuse eine Heizung?
Die Temperatur im Gehege sollte mindestens punktuell 20 bis 25°C betragen. Bei Glasterrarien und Aquarien können Sie bei Bedarf eine kleine Heizmatte (z. B. Thermolux 7 Watt) unter eine Ecke des Geheges legen. Eine Nachtabsenkung der Temperatur ist nicht unbedingt notwendig, fördert aber den natürlichen Rhythmus. Achten Sie darauf, dass die Heizkraft der Matte der Größe des Geheges angepasst ist, da sonst die Gefahr der Überhitzung besteht. Alternativ können Sie den Mäusen auch eine Wärmelampe anbieten. Für den Tag eignet sich ein Sunspot sehr gut, für die Nacht ein Rotlicht oder Mondlicht.
Naturgehege für Knirpsmäuse
Erde wird als Untergrund sehr gern angenommen. Allerdings muss sie immer leicht feucht gehalten werden, damit sie nicht staubt. Achten Sie daher darauf, dass die Tiere trockene Rückzugsflächen finden. Wenn Sie möchten, können Sie das Gehege auf diesem Untergrund auch bepflanzen. Wollen Sie es dauerhaft komplett begrünen, sollte das Gehege sehr groß sein und eine eher geringe Besatzdichte aufweisen und über eine Pflanzenleuchte verfügen. Eine Alternative sind Topfpflanzen. Zur Bepflanzung geeignet sind beispielsweise Grünlilie, Hibiskus, Schilf, Hafer und andere Getreide, Gemeiner Beifuß, Stacheldistel oder Gemeines Knaulgras. In einem Glasterrarium oder Aquarium müssen Sie dann auf ausreichend große Lüftungsflächen achten. Sonst stauen sich nachts Wasser und Kohlendioxid im Gehege.
Knirpsmaus auf dem Laufteller
Laufräder und Laufteller sind bei Knirpsen überaus beliebt
Knirpsmausgehege
Für Knirpsmäuse erstellter Eigenbau

Was fressen Afrikanische Zwergmäuse?

Als Grundfutter eignet sich für Knirpsmäuse eine Mischung aus Exotenfutter, Unkrautsamen, Grassamen, Wildsaaten und anderen Feinsämereien. In diese Basis können Sie auch geringe Mengen Kräuter und Blüten oder größere Saaten wie Kürbiskerne und größere Getreide mischen.
Sie können die Knirpsmäuse ihr Futter auch erarbeiten lassen, indem Sie Hirsekolben, -rispen oder Fruchtstände von Gräsern anbieten. Diese werden gern angenommen.
Heu und getrocknete Gräser werden primär zum Nestbau verwendet, in kleineren Mengen fressen es die Mäuse aber auch. Wegen ihres Ballaststoffgehaltes sollten Sie diese und Trockenkräuter bzw. -blüten auf alle Fälle mit anbieten.

Die meisten Knirpsmäuse mögen Grünfutter wie (wenig!) Obst, Gemüse und sonstiges Frischfutter nicht allzu sehr. Hier fressen sie sehr selektiv und auch nicht immer das Gleiche. Ist Montags Möhre in, kann sie schon am Dienstag liegen bleiben. Dafür fressen die Tiere dann vielleicht Vogelmiere oder Paprika. Anbieten sollten Sie daher ein möglichst abwechslungsreiches Feuchtfutter. Zudem unterliegen die Ernährungsgewohnheiten der Tiere saisonalen Schwankungen und die Präferenzen der Mäuse können sich unter Umständen radikal ändern. Manche Halter berichten, dass sehr klein geschnittenes Frischfutter besser angenommen wird.
Bevorzugt werden von den Knirpsen vor allem Gräser, Kräuter und Blätter, da dies der natürlichen Diät dieser Mausart am nächsten kommt. Mögen die Nager also das Gemüse partout nicht, können Sie es mit verschiedenen Süßgräsern und ähnlichem Grün versuchen.

Unverzichtbar ist auch das Eiweißfutter, das Sie den Nagern in Form von lebenden oder getrockneten Insekten anbieten können. Geeignet sind beispielsweise Mehlwürmer, Heimchen, kleine Engerlinge, Käfer und Heuschrecken. Fehlt den Tieren die Eiweißkomponente im Futter ganz oder füttern Sie zu wenig, kommt es zu einem Proteinmangel. Der kann sich durch Anfressen der Ohren und Schwänze bei erwachsenen Tieren und dem Fressen ganzer Jungtiere äußern.

Eine permanente Wasserquelle muss den Tieren immer zugänglich sein, da ihr Stoffwechsel sehr schnell ist. Sie können deshalb auch bei kurzzeitigem Mangel an Wasser organische Schäden davontragen. Zudem töten die Tiere bei Wassermangel schnell Artgenossen, um aus ihnen die lebensnotwendige Flüssigkeit aufzunehmen.

Checkliste Ernährung

  • kleinsaatenbetonte Samenmischung als Grundfutter
  • fressen kaum getrocknete Kräuter und Blüten
  • Schwerpunkt des Frischfutters auf Gemüse, Gräsern und Kräutern
  • wenig Obst
  • Insekten als Proteinfutter -> Lebendfütterung möglich
  • permanenter, ungehinderter Zugang zu frischem Wasser überlebenswichtig
  • nicht diabetesgefährdet
  • mäkelige Frischfresser
Gut zu wissen ...
Je kleiner ein gleichwarmes Tier ist, umso schneller ist sein Stoffwechsel und umso höher sein Energiebedarf in Relation zur Körpermasse. Für die winzigen Knirpsmäuse bedeutet das, dass sie sehr schnell verhungern oder verdursten können. Sie müssen also immer ausreichend Futter zur Verfügung stellen. Schon kurze Phasen von Futter- oder Wassermangel können fatale Folgen haben.
Knirpsmäuse im Futternapf
Knirpsmäuse müssen immer ausreichend Futter zur Verfügung haben

Fortpflanzung und Lebenserwartung Afrikanischer Knirpsmäuse

Afrikanische Knirpsmäuse bringen etwa drei- bis viermal im Jahr nach 19 bis 21 Tagen Tragzeit zwischen 2 und 8, meist 4 bis 5, nackte und blinde Jungtiere mit einem Geburtsgewicht von knapp 1g zur Welt.

Am 5. Tag beginnt die Pigmentierung der Haut, am 7. Lebenstag brechen die winzigen Nagezähne durch. Auch das Fell beginnt zwischen dem 6. und 8. Tag zu wachsen. Im Alter von 12 bis 14 Tagen beginnen die kleinen Knirpsmäuse, ihre Augen zu öffnen. Zwischen dem 14. und 18. Lebenstag ist das graue Jugendfell voll ausgebildet. Ab dem 17. Tag werden die Jungen langsam von der Muttermilch entwöhnt.

Die Geschlechtsreife erreicht der Nachwuchs dann im Alter von 5 bis 7 Wochen.
Die durchschnittliche Lebenserwartung der winzigen Nager beträgt etwa 2 Jahre.

Checkliste Fortpflanzung

  • Tragzeit: 19 - 21 Tage
  • Anzahl der Jungen: 2 - 8
  • Geschlechtsreife: mit 5 - 7 Wochen
Lebenserwartung
Knirpsmäuse werden durchschnittlich 2 Jahre alt.
Junge Afrikanische Knirpsmäuse
Junge Afrikanische Knirpsmäuse

Welche Krankheiten bekommen Afrikanische Knirpsmäuse?

Obwohl Knirpsmäuse als Exoten recht robust in der Gesundheit sind, sollten Sie auch hier gut Sorge für Ihre Schützlinge tragen, denn die Tiere sind ziemlich stress- bzw. störungsempfindlich. Das kann sich in einem angeschlagenen Allgemeinzustand, Jungtierfressen und ähnlichem äußern und ist durch konsequente Ruhe für die Tiere am besten zu beheben.

Durch den schnellen Stoffwechsel können schon kurze Hunger- und Durstphasen von wenigen Stunden ernsthafte, gesundheitliche Schäden hinterlassen. Achten Sie daher immer darauf, dass Futter und Wasser für die Tiere jederzeit in ausreichender Menge erreichbar sind.

In unruhigen Gruppen, bei nicht ganz fitten Tieren oder während Vergesellschaftungen kann es auch zu teils großflächigen Bissverletzungen kommen. In der Regel heilen sie gut wieder ab. Kleine Wunden müssen nicht abgedeckt oder anderweitig behandelt werden, da sie meist von selbst wieder abheilen. Großflächige Wunden sollten Sie mit einem Wundpuder (z. B. Chlorhexidinpuder) abdecken. Das lässt sich auch ohne Berührung der Mäuse recht einfach applizieren. Beobachten Sie die Wunden immer gut, um Entzündungen, die Antibiotikabehandlungen erfordern können, rechtzeitig zu erkennen.

Knirpsmäuse sind recht inzuchttolerant. Wenn Sie eine gemischte Gruppe sich jedoch zu lange ohne konsequente Selektion vermehren lassen, können Inzuchtschäden auftreten. Diese äußern sich beispielsweise in vermehrtem Auftreten von struppigem Fell und buckliger Körperhaltung. Diese Tiere sollten Sie in jedem Fall von der Vermehrung ausschließen!

Typische Krankheiten

  • eher stressempfindlich
  • Schäden durch Nahrungs- oder Wassermangel
  • Bissverletzungen
Tierarztkosten
Auch wenn Knirpsmäuse bei richtiger Haltung und Fütterung eher selten krank werden, sollten Sie sich eine finanzielle Rücklage für veterinärmedizinische Notfälle von etwa 100 Euro schaffen.
Verletzte Knirpsmäuse
Frische Verletzungen sollten mit Chlorhexidinpuder abgedeckt werden

Wie kann ich Knirpsmäuse vergesellschaften?

Während die Vergesellschaftung junger Knirpsmäuse recht einfach ist, kann sie sich bei adulten Tieren durchaus schwierig gestalten. Kombinieren Sie hier am besten den neutralen Boden eines schon recht großen Geheges mit der Etappenmethode. So können sich die Tiere in einem leeren, nur mit Streu ausgelegten, kleineren Aquarium oder einem abgetrennten Gehegeteil kennenlernen. Bleibt die Gruppe friedlich, können Sie sie langsam mit 2 bis 3 Häuschen einrichten. Sind die Mäuse auch mit Einrichtung streitfrei, können Sie sie langsam mitsamt der bekannten Einrichtung Stück für Stück größer setzen. Wichtig ist hierbei, dass Sie immer die benutzte Streu mitnehmen, wenn Sie das Gehege wechseln. Je nach Endgröße des Geheges reichen etwa 3 Stufen aus. Bei abgeteilten Gehegen verschieben Sie einfach die Trennwand.

Bei Böcken kommt es in der Vergesellschaftung öfter zu Problemen als bei Weibchen. Auch haben sich zu kleine Vergesellschaftungsbehältnisse (ca. A-4-Größe) bei Männchen als problematisch erwiesen. Die sogenannte „Panikbox“ ist für Knirpsmäuse also nicht geeignet, da es hier vermehrt zu Aggressionen kommt. Böckchenvergesellschaftungen sollten Sie also nach Möglichkeit immer von einem knirpsmauserfahrenen Halter durchführen oder zumindest begleiten lassen. Doch auch dann ist die Wahrscheinlichkeit nicht gerade klein, dass die Vergesellschaftung scheitert. Die meisten Männchengruppen finden sich gar nicht erst oder zerfallen in den darauffolgenden 6 Monaten wieder.

Neben der Vergesellschaftung kann auch die Trennung der Geschlechter für eine vorher friedliche, gemischte Gruppe schwierig werden. Vor allem die Männchen neigen dann zu Aggressionen gegeneinander. Diese können so weit gehen, dass die Männchengruppe in mehrere Gruppen zerfällt und getrennt werden muss. Weniger intensiv, jedoch vergleichbar gestaltet sich das Problem bei Weibchen. Hier zerfällt etwa die Hälfte aller Gruppen früher oder später.

Afrikanische Knirpsmaus
Vermeiden Sie Vergesellschaftungen, wenn es irgend geht

Anschaffung Afrikanischer Knirpsmäuse

Glauben Sie, dass Knirpsmäuse geeignete Haustiere für Sie sind? Dann haben Sie mehrere Möglichkeiten, woher Sie Ihre Tiere beziehen können.

1. Tierschutz
Im Tierschutz sind die winzigen Gesellen eher seltene Gäste. Nachfragen lohnt sich vor allem bei privaten Notstationen, aber auch bei Tierheimen.
Rechnen Sie bei Tierheimen jedoch nicht mit Knirpsmauserfahrung und damit mit Beratungskompetenz. Die dort gegebenen Informationen sollten Sie gemeinsam mit erfahrenen Haltern noch einmal prüfen. Auch müssen Sie vor allem bei Tierheim mit unerkannten Krankheiten und Parasiten rechnen.

2. Seriöser Züchter

Werden Sie im Tierschutz nicht fündig, sollte Ihr nächster Gang zu einem seriösen Züchter führen. Der kann Sie fundiert beraten und kennt seine Tiere gut. Hier ist das Risiko, kranke Mäuse oder das falsche Geschlecht zu erwerben, ähnlich gering wie bei spezialisierten Pflegestellen.

3. Messen und Börsen

Auch auf diversen Messen und Börsen sind die kleinen Nager zu finden. Schauen Sie sich die angebotenen Tiere hier gründlich an, ob diese gesund sind. Denn gerade in diesem Umfeld tummeln sich oft schwarze Schafe, die kranke und alte Tiere verkaufen. Von einem Mitleidskauf der oft in Grillenschachteln angebotenen Mäuse rate ich dringend ab!

4. Zoohandlung und Vermehrer
Die recht große Nachfrage macht Knirpsmäuse auch für Zoohandlungen und mit eher wenig Wissen gesegnete Vermehrer attraktiv. Ein Kauf kann für Sie hier recht unproblematisch sein. Wahrscheinlicher ist es aber, dass Sie sich Probleme einhandeln, etwa kranke oder parasitenverseuchte Tiere oder instabile (Teil-)Gruppen. Zudem ist die Beratung hier – ähnlich wie auf Messen – meist mangelhaft oder gar falsch.

Checkliste Anschaffung

  • Gehege
  • Einstreu und Nistmaterial
  • Einrichtung (Wurzeln, Häuschen, ...)
  • Wärmequelle
  • Schüsseln oder Spender für Wasser und/oder Futter
  • Transportbox
  • Tierarzt, der im Zweifel bereit - und fähig! - ist, die Winzlinge zu behandeln
Anschaffungskosten
Je nachdem, welche Gehegelösung und welche Einrichtung Sie wählen, kostet eine Erstausstattung für Knirpsmäuse zwischen 100 und 350 Euro. Der monatliche Unterhalt für Streu, Feucht-, Trocken- und Lebendfutter liegt je nach Gruppengröße bei etwa 20 – 50 Euro im Monat. Planen Sie zudem Rücklagen für den Tierarzt ein.
Junge Knirpsmaus
Schauen Sie genau hin, wo Sie Ihre Tiere adoptieren

Knirpsmäuse in Artengesellschaften

Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!

Ihre geringe Größe macht Knirpsmäuse in Artengesellschaften zu einer äußerst delikaten Angelegenheit. Positive Erfahrungen habe ich gemacht mit:

  • Knirpsmäuse + Eurasische Zwergmäuse (Gehege: min. 1,5qm, min. 100cm hoch)
  • Knirpsmäuse + Tüpfelgrasmäuse (Familienverband + 10 Tüpfelgrasmäuse auf 3qm Savannenterrarium)

Andere Gesellschaften haben sich als für die Knirpsmäuse oder deren Partnerart als nicht förderlich oder gar gefährlich erwiesen. Negative Erfahrungen mus ich verzeichnen für:

  • Knirpsmäuse + Farbmäuse (hohe Verletzungsgefahr und Aggressionen gegenüber den Knirpsen)
  • Knirpsmäuse + Kurzohr-Rüsselspringer (manche Exemplare der Rüsselspringer zeigten Ansätze von Jagdverhalten)
  • Knirpsmäuse + Zwergstachelmäuse (Knirpse mobben die Stachelmäuse und rupfen sie sogar über Nacht kahl)

Schaffen Sie niemals Knirpsmäuse für eine Artengesellschaft an, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten.
Sie sollten beide Arten auch schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über deren Bedürfnisse und Eigenheiten informiert sein. So vermeiden Sie, dass grundlegende Bedürfnisse der Tiere in der Artengesellschaft leiden.
Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft in jedem Fall absehen!

Weiterführende Informationen und Erfahrungsberichte zu Afrikanischen Zwergmäusen