Rötelmaus

Rötelmaus auf einem Stück Gurke

Überblick

Herkunft:Wälder und Unterholz feuchter und schattiger Biotope in großen Teilen Europas und Nordasiens
Sozialverhalten:kleine oder große Gruppen möglich
Aktivitätszeit:wechseltaktiv
Minimale Gehegegröße:100x50x100cm für 4 Tiere
Handling:bei zahmen Exemplaren recht einfach, scheue brauchen Übung; beißen nicht
Ernährung:viel Frischfutter (v.a. Gemüse und Grün von draußen), Saaten und Getreide, Insekten
Größe und Gewicht:8 – 10cm + 3 – 4cm, 12 – 35g
Geschlechtsreife:4 – 9 Wochen
Tragzeit:17 – 24 Tage
Besonderheiten:Rötelmäuse eignen sich hervorragend für Naturgehege und lieben Wasserschalen.
 
Ampelmaus grün

Systematik und Biologie

Ordnung:Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung:Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie:Mäuseartige (Muroidea)
Familie:Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie:Wühlmäuse (Arvicolinae)
Gattung:Rötelmäuse (Myodes; früher: Clethrionomys)
Art:Rötelmaus (Myodes glareolus; früher: Clethrionomys glareolus)

Unterarten
Mitteleuropäische Rötelmaus (Myodes glareolus glareolus)
Donau-Rötelmaus (Myodes glareolus istericus)
Ruttner-Rötelmaus (Myodes glareolus ruttneri)

Die Rötelmaus als Wildtier

Die wechselaktive Rötelmaus oder Waldwühlmaus ist eine recht häufige Wühlmaus, die in großen Teilen Europas und Nordasiens beheimatet ist. Im Süden findet man sie nur im Norden der Iberischen Halbinsel und Nordgriechenland. In Skandinavien und England erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet bis zum 68. Breitengrad nach Norden. Die östliche Grenze ihres Verbreitungsgebietes bildet das Altaigebirge. In den Alpen ist sie noch in Höhen oberhalb der Baumgrenze bis in 2.400 m Höhe anzutreffen.

Besonders an Waldrändern von Buchen- und Mischwäldern und in waldnahen Hecken und Gebüschen, in nassen Erlenbrüchen und anderen feuchten und schattigen Biotopen ist sie bevorzugt zu finden. Auch sucht sie gern die Nähe von Fließgewässern. Ihr Vorkommen ist immer an bodendeckenden Bewuchs gebunden oder doch zumindest an eine dicke Laubschicht, unter der die Erde frisch bleibt.
In waldnahen Gärten findet man sie auch in der Nähe des Menschen. Dort baut sie ihre Nester in wenig genutzten Scheunen, Lagerschuppen, Gartenhütten oder sonstigen Holzbauten, die ihr Deckung und Schutz vor dem Klima bieten.

Im Gegensatz zu ihren Verwandten gräbt die Rötelmaus weit weniger und legt nur relativ flache Gangsysteme mit zahlreichen Öffnungen direkt unter der Erdoberfläche an. Teilweise liegen die Gänge auch über dem Boden, direkt unter der Laubschicht. Im Winter baut die Rötelmaus auch Gänge im Schnee. Teilweise liegen sie aber auch bis zu 45 cm tief im Boden. Das Gangsystem umfasst zudem einige Blindgänge und Erweiterungen, in denen Nahrungsvorräte eingelagert werden.
Ihr Schlafnest aus Gras, Laub und Moos baut die recht gut kletternde Maus sogar oft außerhalb des Bodens unter Steinen, in alten Baumstümpfen oder sogar in geringer Höhe im dichten Gestrüpp.

Der Speiseplan wilder Rötelmäuse orientiert sich am jahreszeitlichen Angebot. So fressen sie im Frühjahr vorwiegend vitaminreiche Keimlinge, Gräser und Kräuter, die im Sommer und Herbst durch Moose, Pilze, Früchte und Samen ergänzt werden. Im Winter wird sie dagegen sehr anspruchslos, lebt von ihren angelegten Vorräten und frißt notfalls sogar Baumrinde. Außerdem ergänzt sie ihren Speiseplan das ganze Jahr über mit Insekten, Würmern, Spinnen und anderen Wirbellosen.

Bei Freilanduntersuchungen in Polen haben Wissenschaftler herausgefunden, daß weibliche Rötelmäuse nur dann trächtig werden, wenn ihr Revier eine bestimmte Mindestgröße aufweist. Dieses verteidigen dominante Weibchen auch gegen andere Weibchen und niederrangige Männchen. Die Weibchenreviere können sich teilweise überschneiden. Dominante Männchen verteidigen größere Reviere. Diese überlappen sich mit denen mehrerer Weibchen. Haben die Weibchen die freie Auswahl, bevorzugen sie immer das dominante, ortsansässige Männchen gegenüber einem rangniederen, ortsfremden. War die Deckung erfolgreich und das Weibchen ist trächtig, wird es kurz vor der Geburt aggressiver. Außerdem schrumpft seine Reviergröße. Dafür steigt der Abstand zu anderen Revieren. Die Revierüberschneidungen gehen also in dieser Phase erheblich zurück.

Für den Menschen ist die Rötelmaus als Keim- und Parasitenüberträger von größerer Bedeutung. So dient sie etwa als Zwischenwirt für den Fuchsbandwurm. Wesentlich gefährlicher können jedoch die pathogenen Keime werden, die sie tragen kann. Die Rötelmaus gilt in Endemiegebieten als Hauptüberträger des Serotyps Puumala – kurz PUU – des Hantavirus.
Als Schadnager kommt der Rötelmaus nur geringe Bedeutung zu. Dafür ist sie ein wichtiges Glied in der Nahrungskette ihres Verbreitungsgebietes und die Ernährungsgrundlage für viele kleine Raubsäuger und Greifvögel.

Anatomie und Erscheinung

Die Rötelmaus ist mit einer Körperlänge von etwa 8 bis 10cm, einer Schwanzlänge von 3 bis 4cm und einem Gewicht von 12 bis 35g eine eher kleine Wühlmaus. Das Fell der Körperoberseite ist fuchs- bis braunrot, die Unterseite beige bis grau mit einem schwach rostfarbenen Anflug. Die Unterwolle ist grau. Es gibt (oder gab zumindest) aber auch die Albino-Zuchtform. Selten kommen als Haus- und Wildtiere auch schwarze Rötelmäuse vor, die sogenannten melanistischen Rötelmäuse.

Als typische Wühlmaus hat sie ein recht rundes Gesicht, kleine Augen und runde Ohren. Gut von anderen Wühlmäusen zu unterscheiden ist sie nicht nur wegen der rostroten Farbe. Auch die leicht dreieckigen Ohren, die gut sichtbar aus dem Fell schauen und das im ganzen als Dreieck mit sehr runden Ecken geformte Gesicht sind einzigartig unter den einheimischen Wühlmäusen.

Rötelmaus
Typisch Rötelmaus: Runder Kopf, kleine, runde Ohren und ein rostbraunes Fell

Die Rötelmaus als Haustier

Eignen sich Rötelmäuse für mich?

Rötelmäuse dürfen wie fast alle Mäuse niemals einzeln gehalten werden!

Rötelmäuse sind muntere, sehr aktive Gesellen, die allerdings vom Menschen meist nicht so gern angefasst werden möchten. Sie benötigen ein großes, abwechslungsreich strukturiertes Gehege, um ihrem Bewegungsdrang und ihrer Neugier freien Lauf zu lassen. Gewähren Sie den Tieren dieses Gehege, werden Sie sie recht oft zu Gesicht bekommen und vielfältige Verhaltensweisen beobachten können.

Durch ihre Neugier sind Rötelmäuse aber auch für Clickern, Target und andere Trainings prädestiniert. Mit einer kleinen Bestechung stellen sich die rostbraunen Nager nämlich erstaunlich gelehrig an. Vor allem bei eher schüchternen Exemplaren brauchen Sie anfangs allerdings etwas Geduld.

Die Tiere selbst riechen kaum, haben jedoch die Angewohnheit, ihre Streu so anzufeuchten, sodass sie ihrem natürlichen Lebensraum näher kommt. Das riecht dann schnell unangenehm und schimmelt auch. Deshalb sind Rötelmäuse nur bedingt für die Haltung auf Streu geeignet. Besser sind für sie Naturgehege mit Erde.

Rötelmäuse sind interessante Pfleglinge für Menschen, die Spaß an der Gehegegestaltung und der Beobachtung der Tiere haben oder sich Haustiere für etwas Interaktion wünschen.

Für kleinere Kinder sind die wuseligen Nager keine geeigneten Haustiere! Ältere Kinder können unter elterlicher Aufsicht viel Spaß am Bau und an der Erhaltung eines Naturgeheges haben.

Checkliste Rötelmaus

  • riechen kaum
  • für Naturterrarien geeignet
  • präsent und lebhaft
  • werden zahm
  • sehr neugierig und gelehrig
  • wechselaktiv
  • eher schlecht für die klassische Haltung auf Streu geeignet
Rötelmaus in einem Porzellanei
Auf Erde ist Inventar aus Ton, Keramik oder Porzellan praktisch

Handling von Rötelmäusen

Da Rötelmäuse oft eher wuselig Pfleglinge sind, ist ihre Handhabung anfangs etwas schwierig. Wenn Sie sich an das Tempo der kleinen Nager und die Mäuse sich an Sie gewöhnt haben, ist es aber nicht mehr allzu schwierig.

Handling zu Hause

Wenn Sie Ihre Rötelmäuse zu Hause nur umsetzen müssen, fangen Sie sie am besten mit einer Handlingbox und entlassen sie aus dieser in das neue Gehege, ohne sie direkt zu berühren. So ersparen Sie sich und vor allem den Mäusen viel Stress.

Auch die Geschlechterbestimmung kann in einer durchsichtigen Transportbox stattfinden, in der Sie die Tiere in Ruhe von unten betrachten können. Bei Jungtieren kann die geschlechtsbestimmung so allerdings schwierig werden. Dann müssen Sie sie eventuell kurz mit dem Nackengriff fixieren.

Handling beim Tierarzt

Reicht beim Tierarztbesuch eine einfache Betrachtung des Tieres in der Box nicht aus, können Sie es auch mit dem Nacken- oder dem Nacken-Rückengriff fixieren. Da das Fell aber sehr weit ist, sollten Sie eine große Falte nehmen, damit sich die Maus in ihrer Haut nicht zu weit drehen kann. Bei scheuen Tieren erfordert dieser Griff zudem einige Übung. WICHTIG: Rötelmäuse regen sich bei diesem Griff sehr auf und können mit Kreislaufproblemen und Atemnot reagieren. Wenden Sie ihn daher nur an, wenn es unbedingt erforderlich ist und auch dann so kurz wie möglich.
Muss nur eine Stelle exponiert werden, können Sie auch versuchen, die Maus in ein weiches Handtuch zu wickeln. Frei bleibt dann nur die zu untersuchende Stelle.

Entflohene Rötelmäuse

Entflohene Tiere fangen Sie am besten mit einer Lebendfalle oder einer Faunabox ein.

Auch die Eimerfalle leistet bei diesen wenig sprungkräftigen Tieren gute Dienste. Achten Sie aber darauf, dass die Maus weich im Eimer landet.

Nackengriff bei einer Rötelmaus
Nackengriff bei einer Rötelmaus

Sozialstruktur und Verhalten

Rötelmäuse sind wechselaktiv. Die tägliche Gesamtaktivitätszeit von 1,5 bis 6 Stunden, verteilt sich über 3 bis 9 Aktivitätsphasen, wobei der Aktivitätsschwerpunkt am Tage liegt. Die Aktivität ist bei frei lebenden Rötelmäusen auch von der Jahreszeit abhängig. Dieser Effekt tritt bei den Haustieren aber nur abgeschwächt auf.

Wie die meisten Nager sind sie soziale Tiere, die Sie niemals allein halten dürfen.

Für den Halter macht sie vor allem ihr geschäftiges Treiben interessant. Wenn Sie den Mäusen genügend Platz und eine gute, dreidimensionale Gehegegliederung bieten, werden Sie Ihre Hausgenossen recht oft zu Gesicht bekommen, da diese in ihren Aktivitätsphasen geschäftig durch ihr Gehege rennen und klettern, sich mit angebotenem Neuen, Futtersuche, Nestbau oder ähnlichem beschäftigen.

Familiengruppe

Rötelmäuse fühlen sich in Familienverbänden wohl. In der Haustierhaltung vermehren sie sich allerdings, ohne sich selbst zu limitieren. Wenn Sie eine dauerhafte Familienhaltung anstreben, brauchen Sie also eine Strategie für den Nachwuchs.

Vorteile
Die Suche nach Zuwachs für die Gruppe entfällt und Sie erleben einige sehr interessante Facetten des rötelmäusischen Familienlebens.
Nachteile
Die dauerhafte Familienhaltung kann sich schwierig gestalten mit mehreren Böcken in der Gruppe. Vor allem bei den Söhnen tendieren die Altböcke dazu, sie zu vertreiben. Sie müssen dann die Jungs aus dem Gehege nehmen, da die Väter sie sonst töten oder die Kleinen am Dauerstress sterben.

Gleichgeschlechtliche Gruppen

Bei den freundlichen und eher friedlichen Tieren ist es egal, ob Sie sich für eine Männchen- oder eine Weibchengruppe entscheiden. In der Regel sind beide Varianten stabil. Probleme kann es allerdings geben, wenn Männchen Weibchen in ihrer Nähe riechen.

Vorteile
Bei gleichgeschlechtlicher Haltung entfällt das Problem der Frage: “Wohin mit dem Nachwuchs?” Auch um Weibchen streitende Jungs bleiben Ihnen so erspart.
Nachteile
Rötelmäuse sind keine allzu häufigen Haustiere. Schrumpft die Gruppe aus Altersgründen, kann sich die Suche nach neuen Artgenossen schwierig und manchmal langwierig gestalten.
Gruppe Rötelmäue in einer Futterschüssel
Rötelmäuse kuscheln gern mit ihresgleichen

Haltung von Rötelmäusen

Welche Gehegegröße brauchen Rötelmäuse?

Gehege sind dann für die agilen Rötelmäuse ausreichend groß, wenn sie für 4 Tiere mindestens 100x50x100cm groß sind und über mindestens eine Etage verfügen.

Welche Gehege eignen sich für Rötelmäuse?

Rötelmäuse sind Wühler, klettern jedoch auch gern und viel, wenn man sie lässt. Dem muss ein Gehege Rechnung tragen. Da sich Nagerschränke so gestalten lassen, dass man sie hoch einstreuen kann, jedoch auch viel Raum für Etagen nach oben bieten, sind sie für Rötelmäuse eine gute Unterbringung, wenn sie zumindest teilweise wasserdicht versiegelt werden können.

Aber auch Eigenbauten und (OSB)-Terrarien, die diese Eigenschaften aufweisen sowie Aquarien mit Volierenaufsatz, sind durchaus eine geeignete Unterkunft für die possierlichen Nager.

Wichtig beim Gehegebau ist die feuchtigkeitsresistente Gestaltung der Oberfläche. Holzgehege sollten daher im Idealfall mit Epoxydharz behandelt werden. Alternativ können Sie auch einen Einsatz aus Glas in ein Holzgehege bauen und die Scheiben mit Silikon verbinden.

Einstreu für Rötelmäuse

Als Untergrund eignet sich am besten ein saugfähiges Torf-Erde- oder Terrarienhumus-Erde-Gemisch, da die Tiere gern ihre Einstreu anfeuchten. Sie können aber auch Kleintierstreu, Leinen, Hanf oder ähnliches verwenden. Jedoch müssen diese Untergründe öfter getauscht werden als bei anderen Nagern, da die feuchte Streu schnell Keime entwickelt,  unangenehm riecht und recht schnell schimmelt. Haben Sie ein Gehege mit mehreren Etagen, feuchten die Tiere meist nur die Wühletage am Boden an. Auf den höheren Etagen können Sie daher jeglichen Untergrund problemlos verwenden. Die Streu am Boden sollte mindesten 20cm hoch sein. Auf den Etagen reichen 5cm.

Heu als Nistmaterial schimmelt bei den feuchtigkeitsaffinen Nagern recht schnell. Als schimmelresistente Alternative hat sich Moos erwiesen. Auch Hanfmatten zerfasern die Mäuse mit Leidenschaft zu gemütlichen – und schimmelfreien – Nestern.

Inventar für Rötelmäuse

Bei der Einrichtung des Geheges können Sie ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Verwenden können Sie für Häuschen und Klettermöglichkeiten alles aus Naturstoffen: Keramik-, Ton- und Holzhäuser, Kork, Kokosnüsse, Steine, Äste, Wurzeln und vieles mehr. Bedenken Sie dabei: Rötelmäuse sind zwar Wühlmäuse, klettern aber auch recht geschickt. Nur mit Seilen und schmalen Zweigen können sie nicht anfangen.

Bei den Mäusen auch gern gesehen ist eine flache Badeschale mit Wasser. Bieten Sie diese aber nur an, wenn Sie ein saugfähiges Erde-Gemisch als Untergrund haben, da die Tiere mit dem Wasser auch die gesamte Umgebung befeuchten werden. Mit einer Schicht Seramis unter der Erde können Sie sicherstellen, dass sich am Boden keine Staunässe bildet.

Brauchen Rötelmäuse ein Laufrad?

Rötelmäuse sind bewegungsfreudige, verspielte Nager. Ein Laufrad ist für sie daher ein heiß geliebtes Spielzeug, das die Einrichtung des Geheges aus Mäusesicht um eine Attraktion bereichert. Bieten Sie den kleinen Nagern alsoi ruhig ein Rad an.

Wie biete ich meinen Rötelmäusen Futter und Wasser an?

Frischfutter und auch Saaten können Sie einfach im Gehege verstreuen. Auch lebende Insketen können Sie in Naturgehegen einfach ins Gehege entlassen. Für getrocknete Futterbestandteile wie getrocknete Kräuter und Blüten oder Trockengemüse empfiehlt sich eine erhöht stehende Schüssel.

Wasser können Sie in einer Flasche oder einer Schüssel anbieten. Haben die Tiere zusätzlich eine Badeschüssel, trinken Sie oft auch aus dieser, halten Sie die Badeschüssel also genauso sauber wie die Trinkschüssel. Haben die Tiere keine Badeschale, baden sie auch in ihrer Trinkschüssel. Das Wasser wird dann schnell zum WC und muss bei manchen Gruppen dann sogar mehrmals täglich getauscht werden.

Checkliste Haltung

  • 100x50x100cm mit Etgae für 4 Tiere
  • Buddelfläche + Kletterfläche
  • Aquarien, Terrarien (mit Säugerlüftung!), umgebaute Schränke oder Eigenbauten
  • Maschendraht: Maschenweite bis 10mm
  • grabfähige Einstreu, im Idealfall Erde
  • Sandbad unnötig
  • Wasserbad essenziell
  • Zimmertemperatur reicht
  • Äste, Wurzeln, Korkröhren, Kokosnüsse, ....
  • Häuschen aus Holz, Kokosnuss, Ton, Keramik, Porzellan, Kork oder Heu
  • Laufrad gern gesehen
  • Futterschüssel mindestens für getrocknete Futterbestandteile
  • Wasserschüssel oder Trinkflasche
Brauchen Rötelmäuse eine Heizung?
Als einheimische Nager müssen – und sollten – Sie Rötelmäusen keine Heizung anbieten. Eingewöhnung und ein passendes Gehege vorausgesetzt, eignen sich diese Mäuse dsogar für eine ganzjährige Außenhaltung.
Naturgehege für Rötelmäuse
Rötelmäuse sind ein Traum für Fans naturnaher Gehege. Für einen gesunden Erdboden können Sie zur Reinigung Springschwänze, Weiße oder einheimische Asseln als “Putzkolonne” im Gehege aussetzen. Größere Asseln werden von den Mäusen allerdings auch gefressen, sodass Sie die Putzkolonne unter Umständen ab und zu erneuern müssen. Sie können auch lebende Pflanzen als Dekoration verwenden. Am besten eignen sich hier Gräser, Schilf, Kräuter oder Getreide. Aber auch robuste, schnell wachsende, ungiftige Zimmerpflanzen wie Grünlilie und Golliwoog können Sie anbieten. Rechnen Sie allerding je nach besatzdichte nicht mit einer allzu langen Lebenszeit des Terrariengrüns. Rötelmäuse graben es gern aus fressen es mit Elan oft samt Wurzeln weg.
Rötelmäuse im Gehege
Für Wühlmäuse klettern Rötelmäuse ausnehmend gut und gerne.

Was fressen Rötelmäuse?

Der Saatenteil des Trockenfutters für Rötelmäuse sollte mindestens zu 60% aus Kleinsaaten bestehen. Dafür eignet sich eine Mischung aus Wellensittich- und Exotenfutter, die durch Wild- und Unkrautsamen ergänzt wird. Die restlichen 40% können dann aus größeren Saaten wie Hafer, Weizen, Gerste, Buchweizen, Kürbiskern, und anderen Getreiden und größeren Fettsaatenbesrtehen. Ad libidum können Sie dazu einen Mix aus getrockneten Kräutern, Blüten und Blättern sowie Trockengemüse anbieten.

Rötelmäuse lieben Frischfutter, das mindestens die Hälfte ihrer täglichen Mahlzeiten ausmachen sollte. Der Schwerpunkt sollte dabei aus Gräsern, Kräutern und anderen (heimischen) Grün- und Blühpflanzen bestehen.  Einige davon wie Wilde Möhre, Löwenzahn oder Wurzelpetersilie können Sie samt Wurzel anbieten.
Auch beim Gemüse ist jegliches Wurzelgemüse besonders beliebt. Aber auch Salate, Baumspinat und andere Blattgemüse sowie das ganze Potpourri von Gurke über Kürbis bis Paprika nehmen die kleinen Wühler dankbar an. 
Obst finden Rötelmäuse in freier Natur ebenfalls etwa in Form von Beeren und Fallobst. Daher sollten Sie auch bei den Haustieren verschiedene Obstsorten anbieten – allerdings in kleineren Mengen als Gemüse. Verfüttern Sie außerdem am besten nur einheimische Früchte. Das kommt einer naturnahen Ernährung am nächsten.
Ein Highlight für so manche Rötelmaus sind übrigens auch essbare, frische Pilze. Teilen Sie also ruhig Champignon, Pfifferling und Co. mit den kleinen Nagern.

Tierisches Eiweiß ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Ernährung. Manche Rötelmäuse gehen allerdings gar nicht an Lebendfutter, andere fressen, was auch immer man ihnen vorsetzt. Probieren Sie das einfach aus und weichen Sie notfalls auf Trockeninsekten aus.
Anbieten können Sie den Tieren beispielsweise Mehlwürmer, Asseln, Tauwürmer, Heimchen, Schaben und ähnliches.

Wichtig: Rötelmäuse bewohnen Feuchtbiotope. Sie haushalten nicht mit Wasser. Entsprechend schnell erleiden Sie bei Wassermangel ernste gesundheitliche Schäden. Achten Sie daher immer darauf, dass die Tiere eine zuverlässige Wasserquelle haben!

Checkliste Ernährung

  • Saatenmischung aus ca. 60% Kleinsaaten und 40% größeren Saaten
  • getrocknete Kräuter, Blätter und Blüten
  • Trockengemüse
  • min. 50% Frischfutter
  • Kräuter, Gräser, Stauden u. ä. von draußen sammeln
  • Gemüse (besonders gern Wurzelgemüse)
  • wenig Obst
  • Insekten als Proteinfutter -> Lebendfütterung möglich
  • permanenter, ungehinderter Zugang zu frischem Wasser überlebenswichtig
  • nicht diabetesgefährdet
Gut zu wissen ...
Rötelmäuse sind begeisterte Frischfresser. Sie probieren gern alle möglichen gesammelten Pflanzen aus und schälen auch frische Zweige. Orientieren Sie sich aber bei Fragen der Frischfutterverträglichkeit im Zweifel an Farbmäusen, NICHT an Kaninchen oder Meerschweinchen!
Rötelmäuse in der Futterschüssel
Die Ernährung von Rötelmäusen ist recht unkompliziert

Fortpflanzung und Lebenserwartung von Rötelmäusen

In freier Wildbahn dauert die Fortpflanzungsperiode der Rötelmäuse vom Frühjahr bis zum Herbst. In der Haustierhaltung vermehren sie sich aber auch das ganze Jahr über.

Nach einer Tragzeit von 17 bis 24 Tagen (durchschnittlich nach 21 Tagen) bringt die Mäusin 3 bis 7 nackte und blinde Jungtiere zur Welt. Die entwickeln nach 3 Tagen ihr erstes Rückenhaar. Am 11. Lebenstag öffnen sich die Gehörgänge, einen Tag später die Augen. Entwöhnt sind die kleinen Rötelmäuse aber erst nach 20 bis 25 Tagen. Auch dauert es bis zu 25 Tage, bis das noch graue Jungendfell voll entwickelt ist.

Die Geschlechtsreife tritt nach etwa 9 Wochen ein, wobei weibliche Jungtiere sehr frühreif sein können. Sie können in seltenen Fällen schon nach vier Wochen geschlechtsreif sein.
Männliche Jungtiere erscheinen dagegen schon fast als Spätzünder. Bei ihnen tritt die Geschlechtsreife frühestens nach 8 Wochen ein. Leben dominante Männchen in nächster Nähe zu den Jungtieren, kann sich die geschlechtliche Entwicklung männlicher Rötelmäuse verzögern.

Um den Jungtieren eine gute Sozialkompetenz mit auf den Weg zu geben, sollten Sie sie auch erst mit 8 Wochen von den Eltern trennen. Dann lassen sich auch die Geschlechter zuverlässiger bestimmen. Insgesamt kann die Geschlechtsbestimmung bei Rötelmäusen besonders für eher ungeübte Halter zur Herausforderung geraten.

Checkliste Fortpflanzung

  • Tragzeit: 17 - 24 Tage
  • Anzahl der Jungen: 3 - 7
  • Geschlechtsreife: Weibchen ab 4, Männchen ab 8 Wochen; durchschnittlich erst nach 9 Wochen
  • Nesthocker
Lebenserwartung
Rötelmäuse haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 1,5 Jahren, können als Haustiere aber auch 2 Jahre und älter werden.
Junge Rötelmaus
Junge Rötelmaus

Welche Krankheiten bekommen Rötelmäuse?

Rötelmäuse sind bei korrekter Haltung und Fütterung sehr gesunde und robuste Tiere, die nur selten krank werden.

Von Bedeutung für ihre Gesundheit ist permamenter zugang zu frischem Wasser. Erleiden die Wühler einen Wassermangel, kann das in schweren Organschäden resultieren und recht schnell sogar zum Tod führen.

Schimmelt es im Gehege oder ist der Boden (bei Erde als Einstreu) zu trocken – und damit staubig -, sind außerdem Infekte der Atemwege und der Augen gehäuft zu beobachten. Leiden Ihre Tiere also daran, sollten Sie auch das Gehege überprüfen.

Auch wenn Rötelmäuse eher selten krank werden, sollten Sie für veterinärmedizinische Notfälle eine Reserve von etwa 100 Euro anlegen.

Typische Krankheiten

  • Atemwegserkrankungen durch unsachgemäße Haltung
  • Augenerkrankungen durch unsachgemäße Haltung
  • Schäden durch Wassermangel
Rötelmaus mit vereitertem Auge
Rötelmaus mit vereitertem Auge

Wie kann ich Rötelsmäuse vergesellschaften?

Auch wenn Rötelmäuse im allgemeinen recht friedliche Gesellen sind, kann es bei der Vergesellschaftung erwachsener Böcke zu Reibereien kommen. Das gilt besonders, wenn Weibchen in der Gruppe oder in Reichweite sind.

Jungtiere und Weibchen können Sie mit der Methode des neutralen Bodens vergesellschaften. Vertragen sich die Tiere, sollten Sie sie dann nach und nach einrichten, sodass kein Streit um die besten Plätze entbrennt.

Bei erwachsenen Männchen empfiehlt sich die Etappenmethode. So wird die Gruppe stabiler.
Achten Sie darauf, dass die Männchen keine artgleichen Mäuseweibchen riechen können. Sonst besteht die Gefahr, dass Kämpfe um das oder die Weibchen in ihrer Nähe entbrennen und so den Erfolg der Vergesellschaftung gefährden.
Sind die Sympathien anfangs nicht so groß, kann auch die Käfig-in-Käfig-Methode helfen. Die können Sie auch für Ruhe in der Gruppe verwenden, wenn später von einzelnen Tieren Aggressionen ausgehen.

Rötelmäuse zur Vergesellschaftung in der Badewanne
Huch, wer bist Du denn?

Anschaffung von Rötelmäusen

Sie haben sich in Rötelmäuse als neue Hausgenossen verliebt? Dann beginnt die Suche nach den heute eher seltenen Tieren.

1. Tierschutz
Im Tierschutz sind Rötelmäuse inzwischen eine absolute Ausnahmeerscheinung. Nachfragen lohnt sich vor allem bei privaten Notstationen. Aber auch bei Tierheimen können Sie anfragen.
Rechnen Sie bei letzteren jedoch nicht mit Rötelmauserfahrung und damit mit Beratungskompetenz. Die dort gegebenen Informationen sollten Sie gemeinsam mit erfahrenen Haltern noch einmal prüfen. Auch müssen Sie vor allem bei Tierheim mit unerkannten Krankheiten und Parasiten rechnen.

2. Seriöser Züchter

Werden Sie im Tierschutz nicht fündig, sollte Ihr nächster Gang zu einem seriösen Züchter führen. Der kann Sie fundiert beraten und kennt seine Tiere gut. Hier ist das Risiko, kranke Mäuse oder das falsche Geschlecht zu erwerben, ähnlich gering wie bei spezialisierten Pflegestellen.

3. Messen und Börsen

Auch auf diversen Messen und Börsen sind die Nager ab und zu zu finden. Schauen Sie sich die angebotenen Tiere hier gründlich an, ob diese gesund sind. Denn gerade in diesem Umfeld tummeln sich oft schwarze Schafe, die kranke und alte Tiere verkaufen.

4. Zoohandlung und Vermehrer
So selten Rötelmäuse in Tierheimen sind, so selten sind sie dankenswerter Weise auch in Zoohandlungen. Aufgrund ihrer geringen bekanntheit sind sie für mit eher wenig Wissen gesegnete Vermehrer kaum attraktiv. Einen kritischen Blick auf die Seriosität des Anbieters sollten Sie jedoch immer werfen.
Ein Kauf kann für Sie im Geschäft oder bei Vermehrern recht unproblematisch sein. Wahrscheinlicher ist es aber, dass Sie sich Probleme einhandeln, etwa kranke oder parasitenverseuchte Tiere, Zudem ist die Beratung hier – ähnlich wie auf Messen – meist mangelhaft oder gar falsch.

Checkliste Anschaffung

  • Gehege
  • Einstreu und Nistmaterial
  • Einrichtung (Wurzeln, Häuschen, ...)
  • Schüsseln oder Spender für Wasser und/oder Futter
  • Transportbox
  • Tierarzt, der im Zweifel bereit - und fähig! - ist, die einheimischen "Exoten" zu behandeln
Anschaffungskosten
Je nachdem, welche Gehegelösung und welche Einrichtung Sie wählen, kostet eine Erstausstattung für Rötelmäuse zwischen 200 und 600 Euro. Der monatliche Unterhalt für Streu, Feucht-, Trocken- und Lebendfutter liegt je nach Gruppengröße bei etwa 30 – 60 Euro im Monat. Planen Sie zudem Rücklagen von etwa 200 Euro für den Tierarzt ein.
Albino-Rötelmaus
Albino-Rötelmäuse sind heute die absolute Ausnahme - oder vielleicht sogar schon verschwunden

Rötelmäuse in Artengesellschaften

Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!

Ihre Vorliebe für sehr feuchte Biotope schränkt die Auswahl der Mitbewohner von Rötelmäusen für eine Artengesellschaft deutlich ein. Denkbar wären andere Wühler wie etwa Feldmäuse. Aber Achtung: Mit einigen Wühlmäusen können Rötelmäuse sich vermehren. So hat die Praxis gezeigt, dass Hybriden aus Rötelmäusen und Erdmäusen möglich sind.

Derzeit im Test ist eine einheimische Gesellschaft aus Rötelmäusen und Eurasischen Zwergmäusen in einem 200x65x135cm großen Terrarium. Ausreichend Erfahrungswerte gibt es dazu derzeit allerding noch nicht.

Alle Arten aus ariden Gebieten sowie Sandbader fallen aufgrund deutlich unterschiedlicher Bedürfnisse aus.
Auch Farbmäuse haben sich als ungeeignet erwiesen. Zwar vertragen Sie sich gut mit den Farbmäusen. Den stark domestizierten Farbis ist das Wohlfühlklima der Rötelmäuse auf Dauer zu feucht. Umgekehrt ist das typische Farbmausgehege für Rötelmäuse zu trocken.

  • Rötelmäuse + Farbmäuse (zu hohe Diskrepanzen in den Vorlieben)

Schaffen Sie niemals Rötelmäuse für eine Artengesellschaft an, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten.
Sie sollten beide Arten auch schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über deren Bedürfnisse und Eigenheiten informiert sein. So vermeiden Sie, dass grundlegende Bedürfnisse der Tiere in der Artengesellschaft leiden.
Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft in jedem Fall absehen!