Advocate – Imidacloprid + Moxidectin

Advocate für Mäuse und andere Nager

Spot-on
rezeptpflichtig
Schulmedizin für Mäuse

Wirkung und Eigenschaften von Advocate

Advocate gibt es in verschiedenen Konzentrationen. Für Mäuse und andere kleine Nager wird die niedrigste Dosierung für kleine Katzen und Frettchen verwendet. Sie enthält 40mg Imidacloprid und 4mg Moxidectin.

Die Wirkung von Advocate basiert auf den zwei unterschiedlichen Wirkmechanismen seiner Inhaltsstoffe.

Moxidectin wird durch die Haut ins Blut übernommen und dann im gesamten Organismus verteilt. Hier wirkt es sowohl gegen Endoparasiten als auch gegen Ektoparasiten. Der Wirkstoff setzt an den durch Glutamat und GABA gesteuerten Chloridionenkanälen der Zellmembran an. Die Membran wird durchlässiger für Chlorid-Ionen. Die strömen vermehrt in die Zelle und erzeugen dort ein nicht reversibles Ruhepotenzial. Das zieht also eine schlaffe Lähmung nach sich und dadurch den Tod des Parasiten. Moxidectin stört also die Erregungsleitung der Parasiten.

Der zweite Wirkstoff, Imidacloprid, verteilt sich in der Lipidschicht von Haut- und Haaroberfläche. Es wirkt dort als Kontaktgift ebenfalls auf das Nervensystem von Arthropoden. Der Wirkstoff besitzt eine hohe Affinität zu nicotinergen Acetylcholin-Rezeptoren in der postsynaptischen Membran von Zellen des zentralen Nervensystems. Dadurch unterbricht es die Acetylcholin-vermittelte Reizleitung. So führt es zu unkontrolliertem Zittern, Schäden an Nerven, Ganglien und Muskeln und letztendlich zum Tode der Parasiten.
Diese Wirkung ist spezifisch für Insekten und Spinnentiere. Das zentrale Nervensystem von Säugetieren beeinträchtigt Imidacloprid quasi nicht, denn es wirkt hier nur sehr schwach auf die entsprechenden Rezeptoren und ist kaum in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden.

Moxidectin verteilt sich in allen Geweben, weist aber im Fettgewebe und der Leber besonders hohe Konzentrationen auf. In der Haut und in der Schleimhautoberfläche des Verdauungstraktes sind die Werte ebenfalls höher als im Plasma.

Imidacloprid verteilt sich nach dem Spotten innerhalb von Stunden auf der gesamten Körperoberfläche.

 

Moxidectin wird im Stoffwechsel zu verschiedenen Metaboliten umgebaut und fast gänzlich – und langsamer als Ivermectin – über den Kot wieder ausgeschieden.

Imidacloprid wird beim Spot-on nicht in den Körper übernommen. Wird der Wirkstoff oral aufgenommen, etwa durch Belecken des Spot-ons, wird er hauptsächlich über den Urin und in kleineren Anteilen über den Kot ausgeschieden.

Es wird durch die Anreicherung im Fettgewebe und die langsame Abgabe von Moxidectin und die Verteilung von Imidacloprid auf und in der Haut ein Depot erreicht.

Eigenschaften

  • Depotdauer: ?
  • gegen alle Ektoparasiten
  • gegen Nematoden

Indikationen für Advocate

Eingesetzt werden kann Advocate gegen alle Ektoparasiten wie Milben, Läuse, Haarlinge und Flöhe sowie gegen viele Nematoden. Wirksam ist es beispielsweise gegen:

  • Flöhe
  • Demodex-Milben
  • Haarlinge
  • Sarcoptes scabei
  • Herzwürmer
  • Trichuris ssp.
  • Toxascaris ssp.

Indikationen im Überblick

  • alle Ektoparasiten
  • viele Nematoden
  • nicht gegen Trematoden
  • nicht gegen Cestoden

Dosierung und Verträglichkeit von Advocate

Obwohl sich in der Literatur zu Advocate keinerlei Informationen zur Anwendung an Kleinsäugern finden, wird das Präparat recht regelmäßig bei Ratten, Mäusen und Hamstern angewendet und hat sich hier auch als gut verträglich erwiesen. Die Dosierung entspricht der von Stronghold und Ivomec. Sie können also das nachfolgende Schema anwenden:

Größe 1
Knirpsmaus, Zwergmaus u.ä. große/schwere Tiere sowie ähnlich große/schwere Jungtiere größerer Arten
½ Tropfen

Größe 2
Weißfußmäuse, Farbmäuse u.ä. große/schwere Tiere sowie ähnlich große/schwere Jungtiere größerer Arten
1 kleiner Tropfen

Größe 3
Stachelmäuse, Striemengrasmäuse, Vielzitzenmäuse u.ä. große/schwere Tiere
1 großer bis 1½ Tropfen

Größe 4
Akazienratten, große Stämme der Vielzitzenmäuse u.ä. große/schwere Tiere
1½ – 2 Tropfen

Größe 5
Persische Rennmäuse, Indische Nacktsohlen-Rennmäuse
2 – 3 Tropfen

Jungtiere sehr kleiner Arten wie Knirps-, Zwerg- oder Aalstrichklettermäuse sollten wegen der Gefahr einer Überdosierung gar nicht behandelt werden!

Die Dosierung mit Tube erfordert etwas Übung. Anfänger können die Lösung auch in eine Spritze umfüllen (mit Kanüle ansaugen und dann Kanüle entfernen) und eine Flexüle aus Aufsatz verwenden. Mit dieser ist die Dosierung der Menge etwas einfacher.

KEINE DAUERMEDIKAMENTATION!
Antiparasitika wurden zur zeitlich stark begrenzten Anwendung bei konkreten Befällen entwickelt. Sie eignen sich NICHT für die Dauergabe. Diese kann zu Leberschäden mit Todesfolge führen! Wenden Sie das Präparat also niemals für eine reine Prophylaxe über viele Wochen oder gar Monate an.

Bei Farbmäusen hat sich Advocate als sehr verträglich erwiesen. In der Praxis bewährt hat sich der Spot-on als 1 Tropfen pro Tier.

Bei Mongolischen Rennmäusen hat sich Advocate als sehr verträglich erwiesen. In der Praxis für adulte Mäuse bewährt hat sich der Spot-on als 1 bis 2 Tropfen je nach Gewicht und Größe der Maus zu verabreichen.

Afrikanische Vielstreifen-Grasmäuse vertragen Advocate nach Angaben einer langjährigen Halterin gut. Für weitere Mausexoten konnte ich leider keine Erfahrungswerte finden.

Für exotische Kleinsäuger konnte ich zu Advocate bisher keine Erfahrungswerte finden.

Bei Hamstern hat sich Advocate sowohl für Mittelhamster, als auch für Zwerge als verträglich erwiesen. Für Zwerghamster genügt beim Spot-on in der Regel 1 Tropfen. Mittelhamster erhalten 2 Tropfen.
Gelegentlich lässt sich ein leichter Haarausfall an der Stelle des Spot-ons beobachten, wie einige Halter berichten.

Das Moxidectin im Advocate wird von Farbratten in der Regel besser vertragen als ihm verwandte Ivermectin. Dosierungen finden sich in der Literatur für Ratten nicht. Bei dem Gros der Halter hat sich in der Praxis der Spot-on mit 1 bis 3 Tropfen je nach Größe und Gewicht des Tieres bewährt.

Anwendung von Advocate bei kleinen Heimtieren und Exoten

Advocate wird als Spot-on („Punkten“) verwendet, der im Idealfall im Nacken bzw. hinter den Ohren aufgetragen wird. Generell kann es aber auf jeder Körperstelle außer im Gesicht aufgetragen werden. Wichtig ist, dass es möglichst direkt auf die Haut gebracht wird. Versuchen Sie ein Abputzen des Mittels zu verhindern.

Und so spotten Sie Ihren Nager:

  1. Nehmen Sie eine zahme Maus aus der Box oder dem Gehege, scheiteln Sie das Fell und geben Sie dem Nager die entsprechende Menge Advocate in den Nacken bzw. hinter Ohr. Setzen Sie das Tier bei einem Befall durch mobile Ektoparasiten danach in eine mit weißem Küchen- oder Klopapier ausgeschlagene Box, um herabfallende oder flüchtende Parasiten erkennen zu können. Nach etwa einer Stunde kann das Tier aus der Box.
  2. Scheue Nager sollten Sie von vornherein in eine Box setzen und sie mit der Spritze „abschießen“. Lassen Sie sich dazu einen Tropfen an der Spitze sammeln und tupfen Sie dann die Spritze nach Möglichkeit gegen den Strich durchs Fell auf die Haut.
  3. Bei extrem scheuen Exemplaren hat es sich bewährt, die Box in die Badewanne zu setzen, falls der Patient in seiner Panik aus der Box springt.

Vermeiden Sie während der gesamten Behandlung die Berührung des Antiparasitikums an der Spritze oder im Fell.

Kontraindikationen für Advocate

Da es nur sehr begrenzte Erfahrungswerte zur Anwendung von Advocate bei kranken und geschwächten Tieren gibt, sollten Sie die Anwendung des Antiparasitikums in solchen Fällen gründlich abwägen.

Resistenzen
Hinweise auf Resistenzen gegenüber der Wirkstoffkombination von Advocate konnte ich bisher (Stand 09/19) nicht finden. Grundsätzlich sind Resistenzen aber auch bei den Parasiten der kleinen Heimtiere möglich. Daher sollten Sie selbst nach einer korrekten Behandlung und Quarantänehygiene bei Endoparasiten immer eine Kotprobe zur Kontrolle abgeben.
Resistenbildung
Resistenzen kommen nicht nur bei Bakterien und Antibiotika vor. Auch Parasiten können Resistenzen gegen ein Antiparasitikum entwickeln. Wenn Sie also mit Advocate einen Parasiten trotz korrekter Gabe und Umgebungshygiene nicht loswerden, kann ein Wirkstoffwechsel helfen.

Nebenwirkungen und Toxizität von Advocate

Korrekt angewendet ließen sich bei Advocate bisher keine gefährlichen Nebenwirkungen beobachten. Lediglich an der Stelle des Spot-ons kommt es öfter zu lokalen Rötungen, Juckreiz und leichtem Haarausfall. Schwerere Symptome wurden nur beobachtet, wenn der Patient das Präparat abgeleckt hat. Dann können neurologische Symptome wie Ataxien, Tremor, Atemstörungen oder ein verminderter Pupillenreflex auftreten.

Farbratten sind nach der Anwendung oft für etwa 24h ruhiger bzw. müde.

Einschlägige Verträglichkeitsstudien zu Advocate bei tragenden und säugenden Tieren gibt es nicht. Studien im Labor an Ratten und Kaninchen ergaben aber keine Hinweise auf Teratogenität oder Fetotoxizität. Außerdem konnte eine zweijährige Studie an Mäusen keinen karzinogenen Effekt von imidacloprid feststellen.

Insgesamt sind sehr junge und unterernährte, sehr dünne Tiere anfälliger für das Auftreten von Nebenwirkungen bei Advocate als ältere, wohlgenährte Exemplare.

Sollten Sie bei korrekter Verdünnung und Anwendung Nebenwirkungen bei einem Tier feststellen, senden Sie uns bitte eine kurze Info unter info[at]das-maeuseasyl.de

Bei zu hohen Dosen kann das enthaltene Imidacloprid bei Ratten Unsicherheiten im Gangbild, verminderte Bewegung, Lethargie, Zittern, Spasmen und Atemprobleme verursachen. Für andere Nager konnte ich keine Daten finden.

Akute Toxizität für Farbratten (Imidacloprid Reinsubstanz):

  • oral: 642 – 648mg/kg
  • dermal: über 5000mg/kg
  • per inhalationem: LC50 über 5323mg/m3 Luft

Akute Toxizität für Farbratten (10% Imidacloprid im Spot-on):

  • oral: 1730 – 1943mg/kg
  • no effect level (oral): 645mg/kg
  • dermal: über 2000mg/kg
  • per inhalationem: LC50 über 2415mg/m3 Luft

Nebenwirkungen im Überblick

  • Hautirritationen
  • lokaler Haarausfall
  • temporärer Juckreiz an der Spot-on-Stelle
  • vorübergehende Müdigkeit
  • nicht teratogen
  • nicht fetotoxisch
  • nicht karzinogen

Vergiftungen nach Überdosis

  • neurologische Symptome nach Ablecken

Wechselwirkungen von Advocatemit anderen Medikamenten

Bisher sind keine Wechselwirkungen von Advocate mit anderen Medikamenten bekannt. Es sollte jedoch nicht parallel mit anderen antiparasitisch wirksamen makrozyklischen Laktonen angewendet werden. Auch für medizinische oder chirurgische Eingriffe sind keine negativen Wirkungen bekannt.

Moxidectin hat jedoch grundsätzlich das Potenzial, die Wirkung von Benzodiazepinen zu verstärken.

Wechselwirkungen im Überblick

  • bisher keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt

Lagerung und Haltbarkeit von Advocate

Lagern Sie Advocate bei Raumtemperatur zwischen 15 und 30°C. Halten Sie es außerdem von Hitzequellen fern, da es leicht entzündlich ist. Für das auf der Pipette aufgedruckte Ablaufdatum gilt der Ultimo des Monats.

Entsorgung
Entsorgen Sie Reste im Hausmüll. Leeren Sie das Antiparasitikum niemals in Klo oder Spülbecken!

Lagerung im Überblick

  • dunkel lagern
  • sorgfältig verschließen
  • bei 15 - 30°C lagern
  • nicht einfrieren
  • auf hygienische Entnahme achten
Disclaimer
Diese Seite dient nur der Information. Sie ist kein Ersatz für den Tierarzt und soll auch keine Behandlungsanleitungen für den Alleingang bieten. Haftung für Schäden an Ihren Tieren bei Handeln ohne Ihren Tierarzt wird daher nicht übernommen!

Quellen

Pharmakologie-Datenbank der Uni Zürich – Advocate für Katzen und Frettchen
Pharmakologie-Datenbank der Uni Zürich – Advocate für Hunde

A. Ewringmann, B. Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus, Enke Verlag 2008
Beipackzettel Advocate Katze