Baycox – Toltrazuril gegen Kokzidien

Toltrazuril für Mäuse und andere Nager

Nicht für Hamster!
Arzneitropfen
rezeptpflichtig
Schulmedizin für Mäuse

Wirkung und Eigenschaften von Toltrazuril

Der Wirkstoff von Baycox, Toltrazuril, besitzt eine breite Wirkung gegen viele Kokzidiengattungen und kann gegen fast alle Kokzidienarten der Nagetiere einschließlich Sarcocystis und Toxoplasma eingesetzt werden. Hierbei sind die verschiedenen Entwicklungsstadien der Parasiten unterschiedlich empfindlich gegenüber dem Wirkstoff.

Toltrazuril greift bei den verschiedenen Parasiten in unterschiedlichem Maße die erste und zweite Schizontengeneration sowie Mikro- und Makrogamonten an. Es besitzt zudem eine Wirkung gegen freie Sporozoiten und Merozoiten. Bei den sensiblen Stadien wirkt es im perinukleären Raum, im Golgi-Apparat  und im endoplasmatischen Retikulum der Parasitenzelle. Es stört die Kernteilung, hemmt die Pyrimidinsynthese im Kern und reduziert die Enzyme in der mitochondralen Atmungskette. Es stört also auch die Energiegewinnung der Zelle.
Bei Eimerien schädigt Toltrazuril die intrazellulären Entwicklungsstadien, indem es die Entwicklung der ersten und zweiten Schizontengeneration hemmt. Bei Hepatozoon reduziert es die Sporozystenzahl erheblich, Gamonten überleben jedoch zum größten Teil. Bei Isospora, Sarcocystis und Toxoplasma wirkt Toltrazuril gegen alle im Verdauungstrakt befindlichen Entwicklungsstadien.

Sind die Mäuse permanent geringen Mengen an Oozysten ausgesetzt, stört Toltrazuril die Ausbildung einer Immunität nicht, sondern stimuliert sie eher.

Toltrazuril und sein Hauptmetabolit Toltrazurilsulfon verteilt sich im gesamten Körper. Die höchste Konzentration des Wirkstoffes findet sich jedoch in der Leber. In nennenswerten Mengen findet es sich außerdem in der Niere, in der Muskulatur und im Fettgewebe.

Bei oraler Gabe wird der Wirkstoff bei kleinen Tieren schnell und zu mindestens 70% resorbiert. Ratten erreichen die maximale Serumkonzentration nach 8h (Männchen) bzw. 24h (Weibchen). Im Stoffwechsel wird es zum kurzlebigen Toltrazurilsulfoxid metabolisiertt. Langsamer entsteht parallel die aktive Form, das Toltrazurilsulfon.

Ausgeschieden wird der Wirkstoff hauptsächlich über den Kot (Farbratte: 84 – 96%) und nur in kleinen Mengen über den Urin (Farbratte – 2 – 6%). Unter den ausgeschiedenen Stoffen ist hauptsächlich unverändertes Toltrazuril, bis zu 16% Toltrazurilsulfon bei Ratten und weniger als 1% anderer Metabolite des Wirkstoffes.
Auch die Eliminationshalbwertszeiten schwanken bei Ratten zwischen den Geschlechtern stark. Sie liegen bei ca. 23h für Männchen und bei 75h für Weibchen.

Toltrazuril erreicht keine Depotwirkung im Körper.

Eigenschaften

  • keine Depotwirkung
  • gegen fast alle Kokzidien
  • beeinträchtigt die Immunitätsausbildung nicht

Indikationen für Toltrazuril

Toltrazuril hat eine sehr breite Wirkung greift alle bisher bekannten und veterinärmedizinisch relevanten Kokzidien an. Es bekämpft beispielsweise:

  • Eimeria spp.
  • Hepatozoon spp.
  • Cystoisospora spp.
  • Sarcocystis spp.
  • Toxoplasma spp.
  • Isospora spp.

Eingesetzt werden kann Toltrazuril auch gegen Cryptosporidien. Studien zu einer Kombinationsgabe mit Monensin bzw. Azithromycin haben der Kombination der jeweiligen Wirkstoffe jedoch einen deutlich besseren Effekt bescheinigt.

Indikationen im Überblick

  • alle Kokzidien
  • nicht gegen Ektoparasiten
  • nicht gegen Giardien

Dosierung und Verträglichkeit von Toltrazurilo in Baycox

Baycox gibt es in zwei Konzentrationen. Verwenden Sie immer die 5%ige Lösung. Das 2,5%ige Präparat wurde für Vögel entwickelt und ist für Nager zu alkalisch. Wird es verabreicht, reizt es die Darmschleimhaut, was bei einer Kokzidienerkrankung kontraproduktiv ist.

Mäuse erhalten 1x täglich eine Dosis von 10mg/kg. Das entspricht 0,5mg für eine 50g schwere Maus.

Weitere Dosierungsangaben bei Farbmäusen aus der Literatur:

KonzentrationVolumen
0,1mg/10g0,1mg = 0,002ml
 

Für Mongolische Rennmäusen habe ich keine Angaben in der verwendeten Literatur gefunden. Orientieren Sie sich also bei der Dosierung am besten an der Farbmaus. Unverträglichkeiten von Baycox bzw. Toltrazuril bei Mongolischen Rennmäusen sind mir nicht bekannt.

Für mausartige Exoten habe ich keine Angaben in der verwendeten Literatur gefunden. Orientieren Sie sich je nach Größe Ihrer Patienten also bei der Dosierung am besten an der Farbmaus oder der Farbratte. Unverträglichkeiten von Baycox bzw. Toltrazuril bei exotischen Mäusen sind mir nicht bekannt.

Im Mäuseasyl wurde der Wirkstoff ohne beobachtbare Nebenwirkungen verabreicht an:

Für sonstige exotische Kleinsäuger habe ich keine Angaben in der verwendeten Literatur gefunden. Orientieren Sie sich je nach Größe Ihrer Patienten also bei der Dosierung am besten an der Farbmaus oder der Farbratte.

Bei offenen Fragen zur Verträglichkeit, konsultieren Sie vor der Anwendung am besten einen erfahrenen Halter, Exoten- oder Zootierarzt!

Im Großnotfall Troisdorf haben sich bei Zwerghamstern schwere Nebenwirkungen mit Todesfolge nach Baycox gezeigt. Betroffen waren Hybriden und Roborowksi-Zwerghamster. Im Mäuseasyl starben 10 von 10 kokzidienpositiven, aber anamnetisch gesunden Tieren innerhalb von 1,5 Wochen. Auf einer anderen Stelle starben rund 200 von 230 Hamstern in einem ähnlichen Zeitraum.
Für Mittelhamster liegen mir keine Erfahrungswerte und keine konkret auf diese Hamster bezogenen Aussagen aus der Literatur vor.

Aus Gründen der Vorsicht rate ich bei ALLEN HAMSTERARTEN von einer Anwendung von Baycox bzw. Toltrazuril ab.

 Bei einem Kokzidienbefall sollten Sie alternativ mit Kokzidiol verwenden, das sich in der Praxis als verträglicher erwiesen hat.

Nach Glöckner/Ewringmann erhalten Farbratten 1x täglich eine Dosis von 10mg/kg. Das entspricht 5mg für eine 500g schwere Ratte.

KonzentrationVolumen
1mg/100g1mg = 0,02ml

Dosierungsangaben bei Farbratten aus der Literatur:
 
GabemodusDosierung
oral direkt10 – 20mg/kg,  1 × täglich während 2 – 3 Tagen
ins Trinkwasser25ppm/l Trinkwasser während 2 Tagen, Wiederholung nach 3 Tagen
 
KEINE DAUERMEDIKAMENTATION!
Antiparasitika wurden zur zeitlich stark begrenzten Anwendung bei konkreten Befällen entwickelt. Sie eignen sich NICHT für die Dauergabe. Diese kann zu Leberschäden mit Todesfolge führen! Wenden Sie den Wirkstoff also niemals für eine reine Prophylaxe über viele Wochen oder gar Monate an.

Anwendung von Toltrazuril bei kleinen Heimtieren und Exoten

Baycox verabreichen Sie den Patienten oral, am besten auf einem Leckerli verabreicht werden. Schütteln Sie die Suspension vor der Anwendung gründlich auf, um eine gleichmäßige Wirkstoffverteilung zu garantieren.
Verabreichen Sie das Mittel über 3 Tage hinweg. Darauf folgt eine dreitägige Pause. Dann geben Sie es noch einmal 3 Tage. Diese Behandlung sollten Sie nach 14 Tagen wiederholen.

3 Tage 1x tlg.

3 Tage 1x tlg.

14 Tage Pause

3 Tage 1x tlg.

3 Tage 1x tlg.

Kontraindikationen für Toltrazuril

Baycox sollten Sie grundsätzlich nicht an Hamster verabreichen. Aus den nNebenwirkungen ergibt sich außerdem, dass Sie Toltrazuril nicht an tragende Tiere verabreichen sollten, da für (exotische) Mäuse und exotische Kleinsäuger kaum oder gar keine Erfahrungswerte vorliegen.

Spezifische Kontraindikationen für Farbratten, mausartige Nager und Exoten konnte ich weder in der verwendeten Literatur nicht finden noch Erfahrungswerte eruieren, die auf kontraindizierte Fälle hinweisen.

Resistenzen
Resistenzen gegenüber Toltrazurl sind bisher (Stand 09/19) in der Literatur nicht beschrieben. Trotzdem sollten Sie selbst nach einer korrekten Behandlung und Quarantänehygiene bei Endoparasiten immer eine Kotprobe zur Kontrolle abgeben.
Resistenzbildung
Resistenzen kommen nicht nur bei Bakterien und Antibiotika vor. Auch Parasiten können Resistenzen gegen ein Antiparasitikum entwickeln. Wenn Sie also mit Toltrazuril einen Parasiten trotz korrekter Gabe und Umgebungshygiene nicht loswerden, kann ein Wirkstoffwechsel helfen.

Nebenwirkungen und Toxizität von Toltrazuril

Baycox sollten Sie grundsätzlich nicht an Hamster verabreichen.

Bei Farbmäusen hemmt der Wirkstoff verschiedene Oxidasen und reduktasen in der Leberzelle (Succinate-Cytochrome-C-Reduktase, Dihydroorotat-Cytochrom-C-Reduktase, NADH-Oxidase, Succinatoxidase). Klinisch sSichtbare Nebenwirkungen konnte ich dazu allerdings nicht beobachten.

Bei einer 2-Generationen-Studie an Ratten führten alle Dosierungen (0,3 – 5mg/kg) zu einer signifikanten Zunahme von Fehlgeburten. Bei einer zweiten Studie mit 3 – 10mg/kg bei Kaninchen ließen sich ebenfalls gehäuft Fehlgeburten beobachten. Zudem wurden gehäuft Mickerlinge geboren.

Sollten Sie bei korrekter Dosierung und Anwendung Nebenwirkungen bei einem Tier feststellen, senden Sie uns bitte eine kurze Info unter info[at]das-maeuseasyl.de

Die akute Toxizität des Wirkstoffes von Baycox ist bei oraler Gabe gering.

Akute Toxizität:

  • oral über 5000 mg/kg
 

Akute Toxizität für Farbratten:

  • 2000 mg/kg

Nebenwirkungen im Überblick

  • Todesfälle bei Zwerghamstern
  • Fehlgeburten
  • kümmerliche Jungtiere

Vergiftungen nach Überdosis

  • Symptome nicht bekannt

Wechselwirkungen von Toltrazuril bzw. Baycox mit anderen Medikamenten

Toltrazuril verträgt sich mit allen oral verabreichten Antibiotika und Kokzidiostatika.

Lagerung und Haltbarkeit von toltrazurilhaltigen Präparaten

Lagern Sie die Suspension gut verschlossen bei Raumtemperatur (15 – 25°C) und brauchen Sie das Medikament innerhalb von 12 Wochen auf.
Das Medikament sollte nach Ablauf des aufgedruckten Haltbarkeitsdatums nicht mehr verwendet werden.
Als Verdünnung im Trinkwasser ist die Lösung 24h stabil. Danach sollten Sie das Wasser mit neuem Wirkstoff auffrischen um eine optimale Wirksamkeit zu garantieren.

Entsorgung
Entsorgen Sie Reste im Hausmüll. Leeren Sie das Antiparasitikum niemals in Klo oder Spülbecken!

Lagerung im Überblick

  • dunkel lagern
  • bei 15 - 25°C lagern
  • auf hygienische Entnahme achten
Disclaimer
Diese Seite dient nur der Information. Sie ist kein Ersatz für den Tierarzt und soll auch keine Behandlungsanleitungen für den Alleingang bieten. Haftung für Schäden an Ihren Tieren bei Handeln ohne Ihren Tierarzt wird daher nicht übernommen!

Quellen

Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie

Anja Ewringmann, Barbara Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; Enke, 1. Auflage 2008