Cydectin – Moxidectin

Moxidectin für Mäuse und andere Nager

Medikament als Spritze, orla oder Spot-on
rezeptpflichtig
Schulmedizin für Mäuse

Wirkung und Eigenschaften von Moxidectin

Moxidectin als reiner Wirkstoff ist unter anderem in Cydectin enthalten. Da es Cydectin in Konzentrationen von 0,1% bis 10% gibt, sollten Sie immer darauf achten, welche Konzentration Ihr Nager vom Tierarzt erhält.Außerdem ist Moxidectin eine Wirkstoffkomponente von Advocate.

Bei dem Wirkstoff handelt es sich um ein Breitband-Antiparasitikum, das eine große Zahl an Endo- und Ektoparasiten angreift. Moxidectin ist stark lipophil und in organischen Lösungsmitteln gut, in Wasser aber nur schlecht löslich.

Moxidectin erhöht die Durchlässigkeit der Zellmembranen für Clorid-Ionen, indem es sich an für Wirbellose spezifische, glutamat-aktiverte Kanäle bindet. Dadurch strömen Chlori-Ionen in großer Zahl in die Zelle. Dadurch sinkt das Ruhepotenzial der Membran und die Erregungsleitung wird blockiert. Da Nervenreize nicht mehr an andere Nervenzellen und an Muskelzellen weitergegeben werden können, kommt es zu einer schlaffen Lähmung und schließlich zum Tod des Parasiten.
Erst in höherer Dosierung bindet sich Moxidectin auch an GABA-Rezeptoren und potenzieren die Wirkung des Neurotransmitters.

Moxidectin sammelt sich noch stärker als Avermectine wie Ivermectin im Fettgewebe an und hält sich dort länger. Nennenswerte Mengen sammeln sich auch in der Leber, der Galle, der Haut und der Schleimhaut des Verdauungstraktes. Verteilt wird der Wirkstoff jedoch in allen Geweben des Körpers.

Moxidectin geht bei säugenden Mäusinnen auch in die Milch über.

Moxidection hat zwei Hauptstoffwechselprodukte. Der Wirkstoff wird zum größten Teil über den Kot ausgeschieden.

Durch die Anreicherung von Moxidectin im Fettgewebe entsteht ein Depoteffekt, der bei Mäusen von Farbmausgröße eine Depotwirkung von etwa 10 Tagen hat, wie die Praxis zeigt. Angaben zur Depotdauer bei Mäusen in der Literatur habe ich nicht gefunden.

Eigenschaften

  • Depotdauer: ca. 10 Tage
  • gegen alle Ektoparasiten
  • gegen Nematoden

Indikationen für Moxidectin

Moxidectin ist wirksam gegen viele Ekto- und Endoparasiten bei Mäusen. Für Farbmäuse vermerkt die Literatur, dass die Wirkung bei Trichuris muris gegen Larvenstadien gut, gegen die adulten Nematoden jedoch nur gering ist. Parallel wird bei Farbratten eine gute Wirkung gegen Larvenstadien von Angiostrongylus cantonensis angegeben, aber geringe mit keine Wirkung bei adulten Stadien. Eingesetzt werden kann Moxidectin unter anderem gegen:

  • Sarcoptes scabei
  • Psoroptes ssp.
  • Demodex ssp.
  • Notoedres ssp.
  • Strongylus ssp.
  • Oxyuris ssp.
  • Trichuris ssp.
  • Toxocara ssp.

Ausgenommen vom Wirkspektrum sind Trematoden und Cestoden. Da sie andere Rezeptoren zur Reizvermittlung nutzen,  verfügen sie von Natur aus über eine Resistenz gegenüber dem Wirkstoff.

Indikationen im Überblick

  • alle Ektoparasiten
  • viele Nematoden
  • nicht gegen Trematoden
  • nicht gegen Cestoden

Dosierung und Verträglichkeit von Moxidectin

Moxidectin kann bei Mäusen als Spot-on oder oral sowie als subkutane Injektion verabreicht werden. Durchgesetzt hat sich vor allem der Spot-on, da er sich besonders einfach anwenden und recht stressfrei applizieren lässt. Nach Möglichkeit sollten Sie allerdings beim frischen Spot-on vermeiden, dass die Mäuse diesen wieder ablecken.

Bei Ewringmann und Glöckner und Müller führen Moxidectin nicht auf. Bei Gabrisch/Zwart ist es nur für Hamster und da zur oralen Gabe aufgeführt. Erfahrungsberichte zu Moxidectin habe ich leider nur sehr wenige. Von Unverträglichkeiten habe ich im Mäuseasyl aber nicht bei den wenigen Gaben von Cydectin hier nichts bemerkt. Leider ist die Fallzahl hier zu gering, um einigermaßen sicher auf eine gute Verträglichkeit von Moxidectin für kleine Nager schließen zu können.

KEINE DAUERMEDIKAMENTATION!
Antiparasitika wurden zur zeitlich stark begrenzten Anwendung bei konkreten Befällen entwickelt. Sie eignen sich NICHT für die Dauergabe. Diese kann zu Leberschäden mit Todesfolge führen! Wenden Sie den Wirkstoff also niemals für eine reine Prophylaxe über viele Wochen oder gar Monate an.

Dosierungsangaben bei Farbmäusen aus der Literatur:

GabemodusWirkstoffmenge
Spot-on
  • 32 mg/kg einmalig (gegen Trichuris muris, Wirkung gegen adulte Stadien ca. 92%)
  • 2 – 8 mg/kg einmalig  (gegen Trichuris muris; Wirkung gegen Larvenstadien 100%, gegen adulte Stadien ca. 65%)

Ich habe keine Dosierungsangaben für Mongolische Rennmäuse in der Literatur gefunden.

 

Über die Verträglichkeit von Moxidectin bei exotischen Mäusen habe ich keine Angaben in der Literatur gefunden.

Über die Verträglichkeit von Moxidectin bei exotischen Kleinsäugern habe ich keine Angaben in der Literatur gefunden.

Bei Hamstern hat sich Ivermectin sowohl für Mittelhamster, als auch für Zwerge als sehr verträglich erwiesen. In der Praxis bewährt hat sich der Spot-on mit der 0,1%igen Lösung mit einer drei- bis viermaligen gabe im Wochenabstand. Für Zwerghamster genügt in der Regel 1 Tropfen. Mittelhamster erhalten 2 Tropfen. Die untenstehend abweichenden Angaben sind der Literatur entnommen und dienen der Information für Ihren Tierarzt. Dosierungsangaben bei Hamstern aus der Literatur (Arten werden dort leider nicht unterschieden):
GabemodusWirkstoffmenge
subkutan
  • 0,1 – 0,4mg/kg 3x im Abstand von 7 Tagen
  • 0,2 – 0,4mg/kg  + Wiederholung nach 10 – 14 Tagen (gegen Nematoden und Milben)
  • 0,2 – 0,5mg/kg 3x im Bastand von 14 Tagen (gegen Nematoden und Milben)
  • 0,4mg/kg
  • 0,4 mg/kg 1x wöchentlich über 8 Wochen (gegen Notoedres ssp.; führt zu deutlicher Besserung der klinischen Symptome, aber nicht zur vollständigen Eliminierung der Milben)
oral
  • 0,4 mg/kg, 1x wöchtlich bis zur Ausheilung
  • 0,4 mg/kg, 1x wöchentlich über 8 Wochen (gegen Notoedres ssp.; Behandlung führt zu deutlicher Besserung der klinischen Symptome, nicht jedoch zur vollständigen Eliminierung der Milben)
Dosierungsangaben bei Farbratten aus der Literatur:
GabemodusWirkstoffmenge
Spot-on
  • 4 mg/kg einmalig (gegen Angiostrongylus cantonensis, Wirkung gegen Larvenstadien 100%, keine Wirkung gegen adulte Stadien)
  • 32 mg/kg einmalig (gegen Angiostrongylus cantonensis; Wirkung gegen Larvenstadien 100%, gegen adulte Stadien nur ca. 5%)

Anwendung von Moxidectin bei kleinen Heimtieren und Exoten

Moxidectin wird in der Regel als Spot-on („Punkten“) verwendet, der im Idealfall im Nacken bzw. hinter den Ohren aufgetragen wird. Generell kann es aber auf jeder Körperstelle außer im Gesicht aufgetragen werden. Wichtig ist, dass es möglichst direkt auf die Haut gebracht wird. Versuchen Sie ein Abputzen des Mittels zu verhindern.

Und so spotten Sie Ihren Nager:

  1. Nehmen Sie eine zahme Maus aus der Box oder dem Gehege, scheiteln Sie das Fell und geben Sie dem Nager die entsprechende Menge Cydectin oder eines anderen moxidectinhaltigen Präparates in den Nacken bzw. hinter Ohr. Setzen Sie das Tier bei einem Befall durch mobile Ektoparasiten danach in eine mit weißem Küchen- oder Klopapier ausgeschlagene Box, um herabfallende oder flüchtende Parasiten erkennen zu können. Nach etwa einer Stunde kann das Tier aus der Box.
  2. Scheue Nager sollten Sie von vornherein in eine Box setzen und sie mit der Spritze „abschießen“. Lassen Sie sich dazu einen Tropfen an der Spitze sammeln und tupfen Sie dann die Spritze nach Möglichkeit gegen den Strich durchs Fell auf die Haut.
  3. Bei extrem scheuen Exemplaren hat es sich bewährt, die Box in die Badewanne zu setzen, falls der Patient in seiner Panik aus der Box springt.

Vermeiden Sie während der gesamten Behandlung die Berührung des Antiparasitikums an der Spritze oder im Fell.

Kontraindikationen für Moxidectin

Laut Literatur sollte Moxidectin nicht an sehr junge Tiere verabreicht werden. Zwar bezieht sich die zu Rate gezogene Literatur auf Großtiere (Fohlen und Kälber). Hier Vorsicht walten zu lassen und auch Mäuse unter 4 Wochen nicht damit zu spotten, halte ich jedoch ebenfalls für sinnvoll.

Resistenzen
Resistenzen gegenüber Moxidectin sind bisher (Stand 09/19) nur für Nematoden bei Großtieren beschrieben. Grundsätzlich sind sie aber auch bei den Parasiten der kleinen Heimtiere möglich. Daher sollten Sie selbst nach einer korrekten Behandlung und Quarantänehygiene bei Endoparasiten immer eine Kotprobe zur Kontrolle abgeben.
Resistenbildung
Resistenzen kommen nicht nur bei Bakterien und Antibiotika vor. Auch Parasiten können Resistenzen gegen ein Antiparasitikum entwickeln. Wenn Sie also mit Moxidectin einen Parasiten trotz korrekter Gabe und Umgebungshygiene nicht loswerden, kann ein Wirkstoffwechsel helfen.

Nebenwirkungen und Toxizität von Moxidectin

Konkrete Nebenwirkungen sind für Moxidectin in der Literatur für kleine Heimtiere nicht vermerkt. Allgemein festgestellt wird, das unterernährte, stark untergewichtige und sehr junge Tiere besonders gefährdet sind, Nebenwirkungen zu zeigen.

Sollten Sie bei korrekter Verdünnung und Anwendung Nebenwirkungen bei einem Tier feststellen, senden Sie uns bitte eine kurze Info unter info[at]das-maeuseasyl.de

Nebenwirkungen im Überblick

  • nicht teratogen
  • nicht fetotoxisch

Vergiftungen nach Überdosis

  • neurologische Symptome

Wechselwirkungen von Moxidectin mit anderen Medikamenten

Nennenswerte Interaktionen geht Moxidectin mit Benzodiazepinen ein. Es verstärkt die sedative und angstlösende Wirkung und die Toxizität.

Wechselwirkungen im Überblick

  • Verstärkung der Wirkung von Benzodiazepinen

Lagerung und Haltbarkeit von ivermectinhaltigen Präparaten

Lagern SieCydectin und andere moxiectinhaltige Präparate also immer dunkel, bei Zimmertemperatur (15 bis 30°C) und gut verschlossen.

Entsorgung
Entsorgen Sie Reste im Hausmüll. Leeren Sie das Antiparasitikum niemals in Klo oder Spülbecken!

Lagerung im Überblick

  • dunkel lagern
  • sorgfältig verschließen
  • bei 15 - 30°C lagern
  • nicht einfrieren
  • auf hygienische Entnahme achten
Disclaimer
Diese Seite dient nur der Information. Sie ist kein Ersatz für den Tierarzt und soll auch keine Behandlungsanleitungen für den Alleingang bieten. Haftung für Schäden an Ihren Tieren bei Handeln ohne Ihren Tierarzt wird daher nicht übernommen!

Quellen

Pharmakologie-Datenbank der Uni Zürich
sciencedirect.com

A. Ewringmann, B. Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus, Enke Verlag 2008

K. Gabrisch, P. Zwart: Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche 2007

K. Müller: Heimtierskills. Praxisleitfaden zu Diagnose und Therapie bei kleinen Heimtieren. Schattauer 2017