Droncit – Praziquantel

Praziquantel für Mäuse und andere Nager

rezeptpflichtig
Schulmedizin für Mäuse

Wirkung und Eigenschaften von Praziquantel

Praziquantel ist in verschiedenen Darreichungsformen verfügbar. Für Mäuse und andere kleine Nager hat sich jedoch der Spot-on durchgesetzt. Dafür verwenden können Sie beispielsweise den Droncit Spot-on mit 40 mg/ml, der für Katzen angeboten wird.

Praziquantel wird über die Außenhülle des Parasiten, das sogenannte Tegmentum, aufgenommen und schädigt dessen Zellstrukturen. Zudem verteilt es sich im ganzen Parasitenkörper. Durch die Schädigung des Tegumentums öffnen sich die Calciumkanäle der kontraktilen Zellen und Calcium-Ionen strömen ein. Das lässt die Muskeln kontrahieren, sodass eine spastische Lähmung entsteht. Gleichzeitig wird der Stoffwechsel beeinträchtigt. In der Folge löst sich der „Kopf“ des Wurms von der Darmwand und der gesamte Parasit wird durch die geschädigte Außenhülle angreifbarer für das Immunsystem. So verstirbt der Parasit schließlich und wird mit dem Kot ausgeschieden.

Einfluss auf die Wirkung von Praziquantel scheint dabei die Art der Applikation zu haben: Nach oraler Gabe war die beobachtete Wirkung gegen Echinococcus spp. Besser als nach subkutaner Gabe.

Der Wirkstoff verteilt sich im gesamten Körper, reichert sich aber besonders in Leber und Niere an. Bei Farbratten passiert Praziquantel auch die Blut-Hirn-Schranke. In geringem Maß kann es außerdem bei tragenden Tieren in die Plazenta übergehen.
Der aktive Wirkstoff erfasst auch Parasitenstadien in der Schleimhaut des Darms.

Der Körper nimmt Praziquantel nach einer Injektion oder oraler Gabe schnell und nahezu vollständig auf. Bei Farbmäusen ist die maximale Konzentration im Blutplasma bereits nach 5min erreicht, bei größeren Nagern nach etwa 15 bis 30min. Beim Spot-on dauert dies etwas länger.

Ausgeschieden wird das Antiparasitikum – mehrheitlich in verstoffwechselter Form – vor allem über die Niere, kleinere Mengen auch über den Kot. Die Hälfte der Dosis wird so bei Farbratten schon nach 2 bis 3h eliminiert.

Durch die schnelle Ausscheidung des Wirkstoffes baut Praziquantel keine Depotwirkung auf.

Eigenschaften

  • keine Depotwirkung
  • gegen Cestoden
  • gegen Trematoden

Indikationen für Praziquantel

Praziquantel wird bei den verschiedenen Mäusen, Hamstern und bei Ratten gegen Bandwürmer angewendet.
Wirksam ist es beispielsweise gegen:

  • Hymenolepis nana (fraterna)
  • Hymenolepis diminuta
  • Diphyllobothrium latum 

Indikationen im Überblick

  • Trematoden
  • Cestoden
  • nicht gegen Nematoden
  • nicht gegen Ektoparasiten

Dosierung und Verträglichkeit von Praziquantel

Praziquantel kann bei Mäusen als Spot-on oder oral sowie als subkutane oder intramuskuläre Injektion verabreicht werden. Durchgesetzt hat sich vor allem der Spot-on, da er sich besonders einfach anwenden und recht stressfrei applizieren lässt. Nach Möglichkeit sollten Sie allerdings beim frischen Spot-on vermeiden, dass die Mäuse diesen wieder ablecken.

Die Angaben über den Gabemodus und die genaue Dosis gehen bei Praziquantel in der Literatur weit auseinander. So werden bei Glöckner/ Ewringmann 5 mg/kg für eine einmalige subkutane Gabe unabhängig von der Nagerart empfohlen. Gabrisch/Zwart unterscheidet hier verschiedene Gabemodi und Dosierungen nach Tierart.

Im Mäuseasyl hat sich der Droncit-Spot-on pur oder 1:1 verdünnt mit einer Wiederholung nach 10 Tagen als verträglich und effektiv.

Für diese haben sich ähnliche Dosierungen wie für Stronghold in der Praxis bewährt, also die nachfolgenden:

Größe 1
Knirpsmaus, Zwergmaus u.ä. große/schwere Tiere sowie ähnlich große/schwere Jungtiere größerer Arten
½ Tropfen

Größe 2
Weißfußmäuse, Farbmäuse u.ä. große/schwere Tiere sowie ähnlich große/schwere Jungtiere größerer Arten
1 kleiner Tropfen

Größe 3
Stachelmäuse, Striemengrasmäuse, Vielzitzenmäuse u.ä. große/schwere Tiere
1 großer bis 1½ Tropfen

Größe 4
Akazienratten, große Stämme der Vielzitzenmäuse u.ä. große/schwere Tiere
1½ – 2 Tropfen

Größe 5
Persische Rennmäuse, Indische Nacktsohlen-Rennmäuse, Farbratten
2 – 3 Tropfen

Jungtiere sehr kleiner Arten wie Knirps-, Zwerg- oder Aalstrichklettermäuse sollten  gar nicht bzw. mit einer stärkeren Verdünnung behandelt werden.

Für die orale Gabe mörsern Sie einfach die Tabletten und geben Ihren Patienten einfach den entsprechenden Anteil mit Brei oder einem Leckerli.

KEINE DAUERMEDIKAMENTATION!
Antiparasitika wurden zur zeitlich stark begrenzten Anwendung bei konkreten Befällen entwickelt. Sie eignen sich NICHT für die Dauergabe. Diese kann zu Leberschäden mit Todesfolge führen! Wenden Sie den Wirkstoff also niemals für eine reine Prophylaxe über viele Wochen oder gar Monate an.

Bei Farbmäusen hat sich Droncit in Form des Spot-ons als sehr verträglich erwiesen. Dieser wird 2x im Abstand von 10 Tagen aufgetragen. Die untenstehend abweichenden Angaben sind der Literatur entnommen und dienen der Information für Ihren Tierarzt.

Dosierungsangaben bei Farbmäusen aus der Literatur:

GabemodusWirkstoffmenge
Spot-on
  • 11,4 mg/kg einmalig gegen Hymenolepis ssp.
subkutan
  • 25 mg/kg einmalig gegen Hymenolepis ssp.
  • 6 – 10 mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen gegen Hymenolepis nana
intramuskulär
  •  25 mg/kg, 2x im Abstand vin 10 Tagen gegen Cestoden
  • 10 mg/kg einmalig gegen Cestoden
oral
  • 2 – 25 mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen
  • 5 mg/kg einmalig
  • 6 – 10 mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen 10 Tagen
  • 25 mg/kg einmalig oder 2x im Abstand von 10 Tagen
Bei Mongolischen Rennmäusen hat sich Praziquantel zumindest als Spot-on als sehr verträglich erwiesen. Zur oralen Gabe und und zur Injektion kann ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Praxiserfahrung beisteuern. Die untenstehend abweichenden Angaben sind der Literatur entnommen und dienen der Information für Ihren Tierarzt. Dosierungsangaben bei Mongolischen Rennmäusen aus der Literatur:
GabemodusWirkstoffmenge
subkutan
  • 5mg/kg, 2x im Abstand von 14 Tagen
  • 5,1 – 11,4mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen
intramuskulär
  • 10 mg/kg, einmalig gegen Cestoden
  • 5,1 – 11,4 mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen gegen Cestoden
oral
  • 5mg/kg, 2x im Abstand von 14 Tagen gegen Cestoden
  • 10mg/kg, einmalig gegen Cestoden
  • 5,1 – 11,4mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen

Bei Stachelmäusen und Vielstreifen-Grasmäusen hat sich Praziquantel im Mäuseasyl in einer kleinen Fallzahl als sehr verträglich erwiesen.

Die Dosierung richtet sich auch bei exotischen Mäusen nach der Größe der jeweiligen Art. Für kleinere Arten können Sie sich an Farbmäusen orientieren. Ratten- oder ähnlich große Exoten schlagen Sie am besten unter den Farbratten nach.

Zur Verträglichkeit von Praziquantel bei exotischen Kleinsäugern kann ich weder eigene Erfahrungen beisteuern, noch habe ich in der Literatur dazu Hinweise gefunden.

Sie haben Praziquantel bei exotischen Kleinsäugern verwendet und möchten Ihre Erfahrung teilen? Dann schreiben Sie bitte an angelusnoctis@gmx.de

Bei Mittelhamstern und Phodopus-Zwerghamstern hat sich Praziquantel als verträglich in Form eines Spot-ons erwiesen. Zu subkutaner, intramuskulärer oder oraler Gabe liegen mir keine Erfahrungen vor. Für Streifenhamster konnte ich noch keine Anwendungserfahrungen zusammentragen.

Dosierungsangaben bei Hamstern aus der Literatur (Arten werden dort leider nicht unterschieden):

GabemodusWirkstoffmenge
oral
  • 5mg/kg, einmalig
  • 5 – 12mg/kg, einmalig
  • 6 – 10 mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen
  • 10mg/kg, einmalig
intramuskulär
  • 10mg/kg, einmalig
  • 5,1 – 11,4mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen
subkutan
  • 5 – 11mg/kg, einmalig
  • 6 – 10 mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen
  • 5,1 – 11,4 mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen (gegen Cestoden)

 

Da junge Farbratten Antiparasitika öfter schlechter vertragen als adulte Tiere, sollten Sie hier den Einsatz von Praziquantel gut abwägen.

Dosierungsangaben bei Farbratten aus der Literatur:

GabemodusWirkstoffmenge
subkutan
  • 6 – 10mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen
  • 25mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen
  • 5mg/kg, einmalig (gegen Hymenolepis spec.)
intramuskulär
  • 5,1 – 11,4mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen
  • 10mg/kg, einmalig
oral
  • 10mg/kg, 2x im Abstand von 14 Tagen
  • 5mg/kg einmalig
  • 10mg/kg einmalig
  • 6 – 10mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen
  • 5,1 – 11,4mg/kg, 2x im Abstand von 10 Tagen
  • 10mg/kg, 3x im Abstand von 1 – 2 Wochen

Anwendung von Praziquantel bei kleinen Heimtieren und Exoten

Bei kleinen Heimtieren wird Praziquantel gern als Spot-on („Punkten“) verwendet, der im Idealfall im Nacken bzw. hinter den Ohren aufgetragen wird. Generell kann es aber auf jeder Körperstelle außer im Gesicht aufgetragen werden. Wichtig ist, dass es möglichst direkt auf die Haut gebracht wird. Versuchen Sie ein Abputzen des Mittels zu verhindern.
Auch wenn die Literatur teils eine einmalige Gabe empfiehlt, hat sich in der Notfallarbeit des Mäuseasyls eine zweimalige Gabe im Abstand von 10 Tagen als zuverlässiger erwiesen.

Und so spotten Sie Ihren Nager:

  1. Nehmen Sie eine zahme Maus aus der Box oder dem Gehege, scheiteln Sie das Fell und geben Sie dem Nager die entsprechende Menge Droncit oder eines anderen praziquantelhaltigen Präparates in den Nacken bzw. hinter Ohr. Dann können Sie den Patienten zurück ins Gehege setzen.
  2. Scheue Nager sollten Sie in eine Box setzen und sie mit der Spritze „abschießen“. Lassen Sie sich dazu einen Tropfen an der Spitze sammeln und tupfen Sie dann die Spritze nach Möglichkeit gegen den Strich durchs Fell auf die Haut.
  3. Bei extrem scheuen Exemplaren hat es sich bewährt, die Box in die Badewanne zu setzen, falls der Patient in seiner Panik aus der Box springt.

Vermeiden Sie während der gesamten Behandlung die Berührung des Antiparasitikums an der Spritze oder im Fell.

Kontraindikationen für Praziquantel

Nicht angewendet werden darf der Wirkstoff bei bekannter Überempfindlichkeit des Patienten oder der gesamten Art. Auch bei einem Befall der Augen mit Schweinebandwurmlarven ist Praziquantel kontraindiziert. Eine Anwendung bei Jungtieren ist ebenfalls nicht empfohlen. Die Literatur bezieht sich hier zwar auf Hund und Katze – dies vermutlich aber eher mangels Erhebungen zu kleinen Nagern. Wenn möglich, verschieben Sie die Behandlung, bis die Jungtiere selbständig (bei Farbmäusen min. 4 Wochen alt) sind.

Resistenzen
Resistenzen gegenüber Praziquantel sind bisher (Stand 10/19) für Parasiten bei Kleintieren nicht beschrieben. Grundsätzlich sind sie aber auch bei den Parasiten der kleinen Heimtiere möglich. Daher sollten Sie selbst nach einer korrekten Behandlung und Quarantänehygiene bei Endoparasiten immer eine Kotprobe zur Kontrolle abgeben.
Resistenbildung
Resistenzen kommen nicht nur bei Bakterien und Antibiotika vor. Auch Parasiten können Resistenzen gegen ein Antiparasitikum entwickeln. Wenn Sie also mit Praziquantel einen Parasiten trotz korrekter Gabe und Umgebungshygiene nicht loswerden, kann ein Wirkstoffwechsel helfen.

Nebenwirkungen und Toxizität von Praziquantel

Für größere Säugetiere (einschließlich des Menschen) sind vorübergehende Schmerzen, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit und neurologische Symptome beschrieben. Die kleine Nager konnte ich in der Literatur keine Nebenwirkungen beschrieben finden. In der Praxis der Pflegestelle konnte ich bislang keinerlei Nebenwirkungen bei korrekter Dosierung beobachten.

Bei subkutanen Injektionen können Schmerzen an der Einstichstelle entstehen.

Praziquantel hat eine sehr hohe Sicherheitstoleranz und ist im Allgemeinen gut verträglich.

Akute Toxizität:

  • oral: 2000 – 3000mg/kg
    s.c.: 7000mg/kg
    i.p.: über 2000mg/kg
    i.m.: über 2000mg/kg
 

Akute Toxizität für Farbratten:

  • oral: 2000 – 3000mg/kg
  • s.c.: 16000mg/kg
  • i.p.: 600 – 800mg/kg
  • i.m.: über 1000mg/kg

Chronische Toxizität für Farbratten:

  • bis zu 1000mg/kg/Tag über 4 Wochenohne organische Schäden

Nebenwirkungen im Überblick

  • Schmerzen an der Einstichstelle
  • neurologische Symptome
  • Verdauungsstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • nicht mutagen
  • nicht karzinogen
  • nicht embryotoxisch
  • nicht fetotoxisch
  • nicht teratogen

Vergiftungen nach Überdosis

  • neurologische Symptome
  • Verdauungsstörungen
  • Inappetenz

Wechselwirkungen von Praziquantel mit anderen Medikamenten

Praziquantel ist ein sogenanntes CYP450-Substrat. Es wird also über Enzyme der CYP-Familie im Körper verstoffwechselt. Dadurch ist es anfällig für Wechselwirkungen mit CYP-Induktoren wie Rifampicin (Wirkverstärkung) und CYP-Inhibitoren (Abschwächung der Wirkung). Es sollte mir solchen Medikamenten also nicht kombiniert werden.
Bei der gleichzeitigen Anwendung von Dexamethason kann die Konzentration von Praziquantel im Blut erniedrigt sein.
Wechselwirkungen mit den Antiparasitika Febantel und Pyrantel gibt es nicht.

Wechselwirkungen im Überblick

  • Wirkverstärkung durch CYP-Induktoren
  • abgeschwächte Wirkung durch CYP-Inhibitoren

Lagerung und Haltbarkeit von praziquantelhaltigen Präparaten

Lagern Sie Droncit und andere praziquantelhaltige Präparate immer lichtgeschützt, bei Zimmertemperatur (15 bis 30°C) und gut verschlossen.

Entsorgung
Entsorgen Sie Reste im Hausmüll. Leeren Sie das Antiparasitikum niemals in Klo oder Spülbecken!

Lagerung im Überblick

  • dunkel lagern
  • sorgfältig verschließen
  • bei 15 - 30°C lagern
  • nicht einfrieren
  • auf hygienische Entnahme achten
Disclaimer
Diese Seite dient nur der Information. Sie ist kein Ersatz für den Tierarzt und soll auch keine Behandlungsanleitungen für den Alleingang bieten. Haftung für Schäden an Ihren Tieren bei Handeln ohne Ihren Tierarzt wird daher nicht übernommen!

Quellen

Pharmakologie-Datenbank der Uni Zürich

Packungsbeilage Droncit Spot-on

A. Ewringmann, B. Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus, Enke Verlag 2008
K. Gabrisch, P. Zwart: Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche 2007