Borgal

Achtung

Zu meinem großen Bedauern ist dieses Antibiotikum inzwischen eine Karteileiche. Da es für Menschen als Reserveantibiotikum gilt, ist es für den veterinätmedizinischen Einsatz in Deutschland verboten worden. In der Humanmedizin heißen gängige Antibiotika mit derselben Wirkstoffkombination Cotrim E, Cotrim K und Bigram und sind als Saft erhältlich.

Das Antibiotikum

Für Nager wird in der Regel die 24%ige Injektionslösung von Borgal für die orale und subkutane Gabe verwendet. Das Antibiotikum ist eine Mischung aus den Wirkstoffen Trimethoprim (ein Pyrimidin) und Sulfadoxin (ein Sulfonamid) im Verhältnis 1:5, um durch die unterschiedliche Absorption der beiden Wirkstoffe die optimale Plasmakonzentration von 1:20 zu erhalten. Eine ähnliche Zusammensetzung haben auch die Präparate Cotrim K von Ratiopharm und Bigram, wobei Cotrim K oft für die orale Gabe empfohlen wird, da es mit Bananenaroma versehen ist.
Borgal wird bei Heimtieren als Breitbandantibiotikum und zur Behandlung von Kokzidien eingesetzt.

Wirkung

Durch die Kombination der beiden Wirkstoffe wird die Folsäuresynthese in der Bakterienzelle gleich an zwei Stellen gehemmt. Die Kombination wirkt daher gegenüber den Einzelkomponenten effektiver und bakterizid statt bakteriostatisch. Auch nimmt das Spektrum der empfindlichen Erreger zu, während die Resistenzbildung vermindert wird. Besonderer Vorteil der Kombination: Es wird für den gewünschten Effekt eine deutlich geringere Wirkstoffdosis benötigt aufgrund eines Synergieeffektes der beiden kombinierten Stoffe, womit auch die Gefahr von Nebenwirkungen sinkt.
Analog zum Wirkmechanismus in Bakterien greift die Kombination auch Kokzidien an und verhindert im Endeffekt die Entwicklung der sogenannten Schizontenkerne (Schizont = Entwicklungsstadium bei Protozoen). Die maximale Wirkung wird zwar erst in der zweiten Schizontengeneration erreicht, die Schizonten aus der ersten Generation genügen jedoch lediglich für den Aufbau einer Immunität, nicht aber für einen Krankheitsausbruch.
Trimethoprim weist zudem einen so genannten postantibiotischen Effekt auf. Es hemmt das Bakterienwachstum also auch noch für einige Minuten oder Stunden, wenn es in seiner Konzentration nicht mehr nachweisbar ist.
Beide Komponenten werden nach oraler Gabe oder subkutaner Injektion gut resorbiert. Im Blut binden sich beide Wirkstoffe teilweise an Plasmaeiweiß.

Bei der Wirkstoffkombination erfolgt die Resistenzentwicklung langsam und ist gegenüber den Einzelwirkstoffen vermindert.
Für Sulfonamide sind Mykobakterien, Mykoplasmen, Rickettsien, Pseudomonas aeruginosa, diverse E.coli-Stämme und Spirochäten als resistent bekannt.
Bei Kokzidien, Staphylokokken, Anaerobiern, Nokardien, Corynebakterien, Klebsiellen und Enterobacterstämmen muß vermehrt mit Resistenzen gerechnet werden. In solchen Fällen ist die Erstellung eines Antibiogramms vor der Behandlung ratsam.

Dosierung

Die Richtdosis beträgt bei allen Tieren 15 mg/kg bezogen auf den Gesamtwirkstoffgehalt. Für Mäuse ist eine subkutane oder orale Gabe von Sulfadoxin/ Trimethoprim 30-40/6-8mg/kg zweimal täglich empfohlen. Das bedeutet für eine 50g schwere Maus eine Dosis von 0,01ml Borgal in der 2mg Sulfadoxin und 0,4mg Trimethoprim enthalten sind.

Berechnungsbasis für die Dosierung 40/8mg/kg:

SulfadoxinTrimethoprim
Konzentration0,4mg/10g0,08mg/10g
Volumen0,002ml/10g0,002ml/10g

Anwendung

Sulfadoxin verträgt sich nicht mit calcium- und anderen ionenhaltigen Lösungen. Daher sollten Sie Borgal nicht mit Milchprodukten, Nutrical oder ähnlichem zur oralen Gabe angebieten. Aufgrund Gehaltes an basischen Stoffen kann es nach Injektionen zu lokalen Irritationen kommen. Zur intramuskulären oder subkutanen Anwendung müssen daher verdünnte Lösungen verwendet werden.
Borgal wird in erster Linie bei bakteriellen Infektionen und bakteriellen Sekundärinfektionen im Verlauf von Viruserkrankungen angewendet. Die Kombination besitzt ein breites Wirkspektrum gegen grampositive und -negative aerobe Bakterien, gegen anaerobe Bakterien (z.B. Actinomyces, Enterobacteriaceae), sowie gegen Chlamydien und Protozoen (z.B. Toxoplasma, Kokzidien) und Sarcocystis neurona. Empfindlich reagieren auf Borgal unter anderem Streptokokken, Proteus, E. coli, Pasteurellen, Haemophilus und Salmonellen. Wird das Medikament hochdosiert verabreicht zeigt es auch gegen Brucellen Wirkung.
Eingesetzt wird es vor allem bei Infektionen des Harn- und Verdauungstraktes, aber auch bei Kokzidien.
Die Kombination von Trimethoprim und Sulfadoxin zeigt bei vielen Pseudomonaden, Mycobakterien, Leptospiren, Erysipelothrix und einigen Anaerobier (z.B. Bacteroides, Mycoplasmen) keine Wirkung und kann daher nicht angewendet werden.

Verträglichkeit

Im allgemeinen wird Borgal von Mäusen gut vertragen. Stellen Sie bei einer Behandlung Ihres Tieres Nebenwirkungen fest, würde ich mich über eine kurze Information an info[at]das-maeuseasyl.de freuen.
Beide Wirkstoffe können – vor allem bei unzureichender Flüssigkeitsversorgung – zur Kristallbildung im Harntrakt führen, die Steinbildung und Verstopfung der Nierentubuli zur Folge hat. In der Kombination ist das Risiko dieser Nebenwirkung jedoch geringer. Außerdem wirkt es sich auf die Verarbeitung von Kalium und Natrium in der Niere aus. Nierenkranke Tiere sollten daher nach Möglichkeit kein Borgal erhalten. Nicht verabreicht werden darf Borgal aus diesem Grund auch an Tiere mit verminderter Flüssigkeitsaufnahme bzw. Flüssigkeitsverlusten (z.B. Durchfall).
Da Borgal die Aufnahme von Folsäure über den Darm behindert, kann in seltenen Fällen ein vorübergehender Folsäuremangel entstehen.
Der Sulfonamidbestandteil kann andere an Proteine gebundene Arzneimittel verdrängen und so deren Wirkung verstärken.
Bei gleichzeitiger oder kurz aufeinander folgender Gabe der Wirkstoffkombination und einem Sedativum/Narkotikum treten gehäuft plötzliche Todesfälle auf. Diese Konstellation sollten Sie daher in jedem Fall zu vermeiden. Ebenfalls auf Borgal verzichtet werden sollte bei Tieren mit schweren Leberfunktionsstörungen und Störungen der Blutbildung.
Die LD50-Dosis für die Maus liegt für Trimetoprim je nach Quelle bei 7000 mg/kg oder 3968 mg/kg (orale Gabe), für Sulfadoxin bei 5200 mg/kg (oral) bzw. 2900 mg/kg (subkutan).

Lagerung

Bewahren Sie Borgal vor Licht geschützt, gut verschlossen und bei Raumtemperatur (15 – 25°C) auf.
Bei niedrigen Temperaturen entstehen in der Lösung manchmal Kristalle, durch kurzes Erwärmen der Flasche in heißem Wasser wieder aufgelöst werden können.

Haltbarkeit

Brauchen Sie Borgal nach Entnahme der ersten Dosis innerhalb von 4 Wochen auf.

Bezugsquellen

  • Tierarzt (veraltet)
  • Apotheke mit Rezept

Inhaltsstoffe

Zusammensetzung je ml 24%ige Injektionslösung:

  • Sulfadoxinum 200 mg
  • Trimethoprimum 40 mg
  • Natrii hydroxidum
  • Glyceroli formalum
  • Aqua ad iniectabilia pro

Hersteller

VIRBAC Tierarznei GmbH
Rögen 20
23843 Bad Oldesloe

Quelle
Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie
Anja Ewringmann, Barbara Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; Enke, 1. Auflage 2008