Kratzmaus / Ulzerative Dermatitis

Die chronische ulzerative Dermatitis ist eine Erkrankung, die vor allem bei Farbmäusen recht regelmäßig auftritt. Markant für die Erkrankung sind die oft massiven Selbstverletzungen und die schwierige Behandlung. Bis heute gibt es keine erfolgreiche Standardbehandlung für Kratzmäuse. Sie müssen sich also im Zweifel durch verschiedene Behandlungsansätze probieren und hoffen, dass einer davon bei Ihrem Tier anschlägt. Stellen Sie sich außerdem bei einer Kratzmaus auf eine sehr lange Behandlungsspanne ein. Auch eine erfolgreiche Behandlung kann Monate dauern, bis sie abgeschlossen ist. Zudem kann die Erkrankung immer wieder aufflammen.

Ursachen für die ulzerative Dermatitis bei Mäusen

Die genaue Ursache ist bisher nicht bekannt. Vermutet wird sie in einem vorangegangenen Befall mit Ektoparasiten, meist Milben. Mann nimmt eine Überempfindlichkeit gegenüber Antigenen der Parasiten selbst oder ihrer Ausscheidungen an, die zu einer dauerhaft fehlgeleiteten Immunreaktion führt.
Manchmal können auch eine hormonelle Dysbalance oder eine Mangelernährung eine Rolle spielen.
Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse gibt es bis jetzt aber leider nicht. Der Tierarzt kennt das Problem als „ulzerative Dermatitis“.
Bisher ist die klassische Kratzmaus ein nur bei Farbmäusen bekanntes Phänomen.

Ursachen im Überblick
  • genaue Ursache unbekannt

Ist eine Ansteckung bei Kratzmäusen möglich?

Zwar können Parasiten ansteckend sein. Die ulzerative Dermatitis kann aber nicht von Maus zu Maus übertragen werden. Sie müssen also bei einer Kratzmaus nicht fürchten, dass sich das Phänomen in der Gruppe verbreitet. Allerdings gibt es mitunter Familien mit vermehrter Neigung zu dieser Krankheit. Dann können auch mehrere (verwandte) Mäuse einer Gruppe das Symptombild ausbilden.

Übertragung im Überblick
  • nicht ansteckend

Symptome bei Kratzmäusen

Die Tiere fallen auf, da sie sich massiv vor allem im Kopf- und Halsbereich und insbesondere an den Ohren kratzen. Grundsätzlich kann aber jede Körperstelle betroffen sein. Die Mäuse kratzen dabei so sehr, dass sie sich die Ohren bis auf Stümpfe ab- und Hautstellen bis auf das rohe Fleisch aufkratzen. Diese Kratzwunden infizieren sich schnell mit Bakterien und/ oder Pilzen. Die Folge sind tiefe, schlecht heilende Wunden, an denen viele der Patienten immer weiter kratzen. In extremen Fällen führen die betroffenen Mäuse selbst in Narkose bei Berührung der Areale noch Kratzbewegungen aus.
Darüber hinaus sind die Tiere permanent unruhig, verlieren nach und nach ihren Appetit und magern ab. Darüber hinaus zeigen die meisten Kratzmäuse starke Anzeichen von Stress. Oft versterben Patienten auch an diesem Dauerstress – selbst dann noch, wenn eine Behandlung beginnende Erfolge zeigt.

Symptome im Überblick
  • Juckreiz und massives Kratzverhalten
  • besonders Kopf- und Halsbereich betroffen
  • sekundäre Wundinfektionen
  • Unruhe
  • Appetitlosigkeit und Abmagerung
  • chronischer Stress

Diagnose einer ulzerativen Dermatitis

Die Diagnostik folgt bei Kratzmäusen nach dem Ausschlussverfahren, bei dem typische Differentialdiagnosen abgeklärt werden. Für den Check auf Ektoparasiten kann der Tierarzt eine Tesa-Probe und ein Hautgeschabsel machen und unter dem Mikroskop untersuchen. Eine Tupferprobe von offenen Hautarealen sollte im Labor außerdem auf Pilze und einen bakteriellen Befall hin untersucht werden. Scheidet dann auch noch eine massive Mangel- bzw. Fehlernährung aus, liegt die Diagnose „Kratzmaus“ nahe.

Kratzmaus mit lädierten Ohren und offenem Nacken
Typisch Kratzmaus: Lädierte Ohren und ein offener Nacken
Möglichkeiten der Diagnose
Typische Ergebnisse der Anamnese:
  • massiver Juckreiz
  • Kratzverletzungen - typischerweise an Ohren und im Nacken
  • chronischer Stress
Weitere Untersuchungen:
  • Mikroskopproben
  • Laborkultur
Differentialdiagnosen:
  • Ektoparasiten
  • Hautpilze
  • bakterielle Dermatitiden
  • Allergie
  • akuter Nährstoffmangel

Behandlung von Kratzmäusen

Soweit bei den Differentialdiagnosen positive Ergebnisse herauskommen, müssen die Grunderkrankungen – also ein Parasiten-, Pilz- oder bakterieller Befall ursächlich behandelt werden (-> Antiparasitikum, Antibiotikum, Antimykotikum). Kratzt Ihr kleiner Patient danach immer noch weiter, kann einer der nachfolgenden Ansätze vielleicht helfen.

Die Behandlung von Kratzmäusen ist schwierig. Haben Sie ein wirksames Mittel gefunden, müssen die Tiere mitunter lebenslang therapiert werden und es gibt keine Garantie, dass das gefundene Mittel auch bei der nächsten Kratzmaus wirkt. Außerdem kann eine lange erfolgreiche Therapie bei einer Kratzmaus auch irgendwann ihre Wirkung verlieren. Dann müssen Sie nach einer Alternative suchen.

Sollten Sie Erfolg mit einer hier nicht aufgeführten Behandlungsmethode gehabt haben, freue ich mich über Ihre Mail an info@das-maeuseasyl.de. Die Suche nach wirksamen Behandlungsmethoden geht nämlich noch immer weiter.

Behandlungsansätze bei Kratzmäusen und ihre Erfolgsaussichten

Die nachfolgenden Behandlungsansätze können Sie sowohl als Einzeltherapie als auch in verschiedenen Kombinationen miteinander versuchen.

Krallen schneiden + Vitamin E

Krallenschneiden hat sich bei (vermuteten) Kratzmäusen inzwischen zur Erste-Hilfe-Maßnahme entwickelt – zum einen, weil es oft erstaunlich gute Ergebnisse zeitigt. Zum anderen handelt es sich um einen einfachen, ungefährlichen und schnellen Eingriff, bei dem nichts gegen eine versuchsweise Anwendung spricht.
Ergänzt wird das Kürzen der Krallen an den Hinterfüßen mit einer Vitamin-E-Kur, die Sie Ihrem Patienten über mindestens 4 Wochen angedeihen lassen sollten. Ich verwende dafür Allcura Vitamin E. Orientieren Sie sich bei der genauen Dauer der Kur vor allem an der Entwicklung der Symptome.
Dieser Behandlungsansatz verträgt sich mit allen anderen im Weiteren aufgeführten Ansätzen.

Cortison für Kratzmäuse

Eine Cortisonbehandlung (z.B. mit Prednisolon oder Dexamethason) kann Ihrem Patienten entscheidende Linderung schaffen, wenn sie den Juckreiz dämpft. Das Cortison können Sie lokal auftragen, subkutan oder oral verabreichen. Erweist sich eine subkutane Injektion als effektiver und müssen Sie die Therapie über einen langen Zeitraum oder gar dauerhaft durchführen, fragen Sie Ihren Tierarzt am besten nach einem Depotcortison.

Eine Cortisonbehandlung sollte immer gut abgewogen werden und gerade lange oder dauerhafte Gaben werden bei Medizinern oft kritisch gesehen. Erhalten diese Gaben Ihrer Maus aber Lebensqualität oder tragen sogar zur Heilung bei, sehe ich Cortison als durchaus gerechtfertigte Option für Kratzmäuse an.

Chlorhexidinpuder für Kratzmäuse

Chlorhexidinpuder hilft bei Kratzmäusen auf verschiedene Weisen. Zum einen schützt es die offenen Wunden vor Sekundärinfektionen. So hilft es, dass Verletzungen bei erfolgreicher Reduktion des Juckreizes besser abheilen können.
Auf der anderen Seite ist es die Wundabdeckung, die selbst nicht wieder zum Kratzen reizt. Das Puder liegt nur auf und haftet an den feuchten Wundarealen. Es verklebt aber Haut und Fell nicht und triggert damit auch nicht zusätzliches Putz- und Kratzverhalten.

Cortavance + Gentamycin

Mitunter hilft auch eine Mischung aus Cortavance-Spray und Gentamycin. Die Mischung aus 2ml Antibiotikum auf 1 Flasche Spray ließ hier im Mäuseasyl die Wunden rasch eintrocknen, die Rötung ging zurück. Dafür wurde die Lösung mindestens dreimal täglich aufgetragen.
Vorteil des Sprays: Durch seine dünnflüssige Konsistenz reizt es die Tiere deutlich weniger zum Kratzen als eine Salbe. Allerdings greift auch diese Behandlung nicht bei jedem Tier. Der gute Effekt war nur zum Teil bei der Behandlung weiterer Patienten reproduzierbar.

Fenistil für Kratzmäuse

In einigen Fällen konnten Halter mit Fenistiltropfen gute Ergebnisse erzielen. Das Problem liegt hier nicht nur darin, dass das Medikament nur für Menschen zugelassen ist, sondern auch in seinem Alkoholgehalt. Wenden Sie das Mittel also nicht einfach ins Blaue hinein an, sondern immer nur mit Rücksprache mit Ihrem Tierarzt.
Zudem ist Fenistil vor allem dann sinnvoll, wenn der Tierarzt eine allergische Komponente hinter dem Geschehen vermutet. In den übrigen Fällen war Fenistil oft ein Totalausfall in der Wirkung und wird deshalb heute kaum noch eingesetzt.

Sonstige Maßnahmen

Auch wenn keine Parasiten nachgewiesen werden können, können Ihre Tiere mitunter noch Parasiten tragen, die die Kratzattacken auslösen. Wurde im ersten Durchlauf mit Stronghold gespottet, hat sich der Wechsel auf ein anderes Antiparasitikum (Ivomec, Advocate) bewährt und Heilung gebracht.

Auch Behandlungen mit Heilerde oder lokales Auftupfen von Wasserstoffperoxidlösung erzielte in einigen Fällen eine Besserung. Einige Tiere heilten sogar aus. Beide Wege brachten aber bisher ebenfalls keine stabilen, reproduzierbaren Erfolge.

Mitunter kann auch die Gabe von Schmerzmitteln wie Metacam oder Novalgin eine Besserung erzielen.
Auch eine versuchsweise Fütterung mit Omega-3-Fettsäuren brachte in einigen Fällen eine Besserung.
Beide Ansätze sind einen Versuch wert, jedoch wie die weiteren Mittel in diesem Absatz nicht auffallend erfolgreich.

Oft fatal wirkt sich die Anwendung von Surolan aus, das viele Tierärzte bei Kratzverhalten rund um die Ohren gern verordnen. Die Mehrzahl der Patienten kratzt bei der Anwendung noch massiver, ohne dass sich im Verlauf ein positiver Effekt durch das Surolan zeigt. Verzichten Sie daher auf dieses Mittel bei Kratzmäusen – insbesondere am Ohr.

Studien zur Behandlung von Kratzmäusen

Studien mit verschiedenen Antioxidantien wie Acetylselicylsäure, Glutathion und Vitamin E sowie mit Natriumhypochlorit zeigten teils sehr gute Ergebnisse und Quoten für die Heilung. Auch das Krallenschneiden erwies sich in Studien als heilungsfördernd.

Behandlungsmöglichkeiten
  • andere Grunderkrankungen ursächlich beheben
  • Krallen schneiden
  • Vitamin-E-Kur
  • Cortison
Bewährte Mittel und Medikamente
  • Krallen schneiden
  • Allcura Vitamin E
Kratzmaus mit Chlorhexidinpuder im Nacken
Kratzmaus mit Chlorhexidinpuder im Nacken
CAVE - Salben und Cremes
Salben und Cremes verschlimmern das Problem in der Regel eher, als es zu verbessern. Die betroffenen versuchen Nager meist, das aufgetragene Mittel schnellstmöglich zu entfernen und strapazieren die betroffene Stelle so noch mehr. Entsprechend sind sie nur sehr selten das Mittel der Wahl. Weichen Sie besser auf Puder und wässrige Sprays und Lösungen, notfalls auf sehr leicht formulierte Gele aus.
Kratzmaus
Typisch Kratzmaus: Ohren teilweise abgekratzt
Wann einschläfern?
Geben Sie Ihrem Patienten Zeit. Manche Therapien brauchen eine Weile, bis sie anschlagen. Ist jedoch abzusehen, dass keine Therapieform anschlägt, sollten Sie das betroffene Tier einschläfern lassen, da es unter den Juckreizattacken massiv leidet. Diesen Weg gehen leider durchschnittlich etwa 50% aller Kratzmäuse.

Ulzerativer Dermatitis bei Mäusen vorbeugen

Da die Ursachen nicht hundertprozentig geklärt sind, gibt es leider auch keine effektiven Vorbeugungsmaßnahmen. Am besten helfen Sie Ihren Mäusen, wenn Sie schon bei kleinsten Anzeichen von Wunden unbekannter Ursache an Ohren und Nacken den Tierarzt aufsuchen. Je früher Kratzmäuse behandelt werden, umso größer sind ihre Überlebens- und Heilungschancen.

Vorbeugende Maßnahmen im Überblick
  • keine
Disclaimer
Diese Seite dient nur der Information. Sie ist kein Ersatz für den Tierarzt und soll auch keine Behandlungsanleitungen für den Alleingang bieten. Haftung für Schäden an Ihren Tieren bei Handeln ohne Ihren Tierarzt wird daher nicht übernommen!

Quellen

Ewringmann, Anja; Glöckner; Barbara: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; 1. Auflage, Enke 2008, S. 200
Gabrisch, Karl; Zwart, Perneel: Krankheiten der Heimtiere; 7. Auflage, Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2008, S. 121ff.
Müller, Kerstin: HeimtierSkills – Praxisleitfaden zur Diagnose und Therapie bei kleinen Heimtieren, Schattauer 2017; S. 435ff.

Letztes Update: 01.07.2020