Alte Mäuse

Altes Eisen?

Alte Mäuse haben einen besonderen Charme. Die kleinen Rentner sind meist ruhiger, bewegen sich weniger und sind weniger mobil. Nichtsdestotrotz können sie viel Lebensfreude ausstrahlen und ihren Lebensabend sehr genießen.
Der Gedanke, dass die neue Maus schon bald wieder gehen wird, schreckt dennoch viele von einer Aufnahme alter Nager ab. Zudem fragen sich Einige: Lohnt sich ein Umzug für ein altes Tier noch? Ja, das tut er!

Mäuse werden in der Regel nicht sehr alt, sodass schon eine Woche für einen kleinen Senior eine sehr lange Zeit ist. Wenn Sie also eine alte Maus aufnehmen, können Sie ihr sehr wohl noch für eine für sie lange Zeit ein schönes Leben bieten, es schlimme Erlebnisse vergessen lassen und es einfach nur verwöhnen. Gerade alte Mäuse nehmen das mit besonderer Dankbarkeit an.

Zudem lebt so mancher Rentner doch noch sehr viel länger, als seine altersschwache Erscheinung vermuten lässt. Einige Nager, denen Sie beim Einzug vielleicht noch zwei oder drei Wochen geben, können noch einmal richtig aufblühen und deutlich länger leben. Vor allem bei Mäusen, deren genaues Alter Sie nicht kennen, geschieht dies gar nicht so selten.
Der Abschied wird trotz allem traurig werden wie bei jedem Tier, das man liebt. Als Trost bleibt, dass Sie Ihrem Schützling die letzte Zeit seines Lebens so angenehm wie möglich gestaltet haben.

 

Alterserscheinungen

Ab wann Mäuse wirklich alt sind, ist schon innerhalb einer Art recht unterschiedlich, da die einzelnen Individuen unterschiedlich schnell altern. Noch weiter geht mitunter die Schere zwischen den Arten auseinander. Während Vielzitzenmäuse oder Farbmäuse im Schnitt 1,5 bis 2 Jahre leben, können beispielsweise Persische Rennmäuse durchaus 8 Jahre alt werden.

Faktoren, die zum Alterungsprozess beitragen, sind unter anderen Vererbung, Stress, Haltung und Fütterung.
In der Regel gelten Mäuse als alt, wenn sie sich der Obergrenze der durchschnittlichen Lebenserwartung nähern oder gar schon überdurchschnittlich alt sind.

Vor allem Farbmäuse und Mongolische Rennmäuse zeigen nach und nach typische Alterserscheinungen. Die meisten exotischen Mausarten zeigen ein hohes Alter weniger offensichtlich. Sind Mausexoten dem Alter nach nur geschätzt, können diese Schätzungen daher teils deutlich neben der Realität liegen. In der Regel werden die Mäuse dann für deutlich jünger gehalten, als sie sind.

ALTER VS. KRANKHEIT
Die nachfolgend erwähnten Alterserscheinungen können auch Anzeichen für eine Erkrankung sein. Sind Sie sich nicht sicher, dass es sich nur um Altersanzeichen handelt, stellen Sie Ihre Maus in jedem Fall einem mauskundigen Tierarzt vor!

Typisch für alte Mäuse ...

Alte Mäuse haben oft schütteres Fell und einen Buckel

1. Buckel

Der Buckel ist bei jüngeren Mäusen oft ein Anzeichen einer ernsten Erkrankung. Bei älteren Tieren ist er nicht unbedingt ein Grund zur Besorgnis. Als typische Alterserscheinung bei Mäusen geht er im Gegensatz zum krankheitsbedingten Buckel jedoch nicht mit einem reduzierten Allgemeinbefinden einher.

Besonders alte Farbmäuse bilden mitunter einen sehr starken Buckel aus. Bei anderen Mausarten tritt er weniger stark auf. Vor allem exotische Mausarten zeigen oft selbst in einem sehr hohen Alter keinen oder nur einen kaum wahrnehmbaren Buckel.

Alter Farbmauskastrat

2. Dünneres, glanzloseres Fell

Der Fellzustand kann vor allem bei hochbetagten Senioren das Alter verraten. Wie bei vielen Alterserscheinungen, ist auch dieses Merkmal bei Farbmäusen besonders ausgeprägt.

Das Fell wird schütterer, wirkt manchmal auch etwas plüschiger, ohne dass die Tiere krank sind. Außer bei Satinmäusen kann das Fell auch an Glanz verlieren, stumpf, fast schon strohig aussehen.
Gegen den schlechter werdenden Zustand des Fells können Sie den kleinen Senioren Omega-3-reiche Öle und Vitaminsupplemente (vor allem Vitamin E und B-Komplex) anbieten.

Wichtig: Mitunter wird ein latenter Grabmilbenbefall erst im höheren Alter in Form schütteren Fells sichtbar. Testen Sie den kleinen Senior im Zweifel darauf.

Altes Farbmausböckchen

3. Fellverlust rund ums Auge

Der kleine, kahle Ring rund um die Augen ist eine typische Alterserscheinung der Farbmäuse. Zusammen mit dem Gesamtbild einer Maus hilft er, das biologische – nicht das tatsächliche! – Alter eines Individuums zu schätzen.

Im Gegensatz zu Entzündungen des Lidrandes und anderen Erkrankungen am Auge, fällt bei der reinen Alterserscheinung lediglich das Fell aus. Die Haut ist weiterhin normal gefärbt und nicht geschwollen. Zudem entwickelt sich der kahle Ring nach und nach und nicht wie eine Infektion binnen weniger Tage.
Deshalb macht der Augenring es zumindest sehr erfahrenen Haltern deutlich leichter, das Alter der Maus zu schätzen.

Typisch für die fortschreitende Hinterhandlähmung: der flache, abfallende Rücken dieses mehr als 3 Jahre alten Mäuserichs

4. Aufsteigende Lähmung der Hinterhand

Die aufsteigende Hinterhandlähmung ist vor allem bei Farbmäusen bekannt. Sie kann aber auch Zwerghamsterhybriden und vor allem sehr langlebige Exoten wie Persische Rennmäuse betreffen.
Der Prozess entwickelt sich extrem langsam und ist nicht reversibel.

Diese Alterserscheinung beginnt schleichend mit einer Instabilität in der Hinterhand. Die Tiere wackeln auf der hinteren Körperhälfte, wirken etwas unbeholfen in ihrer Bewegung. Dann verlieren die alten Mäuse nach und nach die Kontrolle über die Hinterfüße. Erst lassen sich die Zehen nicht mehr bewegen, später der ganze Fuß. Auch der Schwanz wird von der Lähmung ergriffen. Mit Fortschritt der Lähmung fällt der Rücken flach ab wie bei der Maus im Bild. Bei Farbmäusen deutlich jenseits der 3 Jahre gab es schon Tiere, die nur noch mit 2 Beinen gelaufen sind – was aber dem Genuss des Lebensabends zumindest hier noch bei keinem einen Abbruch getan hat.
MERKE: Diese altersbedingte Lähmung ist KEIN Grund, den Senior einzuschläfern!

Alte Farbmaus

5. Gewichtsverlust

Vor allem hochbetagte Mäuse werden oft trotz reichhaltiger Leckerlis immer schmaler. Besonders in den letzten Wochen ihres Lebens nehmen manche Nager stark ab. Die kleinen Rentner werden immer weniger, manchmal sogar richtig knochig.

Hier können Sie nur eins tun: Reichhaltig dagegen anfüttern. Das bedeutet zum einen: Bieten Sie Ihren Rentnern leichter zu fressendes Futter an – also eine Saatenmischung mit erhöhtem Flockenanteil und bereits geschälten Fettsaaten. Auch Breis sind für alte Mäuse ein guter Weg, um den Gewichtsverlust zu bremsen und in Grenzen zu halten.

Damit in einer gemischten Gruppe die jüngeren Mäuse nicht übermäßig zunehmen, können Sie kalorienreiche Breis und Leckerlis wie geschälte Kürbiskerne auch von Hand füttern.

Alte Mäuse in der Futterschüssel

6. Verhaltensänderungen

Mit zunehmendem Alter werden die Tiere ruhiger, mitunter auch zutraulicher und weniger mobil. Ausdauer und Kraft leiden mitunter ebenfalls. Scheue Mäuse werden entspannter, manchmal sogar etwas zahm.

Aggressive Nager werden im höheren Alter langsam verträglicher. Das erleichtert vor allem bei verhaltensauffälligen Individuen die Einbindung in eine Gruppe von Artgenossen, selbst wenn sie in jüngerem Alter als hochaggressiv aufgefallen sind.

WICHTIG: ALTER IST KEINE KRANKHEIT!
Soweit die hier beschriebenen Symptome nicht krankheits-, sondern schlicht altersbedingt sind, sind sie KEIN Grund, den Senior einzuschläfern. Die kleinen Rentner können oft trotz Einschränkungen die Zeit genießen, die ihnen noch bleibt. Erkranken sie nicht, sterben sie irgendwann an Altersschwäche.

Wie kann ich das Alter einer Maus schätzen?

Die hier aufgeführten Alterszeichen sind vor allem bei Farbmäusen sehr ausgeprägt und können auch bei anderen, inzwischen stärker domestizieren Mausarten sichtbar in Erscheinung treten. Da das Gesamtbild jedoch für eine möglichst genaue Schätzung wichtig – und sehr individuell – ist, lässt sich kein allgemeingültiger Guide zu Altersschätzung erstellen. Das bleibt Erfahrungssache.

Bei exotischen Mäusearten können Alterserscheinungen ebenfalls auftreten. Häufig sind sie jedoch deutlich schwächer ausgeprägt. So manchem Exoten sieht man sein Alter bis zum Ende nicht an.
Das macht vor allem bei Exemplaren unbekannten Alters (Räumungstiere, Fundtiere, …) die Altersschätzung schwer. Mitunter können Sie mit einer Schätzung Jahre neben dem tatsächlichen Alter liegen.

Umgang mit alten Mäusen

Hat eine alte Maus keine (medizinisch relevanten) Probleme, muss sie auch nicht speziell vom Tierarzt behandelt werden. Nur bei Alterserscheinungen, die den kleinen Senioren belasten, müssen Sie ihn dem Veterinär vorstellen. Doch, wie gehen Sie mit einer gesunden, aber eben sehr alten Maus um?

1. Beobachten

Beobachten Sie gerade alte Mäuse immer gut auf Krankheitssymptome, um schnell handeln zu können. Das Immunsystem der kleinen Rentner ist nicht mehr so schlagkräftig. Deshalb haben Parasiten und Keime leichteres Spiel.

2. Verwöhnen

Alte Nager können Sie so richtig verwöhnen – vor allem dann, wenn ein Tier zur Gewichtsabnahme neigt. Ist eine alte Maus schon stark untergewichtig, ist es auch völlig egal, was sie frisst – Hauptsache es kommen möglichst viele Kalorien ins Tierchen. Vor allem, wenn die verbleibende Lebenszeit absehbar ist, dürfen die Senioren auch Ungesundes fressen wie Drops, fettig-süßen Kokosaufstrich fürs Brot und andere Sünden, wenn sie sich mit gesünderen Alternativen nicht päppeln lassen.

3. Gehege anpassen

Sind Ihre Senioren nicht mehr ganz so mobil und geschickt im Klettern, sollten Sie ihnen das Gehege entsprechend einrichten, sodass für die kleinen Rentner keine Unfallgefahr besteht und sie von ihrer Umgebung nicht überfordert werden. Rampen, Geländer, breitere Aufgänge, Kletterhilfen … Mit solchen Anpassungen machen Sie den Omas und Opas das Leben leichter.

4. Stress vermeiden

Vermeiden Sie jeden möglichen Stress für die alten Mäuse. Soweit möglich, sollten Sie auch von stressigen und langwierigen Vergesellschaftungen absehen, solange ein sehr alter Nager in der Gruppe lebt. Kurzen, entspannten Vergesellschaftungen steht jedoch nichts im Wege, solange ein Senior noch fit für sein Alter ist. Die Regel, alte Mäuse nicht zu vergesellschaften, unterstütze ich daher nicht als allgemeingültige Leitlinie.
Wenn Sie merken, dass Ihr Senior nur noch wenige Tage leben wird, sollten Sie allerdings sehr wohl auf eine Vergesellschaftung und auch auf eine Käfigreinigung verzichten. Sie bringen dem Mäuserentner nur unnötigen Stress und Unruhe.

Uropi an der Kokoscreme: Alte Mäuse dürfen das
Uropi an der Kokoscreme: Alte Mäuse dürfen das.

Eine Maus stirbt

Viele Mäuse schlafen einfach ein und sterben somit einen friedlichen Tod. Manche Rentner krampfen aber auch und wirken, als würden sie nach Luft schnappen. In selten Fällen schnippen sterbende Mäuse noch einmal wie die Flummis unkontrolliert durch die Gegend.
Da diese Mäuse meist schon in den Stunden vor ihrem Tod kaum oder gar nicht mehr ansprechbar sind, nehmen sie die für Halter sehr unschön anzusehende krampfende Phase vermutlich gar nicht mehr bewusst wahr.

Tod nach Regeln

Wie in der Natur zieht sich die sterbende Maus oft von der Gruppe zurück, stellt die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme ein und verweilt mitunter an einer recht offensichtlichen Stelle weitab von den anderen.
Ist es soweit, sollten Sie nicht mehr versuchen, eine alte Maus zur Gruppe zurück zu führen, sie zwangsweise zu ernähren oder ähnliches. Akzeptieren Sie, dass Ihr Tier entschieden hat zu gehen!
Manche sterbende Tiere suchen in den letzten Stunden oder Minuten plötzlich bewusst von selbst die Nähe zum Menschen. Diese sollten Sie ihnen dann auch gewähren.

Beide Verhaltensweisen führen in der Natur dazu, dass der alte Nager von Fressfeinden viel schneller bemerkt und weggefangen wird. Die Tiere beschleunigen damit also das unvermeidbare Ende.

Meine Gruppe hat den toten Senior (an)gefressen!?

Ebenso wie in der Natur beseitigen vor allem exotische Mäuse tote Artgenossen, indem sie sie an- oder gar auffressen. Dieses Verhalten ist völlig natürlich und sorgt in freier Wildbahn dafür, dass wertvolles Protein nicht verschwendet wird. Gleichzeitig stellen die Mäuse damit sicher, dass der Geruch des toten Artgenossen keine Fressfeinde anlockt oder sich auf der Leiche ein Nährboden für schädliche Keime bildet.

Gerade bei domestizierten Tieren wie der Farbmaus kommt es aber auch immer wieder vor, dass Sie einen toten Artgenossen vollständig im Nest oder vergraben in der Streu finden. Farbmäuse oder Farbmongolen haben den natürlichen Instinkt, sich von der Gruppe zu entfernen oder tote Artgenossen „aufzuräumen“, schon teilweise verloren. Deshalb sind viele Halter erschrocken, wenn ihre Mäuse plötzlich zu “Kannibalen” werden. Doch auch wenn wir es nicht mehr gewohnt sind, auch für diese Mäuse ist das (An)Fressen toter Artgenossen ein natürliches Verhalten.

Die letzten Tage: Warten oder Einschläfern?

Altert eine Maus, arrangiert sie sich in der Regel mit den damit einhergehenden Einschränkungen. Mitunter sind Dauermedikationen gegen Schmerzen, für eine Stärkung der Herzfunktion o. ä. nötig. Sind Sie sich nicht sicher, ob das reicht, beantworten Sie sich folgende Fragen:

  • Frisst mein Rentner noch gern und freiwillig (wenn auch vielleicht nicht mehr viel und nicht mehr alles)?
  • Nimmt mein Rentner noch – im Rahmen seiner Möglichkeiten – am Gruppenleben teil?
  • Ist mein Senior an seiner Umwelt und was um ihn herum geschieht interessiert?

Wenn Sie diese Fragen alle mit “ja” beantworten können, dann ist Ihr kleiner Senior auch noch nicht bereit zu gehen. Lassen Sie ihn also vor sich hinwuseln, solange er das noch möchte – auch wenn es für Sie aus menschlicher Sicht vielleicht schwierig ist, das hutzelige Ömchen oder Öpchen durchs Gehege stolpern zu sehen.

Beantworten Sie auch nur eine der Fragen mit “nein”, packt Ihr kleiner Rentner vermutlich schon seine Koffer. Schafft er den Schritt nicht allein und vegetiert vielleicht über Tage dahin oder leidet trotz Medikation stark unter einer oder mehreren chronischen Erkrankung(en), sollten Sie ihn erlösen lassen.

Auffälliges Verhalten
(außergewöhnlich ruhig, zahm, exponiert, …)

Nicht mehr ansprechbar
(Minuten bis Stunden vor dem Tod)

Lebenszeichen verlöschen
(Muskeltonus, Atmung und Herzschlag sind nicht mehr spür- bzw. sichtbar)

Totenstarre setzt ein
(Beginn nach 5 bis 15min; hält mehrere Stunden)

Körper zerfällt
(Totenflecken zeigen sich, die Autolyse setzt ein, Insekten finden sich ein; je nach Temperatur Stunden bis Tage)

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Einschläfern?

Es ist nicht immer ganz einfach, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Hören Sie auf Ihre Maus. Sie weiß am besten, wann es Zeit ist – und sie auch bereit ist, die Hilfe auf dem Weg anzunehmen.
Prüfen Sie gut, wenn Ihr Tierarzt (oder andere Quellen) zum Einschläfern rät. Tiere, die noch nicht bereit für ihren letzten Gang sind, wehren sich mitunter heftig gegen die einsetzende Wirkung des Medikaments – ein unschöner Moment, den Sie sich und Ihren Mäusen ersparen sollten.
Eine alte Maus, die bereit ist zu gehen, kämpft nicht mehr gegen das Medikament. Ihr letzter Weg ist dann ruhig.

In der Regel zeigen Mäuse recht gut, wann es Zeit ist zu gehen. Akzeptieren Sie die Wahl Ihres kleinen Freundes. Er weiß genau, wann er noch kämpfen kann und will. Kämpfen Sie mit Ihrem Tier, wenn es kämpfen will. Aber lassen Sie auch los, wenn sich die kleine Maus verabschieden will.