Trächtigkeit und Nachwuchs

Trächtige Tiere bedürfen besonderer Pflege. Doch nicht immer ist bei Mäusen der Nachwuchs auch geplant. Was also tun, wenn Sie merken, dass Ihre Maus tragend ist oder Sie überraschend Babys im Nest gefunden haben? Die nachfolgenden Grundsätze sind ein kleiner Leitfaden für Besitzer trächtiger und säugender Tiere.
Auf dieser Seite erfahren Sie außerdem alles Wichtige zum Thema Geschlechtertrennung und Quarantäne mit tragenden und säugenden Mäusen.

5 Grundsätze für tragende und säugende Mäuse

Farbmausmama

1. Ruhe

Tragende und säugende Tiere brauchen Ruhe. Vermeiden Sie unnötige Arbeiten am und im Gehege sowie ungewohnte, sehr laute Geräusche im Raum. Das bedeutet, wenn Sie im Zimmer z. B. regelmäßig staubsaugen, dürfen Sie das auch weiter tun. Kehren Sie normalerweise nur, sollten Sie jetzt auch nicht zum Staubsauger greifen.

Fühlen sich Mäuse gestört, verlassen sie mitunter den Nachwuchs, verlegen das Nest oder fressen den Nachwuchs im schlimmsten Fall sogar auf.
Während Farbmäuse gegen Störungen – wie beispielsweise ins Nest schauen – noch recht tolerant sind, nehmen es viele exotische Mäuse sehr schnell übel, wenn Sie sie während der Trächtigkeit oder der Jungenaufzucht zu sehr stressen und zu oft behelligen. Die Chance, dass der Nachwuchs das mit dem Leben bezahlt, ist dann recht groß.

Gutes Proteinfutter für werdende Mäusemütter: Argentinische Waldschaben

2.Nährstoffbedarf

Während der Trächtigkeit und der Säugezeit muss die Mutter nicht nur Nährstoffe zum Erhalt ihres eigenen Körpers bereitstellen. Auch die Jungtiere müssen aus ihren Reserven versorgt werden. Im Wachstum benötigen die kleinen Mäuse viel mehr Protein zum Aufbau ihres Körpers als ein bereits ausgewachsenes Tier.
Daher benötigen tragende und säugende Mäusinnen insgesamt eine höhere Energiedichte im Futter. Erhöht ist außerdem der Bedarf an Proteinen und Calcium.
Für Proteine sind Insekten ideal. Im Zweifel tut es auch ein gekochtes Ei. Einige Kräuter (z.B. Oregano), Sesam, Mohn und Kichererbsen bringen recht viel Calcium mit.
Ist das Muttertier nicht ausreichend versorgt, kann das zu einer Entwicklungsverzögung ihres Nachwuchses führen. Die Jungtiere sind dann kleiner, dünner und schwächer als ausreichend versorgte Tiere im gleichen Alter. Bei starkem Proteinmangel kann es außerdem passieren, dass die Mutter eines oder gar mehrere Junge auffrisst, um ihre Proteinvorräte aufzufüllen.

Mäusenest aus Heu

3. Nistmaterial

Wenn Sie den Verdacht haben oder wissen, dass Ihre Maus Nachwuchs erwartet, stellen Sie ihr etwas mehr Nistmaterial zur Verfügung, sodass die Mutter das Geburtsnest nach ihren Wünschen polstern und ausbauen kann.
Dafür können Sie beispielsweise Heu, Baumwollstreu oder nicht (!) reißfeste Küchentücher anbieten. Auch Kapok und andere weiche Naturfasern sind vielen Mäusemüttern in spe herzlich willkommen. In Naturterrarien haben sich vor allem Moose und Hanf, aber auch Kapok gut bewährt, damit es in der Kinderstube nicht schimmelt.

Verzichten Sie auf reißfeste Küchentücher und handelsübliche Hamsterwatte. Erstere kann den Müttern, letztere den Babys gefährlich werden.

Hirschmäuse in der Badewanne

4. Nicht vergesellschaften

Ist ein Weibchen trächtig oder hat es noch nicht selbständigen Nachwuchs, sollten Sie von einer Vergesellschaftung mit fremden Tieren absehen.
In den meisten Fällen wird die neue Gruppe den Nachwuchs der von ihnen aufgenommenen Mutter töten, wenn er geboren wird. Auch schon vorhandene, nicht selbständige Junge werden oft getötet.

Diese Gefahr besteht auch dann, wenn die Gruppe die Mutter selbst sehr unkompliziert und freundlich aufgenommen hat. Wenn Sie den Nachwuchs also aufziehen möchten, sollten Sie mit einer Vergesellschaftung warten, bis die Jungtiere alt genug und einigermaßen selbständig sind.

Rötelmäuse in der Transportbox

5. Nicht umsiedeln

Gerade für Exoten gilt dieser Punkt. Siedeln Sie die Mutter mit Nachwuchs nach Möglichkeit nicht um. Wie bereits in Punkt 1 beschrieben, nehmen die meisten Arten Störungen sehr übel.
Dies gilt auch für viele (exotische) Mütter kurz vor der Geburt. Werden sie kurz vor der Niederkunft noch umgesiedelt, fressen oder verlassen auch sie oft den Nachwuchs.Das ist insbesindere dann der Fall, wenn sie nicht nur innerhalb eines Haushaltes, sondern in eine völlig neue Umgebung umziehen.

Der Fakt, dass dies vor allem bei den stark domestizieren Farbmäusen und Mongolischen Rennmäusen oft nicht so ist, ist im Übrigen kein Freifahrtschein, die Tiere nach Belieben umherzuschieben. Gönnen Sie auch einer solchen (werdenden) Mutter ihre Ruhe. So kann sie ihre Kinder entspannter aufziehen.

Wann darf ich ins Nest schauen?

Zügeln Sie Ihre Neugier, auch wenn es schwer fällt. Ob Jungtiere da sind, hören Sie in vielen Fällen an dem leisen, aber deutlich vernehmbaren Piepsen im Nest. Solange es piepst, ist der Mäusenachwuchs da. Doch auch wenn Ruhe ist, sollten Sie nicht sofort ins Nest schauen. Nicht alle Arten haben gesprächige Jungtiere und manchmal schlafen die Babys einfach.
Angst, dass vielleicht tote Babys das Nest verunreinigen, müssen Sie nicht haben. Die Mutter räumt das Nest in der Regel sehr gründlich auf, frisst Totgeburten oder gestorbene Jungtiere oder entfernt sie zumindest aus dem Nest.
Frühestens nach reichlichen 14 Tagen bis 4 Wochen – je nachdem wie frühreif die von Ihnen gehalten Art ist – sollten Sie einen vorsichtigen Blick riskieren. Tun Sie das möglichst dann, wenn die Mutter gerade unterwegs ist und berühren Sie den Nachwuchs nicht. So fühlt sich die Mäusemutter am wenigsten gestört und Sie gefährden die Jungtiere nicht.

Haben Sie die Jungtiere versehentlich im Nest gefunden, weil Sie gar nicht wusste, dass Sie Nachwuchs haben, decken Sie sie einfach wieder zu und lassen das Nest in Ruhe, bis die Kleinen es von selbst verlassen.

Wann darf ich die Mäusekinder anfassen?

Auch beim Anfassen gilt: Geduld ist eine Tugend! Vermeiden Sie es, die Jungtiere zu berühren, solange diese nicht von selbst das Nest verlassen und das Gehege erkunden. Frühestens wenn der Nachwuchs schon seit 2 bis 3 Tagen seine neue Umgebung erkundet, sollten Sie die kleinen Mäuse anfassen.

Kinder von Arten, die es auch als erwachsene Tiere nicht schätzen, berührt zu werden, sollten Sie nach Möglichkeit gar nicht anfassen.

Wann darf ich das Gehege wieder reinigen?

Sobald die Jungtiere alle das Nest das erste Mal verlassen haben, können Sie das Gehege reinigen. Nehmen Sie das Geburtsnest jedoch nach Möglichkeit komplett raus, ohne es zu zerstören und geben Sie es den Tieren wieder in das gesäuberte Gehege zurück. Sie können es dann mit dem nächsten Ausmisten entsorgen.

Lässt sich die Reinigung des Geheges unter keinen Umständen vermeiden, entnehmen Sie am besten das gesamte Nest mit den Jungen. Schieben Sie dafür die Hand unter das Nest und legen Sie es vorsichtig in eine Box. Setzen Sie das Nest samt Mäusekindern auch genauso zurück. So vermeiden Sie es, die Kleinen zu berühren.
Manche Exoten neigen in Transportboxen zu Aggressionen gegenüber ihrem Nachwuchs. Trennen Sie die Mutter und die restliche Gruppe also besser für die Zeit der Gehegereinigung von den Jungtieren, wenn diese noch nicht selbständig das Nest verlassen können. Halten Sie solche Jungtiere gut warm, bis ihre Familie sie wieder wärmen kann.
Bei domestizierten Nagern wie Farbmäusen Mongolischen Rennmäusen und Vielzitzenmäusen ist eine solche Trennung in der Regel nicht nötig. Auch sehr soziale Arten wie Stachelmäuse können ihren Nachwuchs begleiten.

Junge Nacktsohlen-Rennmäuse
Nur selten liegen Jungtiere so offen im Nest wie diese Nacksohlen-Rennmäuse

Wann muss ich den Nachwuchs trennen?

Je nach Art und ob Sie eine Familienhaltung betreiben wollen, müssen Sie die Jungtiere rechtzeitig – also mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife trennen. Da dieser Zeitpunkt für die einzelnen Mausarten sehr unterschiedlich ist, sollten Sie die Daten für Ihre Mausart in den Steckbriefen nachlesen.
Vor allem bei sich schnell vermehrenden Arten wie Farbmäusen oder Vielzitzenmäusen ist eine rechtzeitige Trennung sehr wichtig, wenn Sie nicht schnell vor dem Problem einer kleinen Mausplosion stehen wollen.

Sorgen Sie dafür, dass die Jungtiere danach Sozialkontakt zu erwachsenen Tieren ihrer Art haben. In der Regel ist mit einsetzender Geschlechtsreife die Sozialkompetenz noch nicht ausgereift. Daher müssen die Mäusekinder weiter von erwachsenen Tieren lernen. Weibchen können dafür bei der Mutter verbleiben. Männchen sollten dann je nach Art zu erwachsenen Böcken oder Kastraten umziehen. Vermitteln Sie frisch getrennte Jungtiere daher auch im Idealfall zu Artgenossen oder warten Sie noch etwas mit der Vermittlung.

12 Wochen alte Buschschwanz-Rennmaus
12 Wochen alte Buschschwanz-Rennmaus: Langsam wird es Zeit, eigene Wege zu gehen.

Parasitenbefall: Quarantäne für tragende Mäuse und Mütter mit Nachwuchs

Parasitenbefall und damit eine Quarantäne ist immer eine Ausnahmesituation für Ihre Mäuse, Stress für werdende Mütter und eine Gefahr für den Nachwuchs. Daher gilt: Wenn irgend möglich, verschieben Sie invasive Quarantänemaßnahmen bei einem Parasitenbefall, bis die Jungtiere alt genug sind, um mitbehandelt zu werden. In der Regel ist das je nach Art im Alter von 3 bis 5 Wochen der Fall. 

Quarantäne bei Endoparasiten

Endoparasiten haben Ektoparasiten gegenüber in der Quarantäne einen unschlagbaren Vorteil für Sie als Halter: Sie haben keine Beine. Sie wandern also auch nicht selbständig ab. Um eine Ausbreitung auf andere Tiere im Bestand zu vermeiden, genügt die entsprechende Hygiene. Bei einem symptomlosen Befall können Sie also recht entspannt abwarten, bis werdende Mütter geworfen haben und die Jungtiere für die Behandlung alt genug sind.

Verursachen Endoparasiten bei den älteren Mäusen jedoch akute Probleme wie etwa Durchfall, dürfen Sie die Behandlung natürlich nicht verschieben. Je nach Parasit haben Sie mehrere Mittel für die Behandlung zur Auswahl. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten, welches für tragende und säugende Tiere am schonendsten ist.
Die Quarantäne verlängert sich dann entsprechend, bis die gesamte Gruppe parasitenfrei ist, da nicht selbständige Jungtiere sich zwar schon anstecken, aber noch nicht behandelt werden können.

Quarantäne bei Ektoparasiten

Ektoparasiten sind vielfältig. Bei wirtsnahen Arten wie Grabmilben oder Haarlingen genügt wie bei Endoparasiten die entsprechende Hygiene, um eine Verschleppung zu verhindern, bis die Jungtiere alt genug für ein Antiparasitikum sind.

Mobile, aggressive Parasiten wie Tropische Rattenmilbe und Rote Vogelmilbe müssen Sie sofort nach Entdecken des Befalls limitieren. Dafür hat sich doppelseitiges Klebeband bewährt, das Sie nahtlos um den Quarantänebehälter kleben. So können die Milben nicht abwandern.

Tragende Tiere sollten Sie nur spotten, wenn die Gesundheit der Mutter sonst in Gefahr ist. Besser nehmen Sie – wenn möglich – in die Hand und bürsten die Milben mit einem Pinsel oder einer weichen Zahnbürste aus. Anschließend setzen Sie die Mutter in spe auf einen mit Kieselgur durchsetzten Untergrund.
Scheue Exemplare und Arten können Sie von Raubmilben ablesen lassen. Kieselgur dürfen Sie dann nicht anwenden!
Säugende Alttiere können Sie bei Bedarf spotten. Ist es nicht unbedingt notwendig, verschieben Sie den Spot-on besser, bis die Jungtiere abgesetzt sind.

ACHTUNG!
Bitte wägen Sie bei tragende Mäusen den Einsatz von Antiparasitika immer gründlich ab. Spot-ons, aber auch orale Medikamente wie Panacur können den ungeborenen Nachwuchs der Mäuse schädigen. Die Erfahrung zeigt: Jungtiere von behandelten Müttern sind zum Beispiel häufig kleiner und anfälliger für Infekte als der Nachwuchs unbehandelter Tiere.