Notfallapotheke für Pflegestellen

Für die Notfallapotheke für Pflegestellen setze ich voraus, dass Sie bei einem Fachmann den korrekten Umgang mit Spritzen und das Spritzen kleiner Nagetiere gelernt haben. Außerdem setze ich für Pflegestellen einen sorgsamen Umgang mit Medikamenten voraus und die Erfahrung, wann diese zum Nutzen des tierischen Notfallpatienten einzusetzen sind. Diese Notfallapotheke ist deshalb (in großen Teilen) KEINE Anfängerapotheke und nichts zum Experimentieren für Einsteiger! Wenn Sie Anfänger sind, lesen Sie bitte die Notfallapotheke für private Mäusehalter. Für Pflegestellen bewährt haben sich:

    • Dysticum
    • Joghurt
    • Traubenzucker
    • Kochsalzlösung
    • Glucoselösung
    • Effortil
    • Lotagen
    • Cortison
    • Vitamin K
    • Wärmebox
    • Spritzen + separate Nadeln

 

Joghurt + Dysticum – Der Turbo bei Durchfall

Durchfall ist eine lebensbedrohliche Erkrankung bei Mäusen. Unabhängig von einer möglichst zügigen Feststellung (und Beseitigung) der Ursache ist eine symptomatische Behandlung essenziell. Unabhängig von der konkreten Ursache hat sich die Kombination von Dysticum und Naturjoghurt in der Praxis als effektiver Durchfallstopper bewährt.

Dafür vermischen Sie einen Teil Dysticum mit drei bis vier Teilen Naturjoghurt und geben dem Patienten davon so viel, wie er Ihnen abnimmt. Diese Kombi kann nicht überdosiert werden. Ihre Maus kann davon also so viel bekommen, wie sie mag. Verfüttern Sie die Mischung verteilt über den Tag mehrmals, wobei gilt: je dünner der Durchfall, umso häufiger sollten Sie es anbieten. Einen Effekt sollten Sie im Idealfall schon nach wenigen Stunden sehen.

Achtung: Der Kot verfärbt sich bei der Gabe von Dysticum dunkel bis fast schwarz. Das ist normal.

Dysticum gehört zu den lange haltbaren Medikamenten und ist nicht sehr teuer. Holen Sie sich also ruhig einige Beutelchen vom Tierarzt und packen Sie es in Ihre Mausapotheke. Haben Sie öfter Tiere mit Durchfall in Ihrer Obhut, kann sich auch eine komplette Packung mit Beutelchen oder die große Dose mit losem Pulver lohnen. Das bekommen Sie ebenfalls beim Tierarzt oder in der Apotheke.

Kein Dysticum im Haus, aber Sie brauchen es jetzt? Vielleicht hat eine Apotheke in Ihrer Nähe Activomin. Der Wirkstoff ist identisch. Sie müssen die Kapseln nur öffnen.

Dysticum kann Wechselwirkungen insbesondere mit anderen oralen Medikamenten haben. Lesen Sie daher bitte unbedingt die Dysticum-Info vor der Anwendung!

Joghurt und Dysticum als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: Durchfall
Dosierung: so viel Ihr Tier davon nimmt
Alternativen: Activomin (rezeptfreies Humanpräparat)

 

Traubenzucker – Der Kickstart für Notfälle

Traubenzucker ist Glucose, also ein Einfachzucker. Den muss der Körper nicht aufschließen und kann ihn sofort ins Blut übernehmen. Das ist vor allem bei Akutfällen nach längerer Nahrungsverweigerung oder nach Hungerphasen, bei Kreislaufproblemen und Untertemperatur von Vorteil. Traubenzucker wird dann Teil des Kickstarts für Stoffwechsel und Kreislauf. Besonders, wenn ein Patient noch nichts Festes wieder fressen kann oder der Kreislauf gestützt werden soll, ist dieser einfache, schnelle Zucker von Vorteil.

Der Zucker wird einfach in etwas Wasser gelöst und per Spritze eingegeben. Bei Tieren, die zwangsgefüttert werden müssen, sollten Sie die Lösung sehr dickflüssig machen. So reicht schon der abgeschluckte Teil eines Tropfens bei kleineren Arten. Damit können Sie stark geschwächte Tiere beispielsweise bei Räumungen noch vor Ort erstversorgen.

Für Tiere in der Pflegestelle, die das Wasser noch selbst von der Spritze ablecken und so mehr Volumen aufnehmen, reicht eine dünnere Lösung. Soll der Kreislauf per Päppelbrei gestützt werden, bietet sich Traubenzucker in den ersten 24 Stunden als Breibestandteil auch für selbständig fressende Notfallpatienten an.

Achtung: Bei diabetesgefährdeten Arten sollten Sie der Einsatz gut abwägen.

Traubenzucker als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: Kreislaufprobleme, Untertemperatur, ausgehungerte Mäuse, Nahrungsverweigerung
Dosierung:Wasser : Traubenzucker je nach Fall 1:1 bis 20:1
Alternativen: Haushaltszucker, Honig

 

Kochsalzlösung – Von Dehydration bis Wundspülung

Sterile Kochsalzlösung aus der Apotheke würde ich jeder Pflegestelle empfehlen, da sie sehr vielseitig ist. Zum einen können Sie stark geschwächten, dehydrierten Mäusen ein Flüssigkeitsdepot unter die Haut spritzen. So wird der Kreislauf gestützt und innere Organe – insbesondere die Nieren – werden vor (weiteren) Schäden bewahrt. Im Schnitt spritzen Sie einem farbmausgroßen Exemplar 0,2 bis 0,4 ml. Prüfen Sie eine Stunde nach der Gabe per Hautfaltenprobe, ob das Tier ein weiteres Depot benötigt und spritzen Sie so im Stundentakt nach, bis der Flüssigkeitshaushalt aufgefüllt ist.
Mit steriler Kochsalzlösung können Sie aber auch das vorsichtige Aufwärmen bei Tieren mit Untertemperatur unterstützen. Wärmen Sie die Lösung in der Spritze auf etwa 30 bis 35°C an – also etwas mehr als handwarm. Stellen Sie dafür die Spritze einige Sekunden in ein Glas heißes Wasser und prüfen Sie vor dem Spritzen die Temperatur. Hier reichen in der Regel 0,2ml für den Effekt. Wichtig ist, dass Sie den Patienten anschließend in einer Wärmebox unterbringen, da die warme Lösung allein keine Normaltemperatur wieder herstellen kann. Dieses Verfahren empfiehlt sich vor allem, bei Tieren mit massivem Substanzverlust und leichter Austrocknung.

Spritzen Sie niemals ein zu hohes Volumen auf einmal. Das kann den Kreislauf überlasten und den Zustand Ihres Patienten eher verschlechtern als verbessern. Achtung: Bei Mäusen mit einem extrem schlechten Allgemeinzustand kann die Injektion das Zünglein an der Waage sein. Vertragen die Patienten die Spritze, bessert sich der Zustand in den folgenden Stunden. Sind sie zu schwach, beschleunigt eine Injektion den Verfall. Das Tier verstirbt in der Regel in den kommenden 5 bis 60 Minuten.

Sterile Kochsalzlösung können Sie aber auch äußerlich anwenden – etwa zum Spülen von Wundtaschen oder zum sanften Reinigen von Wundflächen, verklebtem Fell und ähnlichem. Die Lösung darf auch mit Augen und Schleimhäuten in Berührung kommen. Kochsalzlösung hat keinen desinfizierenden oder antibiotischen Effekt. Sind Desinfektion oder eine Antibiose nötig, müssen Sie für diese nach der Akutversorgung noch sorgen.
Eine Flasche der Lösung kostet nur wenige Euro und hält – angebrochen im Kühlschrank gelagert und stets auf hygienische Entnahme geachtet – sehr lange. Verwenden können Sie Kochsalzlösung für alle Mausarten und kleinen Säugerexoten.

Kochsalzlösung als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: Dehydration, Kreislaufschwäche, Temperaturverlust, Wundspülung
Dosierung:farbmausgroße Tiere ca. 0,2 – 0,4ml pro Gabe
Alternativen: keine

 

Glucoselösung – Flüssigkeit und Kickstart für den Stoffwechsel

In einigen Fällen können Sie Kochsalzlösung durch Glucoselösung aus der Apotheke  ersetzen oder mit ihr kombinieren – etwa bei stark abgemagerten oder an schwerem Durchfall erkrankten Mäusen.

Ist ein Temperaturverlust bei einer Maus auf eine Hungerperiode zurückzuführen, sollten Sie Glucoselösung einer Kochsalzlösung zur Injektion vorziehen. Ausgekühlte Mäuse können nicht mehr selbständig fressen und auch die Verdauung läuft nur noch auf Sparflamme. Wenn Sie Ihren Patienten erwärmen, braucht der Stoffwechsel jedoch zumindest etwas Substanz, damit der Kreislauf nicht kollabiert. Die liefert die Glucoselösung, die hier als Kickstart für den Stoffwechsel fungiert. Der hat so etwas zum Verbrennen, wenn er wieder hoch fährt. Hat Ihr Patient nach der Erstversorgung wieder Normaltemperatur nehmen die meisten Tiere auch wieder Brei aus der Schüssel an.
Einen ähnlichen Kickstart-Effekt kann Glucose auch bei einem Kreislaufkollaps haben. Sie eignet sich deshalb auch als Injektionsflüssigkeit im Rahmen von Wiederbelebungsmaßnahmen, etwa bei Problemen in oder nach einer Narkose.

Achtung: Wenn Sie Glucoselösung spritzen, sollten Sie farbmausgroßen Tieren nicht mehr als 0,2 bis 0,3ml verabreichen. Müssen Sie nachspritzen, weil Ihr Patient stark dehydriert ist, verwenden Sie besser Ringer-Laktat-Lösung oder Kochsalzlösung.

Ähnlich wie beim Traubenzucker sollten Sie auch hier die Verwendung bei zuckersensiblen Arten gut abwägen.

Glucoselösung als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: nach Hungerphasen für Kreislauf und Stoffwechsel, als Komponente der Wiederbelebung, Untertemperatur
Dosierung:farbmausgroße Tiere einmalig 0,2 bis 0,3ml
Alternativen: keine

 

Effortil – Stütze für den Kreislauf

Was dem Privathalter der Kaffee ist, ist Ihnen als Pflegestelle das Effortil, das Sie beim Tierarzt bekommen. Effortil ist ein kreislaufanregendes Mittel mit schneller Wirkung. Sein Vorteil: Es geht auch durch die Schleimhäute in den Körper über, muss von Ihrem Notfallpatienten also nicht abgeschluckt werden. Es reicht, wenn Sie einen Tropfen ins Maul geben.

Effortil greift innerhalb weniger Minuten. Sehen Sie nach 10 Minuten keinerlei Effekt, können Sie nachdosieren. Beginnen Sie aber immer mit einem Tropfen. Farbmausgroßen Tieren würde ich nicht mehr als 3 Tropfen im Abstand von jeweils 10 Minuten verabreichen, da Effortil überdosiert werden kann. Es verursacht dann beispielsweise Herzrasen. Ein ähnliches Gefühl kennen Sie vielleicht, wenn Sie schon einmal (deutlich) zu viel Kaffee getrunken haben.

Bewährt hat sich Effortil beispielsweise bei einem Kreislaufkollaps in oder nach einer Narkose, bei Kreislaufkollaps nach Hitzschlag sowie bei einem Kreislaufkollaps durch akuten Stress nach Handlingfehlern.

Effortil als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: Kreislaufschwäche, Kreislaufkollaps, Wiederbelebung
Dosierung:1 bis 3 Tropfen (für farbmausgroße Tiere) im Abstand von jeweils 10 Minuten
Alternativen: Kaffee mit Koffein, notfalls schwarzer Tee

 

Lotagen – Erste Hilfe bei starken Blutungen

Lotagen ist ein Konzentrat mit schwarz-roter Färbung, das entweder pur oder in Verdünnung (z. B. 1:10) angewendet wird. Es hat eine Eiweiß denaturierende Wirkung. Die können Sie sich bei verletzten, stark blutenden Tieren zunutze machen.

Mäuse haben nur wenige Milliliter Blut. In der Regel sind Blutungen jedoch nicht so stark, dass der Körper sie nicht von selbst wieder stoppen kann. Bisswunden etwa von der eigenen Art sind als blutende Einzelwunde selten gefährlich. Vor allem Unfälle mit anderen Haustieren oder an gefährlichem Inventar können jedoch so große Wunden verursachen, dass ein schnelles Stillen der Blutung lebensrettend sein kann. Vor allem stark und länger blutende Verletzungen der großen Gefäße im Schwanz können zu einem gefährlichen Volumenverlust und schlussendlich auch zum Schock und zum Zusammenbruch des Kreislaufes führen.

Hier ist schnelle Hilfe gefragt – und die kann Lotagen leisten. Für diesen Notfall wird die pure Lotagenlösung auf die Wunde getropft. Der denaturierende Effekt des Mittels hilft, die Blutung recht schnell zu stoppen, wenn die Wunde punktuell, aber sehr tief ist.

Bei der Anwendung auf blutenden, flächigen Wunden sollten Sie vor der Anwendung Schaden und Nutzen abwägen. Blutet die Wunde stark und besteht die Gefahr eines hypovolämischen Schocks, ist Lotagen angezeigt. Ist die Wunde dagegen groß, blutet jedoch nur gering bis mäßig und mit nachlassender Intensität, kann es sinnvoll sein, auf Lotagen zu verzichten. Die Lösung stoppt hier nämlich nicht nur die Blutung, sondern schädigt mit dem denaturierenden Effekt auch den Muskel und hinterlässt so einen dauerhaften Schaden. Entscheidungshilfe im Zweifel: Wird das verletzte Tier blass, schlapp oder apathisch, ist schnelles Handeln gegen die Blutung angezeigt.
Wichtig: Der denaturierende Effekt reicht nicht (immer) bei sehr großen, tiefen Wunden – etwa nach Beißereien bei Ratten, Kaninchen oder Meerschweinchen. Die Anwendung ist eher auf kleine Nager beschränkt.

Übrigens: Pures Lotagen eignet sich auch zum regelmäßigen Veröden permanent leicht blutender Warzen, wie sie bei Vielzitzenmäusen öfters zu beobachten sind.

Lotagen als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: stark blutende Wunden
Dosierung: auf die Wunde auftropfen, sodass sie komplett bedeckt ist
Alternativen: keine

 

Vitamin K – Der interne Blutungsstopper

Vitamin K spielt eine große Rolle in der Blutgerinnung. Deshalb wird es mitunter bei starken inneren oder äußeren Blutungen gespritzt, um die Blutung so schneller zum Stehen zu bekommen. Farbmausgroße Tiere bekommen davon etwa 0,05ml einmalig gespritzt. Der Effekt dauert jedoch länger als bei Lotagen. Die Anschaffung lohnt auch nur, wenn Sie häufiger mit Tieren mit Blutungen zu tun haben. Dafür können Sie Vitamin K auch bei größeren, tiefen Wunden und damit auch bei größeren Arten anwenden.

Vitamin K als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: stark blutende Wunden, innere Blutungen
Dosierung:ca. 0,05ml für farbmausgroße Tiere
Alternativen: keine

 

Cortison – Wenn die Luft knapp wird

Eins vorneweg: Cortison ist verschreibungspflichtig und ein sehr starkes Medikament. Es bedarf daher besonders großer Sorgfalt im Umgang. Im Notfallmanagement ist sein Einsatz auf Mäuse mit akuter Atemnot beschränkt. Hierfür brauchen Sie ein schnell wirkendes Cortison als Injektionslösung. Indiziert ist der Einsatz bei Mäusen mit starker Zyanose, Schnappatmung und stark pumpender Atmung. Hier kann es dem Patienten akut Erleichterung verschaffen und die Zeit überbrücken, bis Maßnahmen greifen, die Sie mit Ihrem Tierarzt gegen die Ursache der Atemnot ergreifen. Ab welcher Symptomintensität Cortison sinnvoll ist, entscheidet Ihre Erfahrung als Pflegestelle. Wenn Sie neu im aktiven Tierschutz sind, sollten Sie sich daher im Idealfall in der Beurteilung solcher Fälle von erfahrenen Pflegestellen, Privathaltern oder Tierärzten anlernen lassen!

Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt genau zu Einsatz und Dosierung anleiten. Cortison in der Notfallapotheke lohnt sich nur, wenn Sie als Pflegestelle in die Verlegenheit kommen, in Wohnungsräumungen mitzuarbeiten oder (öfter) schwer kranke Tiere zu übernehmen. Vor allem für Pflegestellen mit Farbmäusen kann sich Cortison in der Notfallapotheke lohnen, da diese öfter mit schweren Atemwegserkrankungen im Tierschutz landen.

Cortison als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: Atemnot, Zyanose, stark pumpende Atmung
Dosierung:je nach Medikament unterschiedlich – fragen Sie Ihren Tierarzt
Alternativen: Kaffee mit Koffein (Achtung: Wirkung ist deutlich schwächer)

 

Wärmebox – Must have für Pflegestellen

Wärme hat in vielen Notfällen eine wohltuende Wirkung und kann sogar lebensrettend sein. Wenn Sie als Pflegestelle arbeiten, lohnt sich die Anschaffung einer Wärmebox, da sie nicht nur in akuten Notfällen, sondern auch bei langwierigen Problemen gute Dienste leistet. So brauchen Sie die Wärmebox beispielsweise für:

  • Temperaturverlust
  • Kreislaufprobleme
  • Verletzungen
  • Untergewicht
  • nach einem Schock
  • nach einer OP
  • bei allen Phänomenen mit sehr schlechtem Allgemeinzustand

Es gibt aber auch Fälle, wie etwa Entzündungen, in denen Wärme kontraproduktiv sein kann. Diese Differenzierung sollten Sie sicher beherrschen – oder im Zweifel mit Ihrem Tierarzt Rücksprache halten.

Die Wärmebox sollte immer so beschaffen sein, dass sie einen Wärmespot mit erhöhter Temperatur bietet und einen etwas kühleren Bereich. Die Wärmequelle muss eine permanente Quelle sein. Hier bieten sich beispielsweise Wärmelampen oder Keramikstrahler, aber auch Heizmatten an. Wichtig ist, dass die Leistung des Heizelementes zur Box passt. Probieren Sie die Kombination also unbedingt aus, bevor Sie sie für den Ernstfall brauchen, damit die notwendige Temperatur erreicht, aber nicht überschritten wird.

Ich nutze für meine Boxen eine Exoterra Heat Glo Infrared mit 50 Watt Leistung. Braucht es der Patient sehr warm, heize ich damit eine 39x22x25cm große Faunabox. Alternativ kombiniere ich die Wärme mit einer 55x39x27cm Dunabox.

Wärmebox als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: sehr schlechter Allgemeinzustand, Temperaturverlust, Apathie, Verletzungen, Post-OP, …
Dosierung:solange externe Wärme gebraucht wird und/ oder der Genesung förderlich ist
Alternativen: Box mit Wärmeflasche, warmem Glas o.ä.

 

 Spritzen + separate Nadeln – So kommt das Medikament ins Tier

Kann eine schwer kranke Maus nicht mehr fressen oder ein Medikament oral aufnehmen oder muss schnell relativ viel Flüssigkeit supplementiert werden, sind Spritzen mit Nadeln unverzichtbar. In der Regel reichen für Injektionen 1-ml-Spritzen. Als Nadeln verwende ich in der Regel die kleinen, schmalen G27x1/2“. Sie genügen für alle hier zum Spritzen genannten Medikamente. Sehr zähflüssige oder ölige Medien lassen sich damit jedoch nur schlecht spritzen. Hier brauchen Sie Nadeln mit größerem Durchmesser.

Einige Pflegestellen nutzen gern Insulinspritzen mit festen Nadeln. Die haben allerdings den Nachteil, dass Sie sie bei Bedarf nicht ohne Nadel für die Hand- oder Zwangsfütterung zweckentfremden können.

Spritzen meinen vor allem bei Patienten in klassischer Mausgröße 1ml-Spritzen. Bei Ratten, Hamsterratten und ähnlich großen Patienten dürfen das auch 2ml- bis 5ml-Spritzen sein. In diesen Spritzen lassen sich zum einen Medikamente zur Gabe direkt ins Maus sehr gut aufziehen. Für sehr kleine Arten würde ich allerdings als Aufsatz noch eine Laborpipette oder Zitzenkanüle empfehlen, um den Patienten am Maul oder am Kiefergelenk nicht zu verletzen.

Außerdem können Sie Päppelbrei sehr gut in der Spritze aufziehen und ein geschwächtes Tier so bequem von Hand und notfalls auch zwangsfüttern.

Spritzen und Nadeln als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: subkutane Medikamenten- und Flüssigkeitsgabe, Päppeln, Zwangsfütterung
Dosierung:/
Alternativen: keine für subkutane Gabe; Pipetten zum Füttern bzw. für orale Gabe
Achtung: Spitzen will gelernt sein. Lassen Sie sich das immer von Ihrem Tierarzt zeigen und unternehmen Sie die ersten Gehversuche im Idealfall an toten Tieren, bevor Sie unter ärztlicher Aufsicht an lebenden Tieren lernen! Spritzen Sie immer waagerecht zum Körper Ihres Patienten. So kann er Ihnen nie aus Versehen in die Spritze springen und sich dabei (tödlich) verletzen.