Notfallapotheke für private Mäusehalter

Akute Notfälle können jeden Mäusehalter treffen. Dann kann eine gut sortierte Notfallapotheke lebensrettend sein. Die nachfolgenden Mittel und Medikamente sollen schwer kranken Tieren helfen, noch lebend beim Tierarzt anzukommen. Diese Apotheke ist ein Zusatz zur normalen Mausapotheke, die ich jedem Halter empfehlen würde. Keinesfalls ist diese Notfallapotheke ein Ersatz für den Besuch beim Mediziner!
Wichtig: Wenn Sie eines dieser Mittel angewendet haben, informieren Sie immer auch den Tierarzt, damit dieser seine Medikamentenangabe im Zweifel entsprechend anpassen kann.

  • Kaffee mit Koffein
  • Dysticum
  • Joghurt
  • Traubenzucker
  • Päppelbrei
  • Lotagen
  • Heatspot oder Heizmatte + Box
  • Spritzen ohne Nadeln

Kaffee für Mäuse – Retter bei Kreislaufproblemen und Atemnot

Kaffee mit Koffein ist in fast jedem Haushalt vorhanden und schon deshalb sehr praktisch für die Notfallapotheke. Wie beim Menschen hat er auch bei Mäusen eine kreislaufanregende Wirkung. Deshalb eignet sich Kaffee unter anderem für Tiere mit schwächelndem Kreislauf, Kreislaufkollaps oder Temperaturverlust. In diesen Fällen kann er helfen, den Kreislauf soweit zu stabilisieren, dass Sie die Zeit bis zur Ankunft beim Tierarzt erfolgreich überbrücken können.

Ebenfalls hilfreich ist Kaffee für Mäuse mit akuter Atemnot. Nach der Gabe von Kaffee atmen mäusische Patienten in der Regel etwas leichter und bekommen besser Luft.

Wer schon einmal den einen oder anderen Kaffee zu viel hatte, weiß: Zu viel des Guten ist auch nicht gesund. Kaffee kann man aber auch bei Mäusen überdosieren. Fangen Sie deshalb immer mit einem Tropfen an, den Sie mit einer Spritze direkt ins Maul geben. Die Wirkung entfaltet sich innerhalb von 5 bis 10 Minuten. Erst wenn der Patient nicht (ausreichend) bei einem Tropfen anspricht, dosieren Sie einen zweiten Tropfen nach – und warten wieder etwa 5 bis 10 Minuten. So können Sie einem farbmausgroßen Tier innerhalb einer Stunden bis zu 5 Tropfen dosieren. Zeigt sich danach immer noch nicht der gewünschte Effekt, hilft Kaffee in diesem Fall nicht (mehr).

Bedenken Sie bei der Dosierung: Die Dosis gilt für Farbmäuse. Sie kann nicht linear für deutlich größere oder deutlich kleinere Arten berechnet werden. Beziehen Sie hier mit ein, dass der Stoffwechsel kleinerer Arten schneller ist (sie also mehr pro Gramm Körpergewicht brauchen), der von deutlich größeren Arten langsamer (sie also weniger pro Gramm Körpergewicht brauchen).

Sie haben keinen Kaffeetrinker im Haus und brauchen den Kaffee eigentlich jetzt sofort für einen Notfall? Schwarzer Tee ist zwar milder, kann aber vor allem bei Kreislaufproblemen ebenfalls helfen. Die Dosierung des Kaffees verdoppeln Sie dann einfach.

Kaffee als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: Atemnot, Kreislaufprobleme
Dosierung:tropfenweise, beginnend mit einem Tropfen bei farbmausgroßen Tieren
Alternativen: dick gekochter, schwarzer Tee

Joghurt + Dysticum – Der Turbo bei Durchfall

Durchfall ist eine lebensbedrohliche Erkrankung bei Mäusen. Unabhängig von einer möglichst zügigen Feststellung (und Beseitigung) der Ursache ist eine symptomatische Behandlung essenziell. Unabhängig von der konkreten Ursache hat sich die Kombination von Dysticum und Naturjoghurt in der Praxis als effektiver Durchfallstopper bewährt.

Dafür vermischen Sie einen Teil Dysticum mit drei bis vier Teilen Naturjoghurt und geben dem Patienten davon so viel, wie er Ihnen abnimmt. Diese Kombi kann nicht überdosiert werden. Ihre Maus kann davon also so viel bekommen, wie sie mag. Verfüttern Sie die Mischung verteilt über den Tag mehrmals, wobei gilt: je dünner der Durchfall, umso häufiger sollten Sie es anbieten.

Dysticum gehört zu den lange haltbaren Medikamenten und ist nicht sehr teuer. Holen Sie sich also ruhig ein Beutelchen vom Tierarzt und packen Sie es in Ihre Mausapotheke. Kein Dysticum im Haus, aber Sie brauchen es jetzt? Vielleicht hat eine Apotheke in Ihrer Nähe Activomin. Der Wirkstoff ist identisch. Sie müssen die Kapseln nur öffnen.

Dysticum kann Wechselwirkungen insbesondere mit anderen oralen Medikamenten haben. Lesen Sie daher bitte unbedingt die Dysticum-Info vor der Anwendung!

Joghurt und Dysticum als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: Durchfall
Dosierung: so viel Ihr Tier davon nimmt
Alternativen:  Activomin (rezeptfreies Humanpräparat)

Traubenzucker – Kreislaufprobleme und Untertemperatur

Traubenzucker ist Glucose, also ein Einfachzucker. Den muss der Körper nicht aufschließen und kann ihn sofort ins Blut übernehmen. Das ist vor allem bei Akutfällen nach längerer Nahrungsverweigerung oder nach Hungerphasen, bei Kreislaufproblemen und Untertemperatur von Vorteil. Traubenzucker wird dann Teil des Kickstarts für Stoffwechsel und Kreislauf. Besonders, wenn ein Patient noch nichts Festes wieder fressen kann oder der Kreislauf für den Weg zum Arzt gestützt werden soll, ist dieser einfache, schnelle Zucker von Vorteil.

Der Zucker wird einfach in etwas Wasser gelöst und per Spritze eingegeben. Bei Tieren, die zwangsgefüttert werden müssen, sollten Sie die Lösung sehr dickflüssig machen. So reicht schon der abgeschluckte Teil eines Tropfens bei kleineren Arten. Für Tiere, die das Wasser noch selbst von der Spritze ablecken und so mehr Volumen aufnehmen, reicht eine dünnere Lösung. Soll der Kreislauf per Päppelbrei gestützt werden, bietet sich Traubenzucker in den ersten 24 Stunden als Breibestandteil auch für selbständig fressende Notfallpatienten an.

Achtung: Bei diabetesgefährdeten Arten sollte der Einsatz gut abgewogen werden.

Traubenzucker als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation: Kreislaufprobleme, Untertemperatur, ausgehungerte Mäuse, Nahrungsverweigerung
Dosierung:Traubenzucker je nach Fall 1:1 bis 20:1
Alternativen:  Haushaltszucker, Honig

Päppelbrei – Von Untergewicht bis Apathie

Nehmen Nager nicht genug Nahrung auf, verlieren sie schon binnen kürzester Frist stark an Körpersubstanz. Um den Tieren bei Entdecken eines Notfalls schnell helfen zu können, sollten Sie einen Päppelbrei in Ihrer Notfallapotheke für Mäuse liegen haben. Welche Zusammensetzung der hat, richtet sich nach der von Ihnen gehaltenen Mäuseart. So können Sie beispielsweise für Farbmäuse sehr gut einen 5- oder 7-Kornbrei aus der Babyabteilung verwenden. Wenn Sie möchten, können Sie aber auch auf Sondennahrung oder Päppelmedien zurückgreifen, die Sie beim Tierarzt erwerben können. Wichtig: Diabetesgefährdete Arten sollten regulär keine Breie mit Getreide, Zucker oder Früchten erhalten. Für herbivore Nager empfiehlt sich ein entsprechender Brei aus Kräutern und Gräsern. Achten Sie bei Rezepten, die Päppelpasten wie Nutrical enthalten, ebenfalls auf die Zuckertoleranz der von Ihnen gehaltenen Mäuseart.

Päppelbrei hilft Ihrem kleinen Patienten, wenn er stark untergewichtig, apathisch oder schwach ist. So kann die kranke Maus einfach und schnell zumindest die nötigsten Kalorien aufnehmen. Außerdem hat Brei die nötige Konsistenz, um ihn notfalls aus der Spritze anzubieten oder Ihren Nager damit bei der Zwangsfütterung zu ernähren.

Auch Patienten mit Atemnot profitieren von einem (recht dünnen) Brei, da sie diesen schneller und damit problemloser fressen können. Zudem müssen sie beim Fressen keine Haltung einnehmen, die das Atmen noch anstrengender macht.

Päppelbrei ist damit ein Mittel, das einer schwerkranken Maus die nötigen Nährstoffe über einige Tage, notfalls Wochen liefert. Er verhindert, dass die Temperaturregulation des Tieres durch mangelnde Substanz zusammenbricht und das Tier auskühlt. Er hält den Stoffwechsel und damit auch den Kreislauf in Betrieb und liefert – teils mit speziellen Zusätzen – gezielt Nährstoffe, die Dysbalancen oder akute Mangelzustände ausgleichen können. Mit Päppelbrei verhindern Sie also im Idealfall nach dem Tierarztbesuch, dass Ihr Patient (erneut) ein lebensgefährliches Stadium erreicht.

Päppelbrei als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation:  Apathie, Untergewicht, Mangelernährung, Kreislaufprobleme, Temperaturverlust; Atemnot
Dosierung:so viel, wie die Tiere freiwillig annehmen; bei Zwangsfütterung wären 0,2ml/ Mahlzeit bei 5-6 Mahlzeiten am Tag für farbmausgroße Tiere gut
Alternativen:  Mehlbrei, Zuckerwasser, Babybrei, Haferschleim, püriertes Obst oder Gemüse mit Öl, …

Lotagen – (Stark) blutende Wunden

Mäuse haben nur wenige Milliliter Blut. In der Regel sind Blutungen jedoch nicht so stark, dass der Körper sie nicht von selbst wieder stoppen kann. Bisswunden etwa von der eigenen Art sind als blutende Einzelwunde selten gefährlich. Vor allem Unfälle mit anderen Haustieren oder an gefährlichem Inventar können jedoch so große Wunden verursachen, dass ein schnelles Stillen der Blutung lebensrettend sein kann. Vor allem stark und länger blutende Verletzungen der großen Gefäße im Schwanz können zu einem gefährlichen Volumenverlust und schlussendlich auch zum Schock und zum Zusammenbruch des Kreislaufes führen.

Hier ist schnelle Hilfe gefragt – und die kann Lotagen leisten. Für diesen Notfall wird die pure Lotagenlösung auf die Wunde getropft. Der denaturierende Effekt des Mittels hilft, die Blutung recht schnell zu stoppen, wenn die Wunde punktuell, aber sehr tief ist.

Bei der Anwendung auf blutenden, flächigen Wunden sollten Sie vor der Anwendung Schaden und Nutzen abwägen. Blutet die Wunde stark und besteht die Gefahr eines hypovolämischen Schocks, ist Lotagen angezeigt. Ist die Wunde dagegen groß, blutet jedoch nur gering bis mäßig und mit nachlassender Intensität, kann es sinnvoll sein, auf Lotagen zu verzichten. Die Lösung stoppt hier nämlich nicht nur die Blutung, sondern schädigt mit dem denaturierenden Effekt auch den Muskel und hinterlässt so einen dauerhaften Schaden. Entscheidungshilfe im Zweifel: Wird das verletzte Tier blass, schlapp oder apathisch, ist schnelles Handeln gegen die Blutung angezeigt.
Auch wenn Sie mit Lotagen die Blutung zum Stehen kriegen, sollten Sie Ihre Maus auf jeden Fall beim Tierarzt vorstellen. Der kann beispielsweise einen hohen Volumenverlust wieder ausgleichen und Sie zur weiteren Behandlung der Wunde anleiten. Lotagen pur ist hier nur das Notfallmittel, das dafür sorgt, dass Ihre Maus nicht auf dem Weg zum Arzt verblutet.

Lotagen als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation:  stark blutende Wunden
Dosierung: auf die Wunde auftropfen, sodass sie komplett bedeckt ist
Alternativen:  keine

Wärmebox – Must have für Mausfans

Wärme hat in vielen Notfällen eine wohltuende Wirkung und kann sogar lebensrettend sein. Wenn Sie dauerhaft Mäuse als Haustiere haben möchten, lohnt sich die Anschaffung einer Wärmebox, da sie nicht nur in akuten Notfällen, sondern auch bei langwierigen Problemen gute Dienste leistet. So brauchen Sie die Wärmebox beispielsweise für:

  • Temperaturverlust
  • Kreislaufprobleme
  • Verletzungen
  • Untergewicht
  • nach einem Schock
  • nach einer OP
  • bei allen Phänomenen mit sehr schlechtem Allgemeinzustand

Es gibt aber auch Fälle, wie etwa Entzündungen, in denen Wärme kontraproduktiv sein kann. Halten Sie deshalb im Zweifel Rücksprache mit Ihrem Tierarzt, bevor Sie die Box nutzen.

Die Wärmebox sollte immer so beschaffen sein, dass sie einen Wärmespot mit erhöhter Temperatur bietet und einen etwas kühleren Bereich. Die Wärmequelle muss eine permanente Quelle sein. Hier bieten sich beispielsweise Wärmelampen oder Keramikstrahler, aber auch Heizmatten an. Wichtig ist, dass die Leistung des Heizelementes zur Box passt. Probieren Sie die Kombination also unbedingt aus, bevor Sie sie für den Ernstfall brauchen, damit die notwendige Temperatur erreicht, aber nicht überschritten wird.

Ich nutze für meine Boxen eine Exoterra Heat Glo Infrared mit 50 Watt Leistung. Braucht es der Patient sehr warm, heize ich damit eine 39x22x25cm große Faunabox. Alternativ kombiniere ich die Wärme mit einer 55x39x27cm großen Dunabox.

Wärmebox als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation:  sehr schlechter Allgemeinzustand, Temperaturverlust, Apathie, Verletzungen, Post-OP, …
Dosierung: solange externe Wärme gebraucht wird und/ oder der Genesung förderlich ist
Alternativen:  Box mit Wärmeflasche, warmem Glas o.ä.

Spritzen ohne Nadeln

Spritzen ohne Nadeln meinen vor allem bei Patienten in klassischer Mausgröße 1ml-Spritzen. Bei Ratten, Hamsterratten und ähnlich großen Patienten dürfen das auch 2ml- bis 5ml-Spritzen sein. In diesen Spritzen lassen sich zum einen Medikamente zur Gabe direkt ins Maul sehr gut aufziehen. Für sehr kleine Arten würde ich allerdings als Aufsatz noch eine Laborpipette oder Zitzenkanüle empfehlen, um den Patienten am Maul oder am Kiefergelenk nicht zu verletzen.

Außerdem können Sie Päppelbrei sehr gut in der Spritze aufziehen und ein geschwächtes Tier so bequem von Hand und notfalls auch zwangsfüttern.

Spritzen als Notfallmittel auf einen Blick:

Indikation:  zum Päppeln und Eingeben von Medikamenten
Dosierung: /
Alternativen:  Pipetten